Serie: Wie kaufen wir – wie zahlen wir?

Nur Bares ist Wahres? Hammer stehen nicht auf Kartenzahlung

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Hamm - Auch nach dem längsten Shopping-Trip, dem gemütlichen Bummel durch die Stadt oder dem kurzen Halt beim Bäcker führt der Weg zur Kasse. Während das bargeldlose Bezahlen immer beliebter wird, setzen die Hammer weiter auf Bargeld.

Damit dient die Stadt fast schon als Blaupause für ganz Deutschland. Die Bargeldquote liegt nach Angaben der Sparkasse Hamm derzeit bei etwa 50 Prozent. Bei kleineren Beträgen unter 20 Euro ist dieser Anteil aktuell allerdings noch deutlich höher – bei rund 75 Prozent. „Der gemeine Deutsche nutzt eben lieber Bargeld. Das wird sich erst über Generationen hinauswachsen“, sagt Volksbank-Sprecher Carsten Jäger.

Anders als in den skandinavischen Ländern, wo selbst am Hotdog-Stand auf der Straße Kleinstbeträge bequem mit Karte bezahlt werden, greifen die Hammer beim Bäcker oder auf dem Markt noch gerne ins Kleingeldfach. Dort ist Kartenzahlung zudem nur vereinzelt möglich. Die Tendenz: steigend. Möglich machen das neue Techniken wie das „mobile Bezahlen“, das die Sparkasse Hamm im Sommer einführte. Die Volksbank zieht mit einer eigenen Banking-App im kommenden Jahr nach.

Kartenzahlung führt in Hammmancherorts (noch) ein Schattendasein.

In Hamm sind diese beiden Geldinstitute mit zusammen rund 110.000 Privatkunden die Platzhirsche. Innovationen, die sie in Sachen Bezahlung auf den Markt bringen, kommen deshalb direkt bei den meisten Hammern an. „Mehr als 1000“ Kunden hätten sich bisher für das „mobile Bezahlen“ registriert, erklärt die Sparkasse. Hinzu würden Echtzeit-Überweisungen kommen und das Handy-zu-Handy-Bezahlverfahren Kwitt, das die Sparkasse zusammen mit der Volksbank ermöglicht.

Zahlen auch bald per „Smart Watch“

Solche Varianten würden allmählich die Akzeptanz neuer Bezahlweisen erhöhen. „Dort, wo mehr gekauft wird und die Kaufkraft höher ist, nimmt im Regelfall auch die Nutzung bargeldloser Bezahlmöglichkeiten zu“, betont Sparkassen-Sprecher Philipp Schönenberg. Kurzfristig werde das „mobile Bezahlen“ mit weiteren aktuellen Endgeräten wie der „Smart Watch“ – einer digitalen Uhr – möglich werden.

Alternativen zur Barzahlung.

Für Volksbank-Sprecher Jäger ist die Akzeptanz neuer Bezahlmethoden stark an das Empfinden der Bürger geknüpft. „So etwas muss ich ausprobieren und sehen: Das ist ja ganz einfach. Sonst mache ich das auch nicht“, sagt er. Es gebe bei den Kunden auch Sicherheitsbedenken, die ausgeräumt werden müssten. Als Beispiel nennt Jäger die Volksbank-Bezahlfunktion Paydirekt als Pendant zum Dienst Paypal. „Da muss man sich fragen, ob man seine Daten lieber über Amerika jagen will oder über unsere sicheren Wege hier in Deutschland“, sagt Jäger.

Über den Abbau von Infrastruktur, also wegfallende Geldautomaten, werde sich das Bezahlverhalten der Hammer in den kommenden Jahren ebenfalls ändern, prognostiziert Jäger. Davon, dass sich viele Bürger ihr Bargeld künftig eher an der Supermarktkasse abholen, ist er überzeugt.

Höhe der Beträge oft entscheidend

Den Einzelhandel in Hamm sieht Matthias Grabitz, Sprecher des Beirats Einzelhandel und Geschäftsführer eines Damenmodegeschäfts, gut gerüstet für die neuen Möglichkeiten. „Da ist viel möglich. Auch, wenn die Handyzahlung noch sehr verhalten genutzt wird“, sagt Grabitz. „Wie die Leute bezahlen, hängt immer noch stark von den Beträgen ab.“

In der Konkurrenz zum Online-Handel sieht Grabitz beim Bezahlen einen entscheidenden Vorteil: „Bei uns ist das anonyme Zahlen immer noch möglich. Hier muss niemand seine Daten angeben, wenn er bar bezahlt. „Deshalb bin ich auch kein Freund davon, ganz auf das Bargeld zu verzichten“, meint Grabitz.

Quelle: wa.de

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