Illegale Autorennen: Scharfer Blick auf die Szene

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Köln - Bei illegalen Autorennen haben junge Raser in den vergangenen Wochen mehrere schwere Unfälle verursacht. Die Polizei will die Szene nun stärker ins Visier nehmen.

Die junge Radfahrerin trägt einen Helm, fährt vorschriftsmäßig auf einem Radweg in Köln. Als in einer Kurve plötzlich ein Wagen auf sie zuschießt, hat sie keine Chance. Beim Zusammenprall erleidet die 19-Jährige schwerste Verletzungen, an denen sie wenige Tage später stirbt. Der 22 Jahre alte Autofahrer hatte sich wahrscheinlich ein Rennen mit einem anderen Wagen geliefert und beim Überholen die Kontrolle verloren. In jüngster Zeit gab es im Raum Köln gleich mehrere Unfälle infolge illegaler Autorennen. Jetzt will die Polizei verstärkt gegen die Rowdys vorgehen.

"Dieses testosterongesteuerte, lebensgefährliche Verhalten muss gestoppt werden. Das sind wir den Opfern schuldig", sagt der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers. Deshalb sollen an neuralgischen Stellen die Geschwindigkeitskontrollen verstärkt und auffällige Fahrzeuge kontrolliert werden. Außerdem wollen Beamte die Mitglieder der Szene an ihren Treffpunkten aufsuchen, mit ihnen sprechen und ihre Wagen genauer unter die Lupe nehmen. Dabei setzt die Polizei auch auf die Mithilfe der Bevölkerung: "Wer weiß, wo solche Treffpunkte sind oder wo öfter solche Rennen gefahren werden, soll uns unbedingt informieren", appelliert der Leiter der Direktion Verkehr, Hermann Schiffer.

Die "Szene", das sind nach Schiffers Worten hauptsächlich junge Männer zwischen 18 und 24 Jahren mit PS-starken Wagen, die meist tiefergelegt und mit getönten Scheiben ausgestattet seien. "Das Auto hat für diese Leute Kultstatus", erläutert Schiffer. "Es geht darum zu imponieren, zu gefallen und Stärke zu zeigen." Zu den Rennen würden sich die Fahrer entweder verabreden oder spontan zusammenfinden: "Da stehen zufällig zwei an einer Ampel, die nehmen Blickkontakt auf, und dann wird losgerast."

Der 22-Jährige, der vor gut anderthalb Wochen die Radfahrerin in Köln überfahren hat, soll den Unfall mit einer Geschwindigkeit von weit über 100 Stundenkilometern verursacht haben - auf einer Strecke, wo Tempo 50 gilt. Nur einen Tag später wurde ein Radfahrer in Leverkusen schwer verletzt, als er von einem Raser erfasst wurde, der bei einem Rennen eine rote Ampel überfahren haben soll. Wenige Wochen zuvor hatte ein mutmaßlicher Rennteilnehmer in der Kölner Innenstadt ein Taxi gerammt. Ein darin sitzender Fahrgast erlitt so schwere Verletzungen, dass er später daran starb.

Am berüchtigten "Car-Freitag", an dem sich traditionell Tuning-Fans treffen, hat die Polizei auch in diesem Jahr in mehreren Städten Nordrhein-Westfalens Raser gestoppt. Generell gebe es bei illegalen Rennen sicherlich eine hohe Dunkelziffer, sagt Jan Schabacker, Sprecher des Landesamtes für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD). Die Polizei erfahre von den meisten Rennen leider nur, wenn etwas passiert sei. Statistische Daten zu dem Thema lägen nicht vor.

Wer bei einem illegalen Rennen erwischt wird, muss mit einer Geldbuße und einem einmonatigen Fahrverbot rechnen. Kommt es zu einem Unfall mit Verletzten oder Toten, wird nicht mehr wegen einer Ordnungswidrigkeit, sondern wegen eines (versuchten) Tötungsdelikts ermittelt.

Als Reaktion auf die jüngsten Unfälle durch junge Raser hat der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Landtag von Nordrhein-Westfalen, Arndt Klocke, eine PS-Grenze für Fahranfänger vorgeschlagen. "Wer mit 18 den Motorradführerschein macht, darf nicht gleich auf die dicken Maschinen. Aber wer mit 18 den Autoführerschein macht, wird sofort auf Porsche und Lamborghini losgelassen. Das kann nicht sein", sagte er dem "Express". Auch der Kölner Polizeipräsident Albers kann sich ein PS-Limit für junge Fahrer vorstellen. "Da ist der Bundesgesetzgeber gefragt." - dpa

Quelle: wa.de

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