Urteil gefallen

Lebenslange Haft für Ruderclub-Mörder - Revision

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Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Peter Wehn am Dienstag im Gerichtssaal.

[UPDATE 19 Uhr] DORTMUND/HAMM - Wegen heimtückischen Mordes wurde am Dienstag der 45-jährige Angeklagte im Prozess um die tödlichen Schüsse am Ruderclub zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Dieser will nun Revision einlegen.

Getrieben von Hass habe der seit vielen Jahren in Hamm lebende Russlanddeutsche seinen ehemaligen Freund und Geschäftspartner, einen 41-jährigen Familienvater, am 24. November 2013 kaltblütig umgebracht, hieß es in der Begründung des Schwurgerichts.

Der Angeklagte hatte auch am letzten der insgesamt 19 Prozesstage die Tatvorwürfe bestritten. „Ich schwöre bei Gott, bei meinen Kindern, dass ich kein Mörder bin“, tat er in seinem letzten Wort kund. „Das war ein Profikiller. Das wurde auf Bestellung gemacht“, lautete seine Version für das brutale Geschehen, bei dem das Opfer zum Abschluss einer Tennisstunde durch drei von insgesamt fünf Schüssen tödlich getroffen wurde.

Der Tatort: die Tennishalle des Sportvereins Ruderclub in Hamm.

Die 37. Kammer des Landgerichts schenkte dem 45-Jährigen keinen Glauben. „Das sind letztlich Spekulationen. Es gibt keinen Hinweis auf die Täterschaft eines anderen“, führte der Vorsitzende Richter aus.

Indizien statt handfester Beweise

Handfeste Beweise hatten sich im Laufe des halbjährigen Prozesses nicht finden lassen. Dafür aber eine Reihe von belastenden Indizien. Schmauchspuren wurden an der Kleidung des Angeklagten gefunden, ebenso hatte er die Tat eine Woche vor der Begehung gegenüber einem Zeugen angekündigt. Und zwar so, wie sie tatsächlich erfolgte.

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Der Angeklagte habe eine hohe Affinität zu Waffen gehabt und sich seit 2005 an einer Waffenbörse im Internet beteiligt. Man könne davon ausgehen, dass er ein erfahrener Schütze sei. „Und der Angeklagte besaß ein Motiv. Er war von Hass erfüllt“, führte der Vorsitzende Richter aus. Der 45-jährige habe das Opfer für sein privates und geschäftliches Scheitern verantwortlich gemacht. Erst kurz vor der Tatbegehung habe er von einem – allerdings Jahre zurückliegenden – Verhältnis seiner Frau mit dem Opfer erfahren. „Jedes Indiz ist von beschränktem Wert. Entscheidend ist hier aber die Gesamtschau“, so die 37. Kammer in ihrer Begründung.

Keine Alternative beim Strafmaß

Keine Alternative gab es für das Gericht beim Strafmaß. Da es sich in diesem Fall eindeutig um einen heimtückischen Mord handelt, war eine lebenslängliche Strafe vom Gesetz automatisch vorgegeben. Eine besondere schwere der Schuld wurde nicht erkannt. Sollte das Urteil Rechtskraft erlangen, könnte der 45-Jährige, der seit seiner Festnahme am 2. Dezember 2013 in der Dortmunder Justizvollzugsanstalt in Untersuchungshaft einsitzt, nach 15 Jahren wieder entlassen werden.

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Verteidiger Peter Wehn zeigte sich von dem Urteil gegen seinen Mandanten nicht überrascht. „Es hat sich in dem Prozess keine wirkliche Alternative herausgestellt“, sagte er nach der Urteilsverkündung. Wehn kündigte an, Revision beantragen zu wollen. Diese würde am Bundesgerichtshof in Karlsruhe stattfinden.

Quelle: wa.de

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