Heftiger Widerstand gegen Schulversuch im Münsterland

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Die Realschule in Ascheberg (oben) und die Hauptschule in Ascheberg-Herbern: Sie sollen die erste Gemeinschaftsschule in NRW bilden. ▪

DÜSSELDORF/ASCHEBERG ▪ Die Genehmigung der ersten Gemeinschaftsschule in NRW hat im Landtag viel Staub aufgewirbelt. Bereits am Vortag hatte der Philologenverband, die Gewerkschaft der Gymnasiallehrer, wie berichtet, mit einem Gutachten versucht, die neue Schulform zu diskreditieren. Die Gemeinschaftsschule sei verfassungswidrig, weil sie nicht nur für Einzelschulen stehe, sondern für grundsätzliche Strukturveränderungen.

In der Tat hatte der Rat der Gemeinde Ascheberg vor der Genehmigung der Gemeinschaftsschule Auflösungsbeschlüsse für die Hauptschule und Realschule vor Ort gefasst. Weil es bisher aber keine gesetzliche Verankerung für Gemeinschaftsschulen gibt, hält der Gutachter Klagen sowohl betroffener Eltern wie auch der Opposition im Landtag für aussichtsreich.

Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) stellte gestern nochmals klar, dass sie die Experimentierklausel im Schulgesetz für eine ausreichende Legitimation hält, um bis zu 50 Gemeinschaftsschulen als Schulversuch zu genehmigen. Das habe sie rechtlich prüfen lassen. Löhrmann bezog sich auch darauf, dass bereits in der Vergangenheit in NRW umfangreichere Schulversuche gelaufen seien. Vor der Einführung als Regelschule seien zum Beispiel rund 30 Gesamtschulen zunächst als Schulversuche genehmigt worden.

Derzeit laufen Gespräche mit über 50 interessierten Kommunen. Die Genehmigung für Ascheberg bleibt die einzige in diesem Jahr. Im Januar wird dann über alle weiteren Anträge einzeln entschieden. „Es gibt keine Quote. Es ist nicht klar, ob es zum kommenden Schuljahr fünf, 15 oder 30 Schulversuche geben wird“, so Löhrmann. Bei gleichbleibendem Interesse sei aber damit zu rechnen, dass schon 2011 das Parlament zur Gemeinschaftsschule gehört werde. Einen eigenen Gesetzentwurf schloss die Ministerin nicht aus. „Der Anteil von 30 Prozent kann nur erreicht werden, wenn die Gemeinschaftsschule als Regelschule ins Schulgesetz aufgenommen wird.“

„Es ist erfreulich, dass die Gemeinde Ascheberg konsequent und unbeeindruckt von Störversuchen ihren Weg geht“, sagte der Chef der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung, Udo Beckmann. Die Gemeinschaftsschule sei „ein richtiger und wichtiger schulpolitischer Schritt“. Der Veränderungsdruck in den Kommunen sei enorm, so Beckmann. Vor Ort wüssten alle, dass angesichts des demografischen Wandels über Parteigrenzen hinweg Lösungen gefunden werden müssten, um ein wohnortnahes Schulangebot zu erhalten.

Massive Kritik kam erneut von der Opposition: Die Landesregierung zwinge die Kommunen dazu, sich gegenseitig Schüler abzuwerben, sagte FDP-Bildungsexpertin Ingrid Pieper-von Heiden. Die Bildungsqualität werde abgebaut. Die Genehmigung der Gemeinschaftsschule gehe über die Schulpolitik hinaus und gefährde den interkommunalen Frieden, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Karl-Josef Laumann. „Rot-Grün hat den Schulfrieden in NRW nach nur wenigen Monaten zerstört.“

DETLEF BURRICHTER/JAN SCHMITZ

Eckpunkte der Gemeinschaftsschule:

Gemeinschaftsschulen sind Ganztagsschulen mit Schwerpunkt auf der Sekundarstufe I. Sie entstehen durch Zusammenführung bestehender Schulen. Eine Verteilung der Klassen auf mehrere Gebäude in benachbarten Orten ist möglich. In den Klassen 5 und 6 müssen alle Schüler zusammen unterrichtet werden. Es müssen alle Abschlüsse der Sekundarstufe I angeboten werden. ▪ dfb

Quelle: wa.de

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