Hebammen in Existenznot

Hebammen in Existenznot

UNNA/KÖLN ▪ Immer mehr freiberufliche Hebammen sehen ihre Existenz durch steigende Versicherungsprämien bedroht. Mit einer zentralen Protestaktion in Köln wollen die Geburtshelferinnen heute am internationalen Hebammentag auf ihre Not aufmerksam machen und die Politik zum Handeln auffordern.

Das Problem der Hebammen, die zum Beispiel in Geburtshäusern arbeiten oder Hausgeburten begleiten: Ab 1. Juli verteuern sich die Beiträge für ihre Berufshaftpflichtversicherung auf 3689 Euro im Jahr. Ein Anstieg von rund 55 Prozent im Vergleich zu 2009, den die Versicherer mit hohen Schmerzensgeldern und enormen Betreuungskosten für bei der Geburt geschädigte Babys begründen. Deren Lebenserwartung ist dank besserer Therapien deutlich gestiegen.

„Es stimmt, wenn gesagt wird, dass die Haftpflicht der Hebammen den Fortschritt der Therapie übernimmt“, sagt Ulla Kayser, freiberufliche Hebamme im Geburtshaus in Unna. Die Zahl der Schadensfälle bei Geburten in außerklinischen Einrichtungen sei indes nicht gestiegen, betont die 58-Jährige. In Köln will sie deshalb dagegen protestieren, dass die Kosten für teureTherapiennurder„kleinen Berufsgruppe“ der Hebammen aufgebürdet werden.

Zumal den hohen Versicherungsprämien relativ geringe Einnahmen gegenüberstehen. „Mit einem Stundenlohn von etwa 7,50 Euro sind wir ein Niedrigstlohnbereich“, sagt Renate Egelkraut vom Landesverband der Hebammen in NRW. Für die Betreuung einer Entbindung im Geburtshaus bekommt eine Hebamme 445 Euro, bei einer Hausgeburt sind es 537 Euro. Im Schnitt muss eine Hebamme ab Juli also sieben bis acht Frauen entbinden, alleine um die Versicherungsprämie zu erwirtschaften. „Sie nehmen uns Tausende, aber wir verdienen keine Tausende“, bilanziert Renate Egelkraut.

Viele freiberufliche Hebammen in NRW haben bereits Konsequenzen gezogen und bieten nur noch Betreuung vor und nach der Entbindung, aber keine Geburtshilfe mehr an. Das Geburtshaus in Witten wird schließen. In den Häusern in Unna, Soest und Werne ist man besorgt, auch wenn die Einrichtungen gut ausgelastet sind. „Wir werden noch mehr arbeiten müssen“, sagt Barbara Richardt vom Geburtshaus in Soest. „Aber die Qualität darf darunter nicht leiden.“ ▪ SIMONE TOURE

Quelle: wa.de

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