Hindu-Tempel in Uentrop feiert zehnjähriges Bestehen

HAMM - Schon von weitem ist der Rauch zu sehen, den das Kohlekraftwerk in Hamm-Uentrop ausstößt. Die mächtigen Kühltürme thronen über dem angrenzenden Gewerbegebiet. In dieser eher unwirtlichen Umgebung verbirgt sich der Sri-Kamadchi-Ampal-Tempel. Nach Angaben des Architekten Heinz-Rainer Eichhorst ist er der zweitgrößte hinduistische Tempel in Europa. Am Samstag (7. Juli) feiert er sein zehnjähriges Bestehen.

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Wer unvermittelt vor dem Bau mit den beiden 11 und 17 Meter hohen Türmen steht, dürfte sich erst einmal verwundert die Augen reiben. Es ist nicht nur die Umgebung, die einen solchen Tempel nicht erwarten lässt. Das farbenfrohen Gebäude scheint auch geradewegs aus einem bunten Bollywood-Film nach Hamm versetzt worden zu sein. Und das ist kein Wunder: "Der Architekt war mit dem Priester extra in Indien", berichtet Ulrich Kroker, der seit den Anfängen Besuchergruppen durch den Tempel führt und zugleich als Pressesprecher fungiert. Dort habe der Architekt lernen wollen, wie ein indischer Tempel auszusehen hat. Zehn indische Kunsthandwerker taten das übrige, um den Tempel originalgetreu zu bestücken.

Inzwischen ist der Tempel unter Hindus so beliebt, dass sie aus ganz Europa nach Hamm kommen, um dort ihre Hochzeit zu feiern. Zudem gibt es jedes Jahr eine Prozession mit Tausenden Teilnehmern. Und auch die Ortsansässigen scheinen sich an die zunächst kritisch beäugte Gemeinde gewöhnt zu haben. "Bei der Suche nach einem Standort für den Tempel haben wir damals auch unerfreuliche Gespräche geführt", erinnert sich Kroker, der sich seinerzeit für den Hindu-Tempel in Hamm stark gemacht hatte. Immer wieder seien beispielsweise Bedenken vor "Überfremdung" geäußert worden. Inzwischen sei es aber ruhiger geworden. "Die Leute haben scheinbar gemerkt: Das ist ein ganz verträgliches Völkchen", sagt Kroker und lächelt.

Dass der Tempel überhaupt gebaut wurde, ist nicht zuletzt Arumugam Paskarakurukkal zu verdanken, einem umtriebigen kleinen Mann mit freundlichen Augen und einem langen weißen Bart, der an diesem Tag in ein leuchtend orangenes Gewand gewickelt ist. Der heutige Tempelpriester war Ende der 1970er Jahre aus seiner konfliktgebeutelten Heimat Sri Lanka geflohen und vor knapp 30 Jahren nach Hamm gekommen. Eine göttliche Fügung, wie er sagt.

Nachdem ein provisorisch in einer Kegelbahn untergebrachter Hindu-Tempel 1996 aus baupolizeilichen Gründen geschlossen worden war, wollte Arumugam Paskarakurukkal einen neuen Tempel haben. Dass dieser schließlich gebaut wurde, liege auch an der Haltung der Stadt, sagt Kroker. "Die Stadt dachte: Wir haben hier etwas, mit dem wir Weltoffenheit zeigen können." Das habe sicherlich geholfen.

Finanziert wurde das etwa zwei Millionen Euro teure neue Gebäude aus Spendengeldern. Bis heute ist es nicht wirklich fertig. Die beiden Türme sind nach wie vor weißlich, statt bunt. "Eine Geldfrage", wie Kroker sagt. Und obwohl es mit dem Geld immer wieder hapert, hat Tempelpriester Arumugam Paskarakurukkal bereits ein neues Projekt ins Auge gefasst: In der Nähe des Tempels soll ein großes tamilisches Kulturzentrum entstehen. Das Grundstück und ein Modell für das Zentrum stehen schon bereit.

Nun steht allerdings erst einmal die Feier zum zehnjährigen Bestehen an - auch wenn die nicht groß ausfallen wird, wie Kroker sagt. Tempelpriester Arumugam Paskarakurukkal hat lediglich einen Gottesdienst mit einer kleineren Prozession durch das Innere des Tempels geplant. Denn: "Zehn Jahre sind für Hindus nicht entscheidend", sagt Kroker. Viel wichtiger sei die Zahl zwölf. Ein wirklich großes Fest wird es daher wohl erst in zwei Jahren geben.

Quelle: wa.de

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