Große Bestürzung

Brandstiftung in acht Fällen im MK: Junger Feuerwehrmann gesteht - Wehrleiter fassungslos

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Im Sommer 2018 musste die Feuerwehr Herscheid mehrfach zu kleineren Waldbränden im Bereich Grünenthal ausrücken. Was die Einsatzkräfte, die damals pflichtbewusst die Flammen löschten, noch nicht wussten: Ein Kamerad aus den eigenen Reihen hatte die Brände gelegt.

Wegen mehrfacher Brandstiftung wurde ein 21-jährige Feuerwehrmann aus Herscheid im Märkischen Kreis vor dem Amtsgericht Iserlohn jetzt schuldig gesprochen. Die Leitung der heimischen Feuerwehr ist zutiefst betroffen und fassungslos ob der Geschehnisse.

  • Im Sommer 2018 musste die Feuerwehr Herscheid mehrfach zu kleineren Waldbränden ausrücken.
  • Der Brandstifter befand sich in den eigenen Reihen der Feuerwehr.
  • Der junge Feuerwehrmann zeigte im Gericht Reue und Einsicht.

Herscheid – Er ist dazu ausgebildet worden, Brände zu löschen, um Menschen, Natur und Tiere zu schützen. Doch genau das Gegenteil machte ein Feuerwehrmann im Sommer 2018 in Herscheid: Die Serie der Einsätze erstreckte sich über mehrere Wochen, begann mit einem Waldbrand auf dem Rahlenberg und setzte sich mit mehreren kleinen Flächenbränden oberhalb der Ortschaft Grünenthal fort.

Die Vorgehensweise des Täters war auffallend ähnlich: Wie im Verlauf der Gerichtsverhandlung berichtet wurde, habe er stets darauf geachtet, dass sich keine Großbrände entwickeln. Dieses Bestreben blieb erfolgreich, konnte die Feuerwehr – ohne die Ursache zu kennen – die gelegten Brände rasch löschen. Größere Sachschäden entstanden nicht.

Feuerwehrmann aus Herscheid legt Brände: Kameraden werden zunehmend stutzig

Die übrigen Einsatzkräfte beschlich im Laufe der Wochen, in denen sich die Brände mehrten, zunehmend ein merkwürdiges Gefühl. Zwar war es ein heißer Sommer mit etlichen Waldbränden auch in den umliegenden Kommunen. Aber die Häufung des Einsatzortes und auch der Fakt, dass der damals 19-Jährige immer mit zu den ersten Feuerwehrleuten vor Ort zählte, machte manch einen Kameraden stutzig; das berichteten einige von ihnen, die jetzt als Zeugen vor Gericht geladen waren und dort aussagten.

Die Herscheider Feuerwehr konnte ein Ausbreiten des Waldbrandes im Sommer 2018 am Rahlenberg verhindern.

Der inzwischen aus Herscheid verzogene Mann zeigte sich vor Gericht geständig. Er gab zu, insgesamt acht kleinere Flächenbrände gelegt zu haben. Sein Motiv blieb unklar: War er übermotiviert? Suchte er Anerkennung? Handelte er gar aus Langeweile? Diese Fragen bleiben offen.

Brandstiftung in acht Fällen: Feuerwehrmann zeigt Reue

Weil er zum Zeitpunkt seiner Taten 19 Jahre alt war, wurde der ehemalige Feuerwehrmann (bis dato ohne Vorstrafen) nach Jugendstrafrecht verurteilt. Das Amtsgericht Iserlohn folgte bei seiner Urteilsfindung dem Antrag der Staatsanwaltschaft und sprach eine Betreuungsweisung aus.

Für die Dauer von einem Jahr sucht er in regelmäßigen Abständen eine Straffälligenhilfe auf, unterzieht sich Einzelgesprächen mit geschulten Sozialarbeitern. Das Ziel, ein eigenverantwortliches und straffreies Leben zu führen, strebt der Verurteilte offenbar an. So zeigte er während der Gerichtsverhandlung Reue und Einsicht, falsch gehandelt zu haben.

Nach Brandstiftung in den eigenen Reihen: Bestürzung bei der Herscheider Feuerwehr

In Reihen der Herscheider Feuerwehr löste der Fall Bestürzung aus. „Die gute Kameradschaft und der Zusammenhalt zeichnen unsere Wehr aus. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass so etwas bei uns passiert“, sagt Wehrleiter Andre Zimmermann.

Er beschreibt den Verurteilten als fleißig und engagiert, als Person, die seinen Dienst immer ordentlich und unauffällig geleistet habe. Entsprechend überrascht sei er, Zimmermann, gewesen, als die Polizei Ermittlungen wegen des Verdachts auf Brandstiftung aufnahm. Die Wehrleitung sei zu diesem Zeitpunkt zum Handeln gezwungen gewesen und beurlaubte den Verdächtigen.

Vor diesem Hintergrund betont Zimmermann, dass bereits bei der Aufnahme einer jeden Person in die Feuerwehr genau darauf geachtet werde, ob diese dazu fähig ist, den Dienst zu leisten. Nicht nur die Überprüfung des polizeilichen Führungszeugnisses fließe in diese Bewertung ein, auch menschliche Qualitäten und persönliche Einstellungen spielen eine wichtige Rolle.

Nach Brandstiftung in den eigenen Reihen: Welche Konsequenzen daraus ziehen?

Ein Fehlverhalten wie in diesem – für die Herscheider Wehr einzigartigen – Fall sei nicht absehbar gewesen, sagt der Wehrleiter. Doch welche Konsequenzen kann man daraus ziehen? Gibt es vorbeugende Maßnahmen, um ein solches Szenarium im Vorfeld zu verhindern? Ein Patentrezept, so viel steht fest, existiert nicht.

Der Wehrleiter geht davon aus, dass man im Umgang miteinander vermutlich noch ein Stückchen mehr als bislang auf die Belange der Kameraden achten werde. „Doch am Ende des Tages schaut man den Menschen nur vor den Kopf“, stellt Zimmermann ernüchtert fest.

Eine mysteriöse ereignete sich im April 2020 in Kierspe: Binnen weniger Tage musste die Feuerwehr zu drei Bränden ausrücken. Und auch das Feuer-Drama in einem Mehrfamilienhaus in Schalksmühle erschütterte den Märkischen Kreis. „Aus Rache" soll ein 28-jähriger Mann im Dezember 2019das Haus angezündet haben, in dem sein Vermieter wohnte.

Die Stadt Soest kämpft derweil auch mit einer Brandstiftungs-Serie, wie soester-anzeiger.de* berichtet. Hier musste die Feuerwehr sechs Brände innerhalb kürzester Zeit löschen. - *soester-anzeiger.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Quelle: wa.de

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