Trio-Kandidat: In Hagen vertritt ein OB-Anwärter drei Parteien

+
Der parteilose Politiker Erik O. Schulz wird von CDU, Grünen und FDP unterstützt.

HAGEN - In Hagen könnte es nach der Kommunalwahl den einzigen parteilosen Oberbürgermeister in Nordrhein-Westfalen geben. Dabei war der gemeinsame Kandidat von CDU, Grünen und FDP bis vor kurzem noch bei der SPD.

Der Kommunalwahlkampf in Nordrhein-Westfalen läuft überall auf vollen Touren. Doch in Hagen geht es diesmal vergleichsweise entspannt zu: In der Großstadt am Rande des Ruhrgebiets geht ein Oberbürgermeister-Kandidat für gleich drei Parteien ins Rennen. Der parteilose Politiker Erik O. Schulz wird von CDU, Grünen und FDP unterstützt - obwohl er bis vor wenigen Wochen noch SPD-Mitglied war.

Genau 24 Jahre war der 48-jährige diplomierte Verwaltungswirt und Geschäftsführer einer Hagener Beratungsagentur bei den Sozialdemokraten. Dann warf er im Februar frustriert das Handtuch und gab sein Parteibuch zurück, nachdem ihn die Genossen auch für die diesjährige Kommunalwahl zum zweiten Mal nach 2009 nicht aufstellen wollten.

Nun geht der 48-jährige als gemeinsamer Kandidat von CDU, Grünen und FDP ins Rennen um den OB-Posten. "Ich denke, es da gab einen klaren Blick auf die Person mit der Frage, was ein OB können muss. Als Verwaltungsfachmann hatte ich gute Karten", sagt Schulz. Im Fall eines Wahlsiegs wäre er seit der unmittelbaren Nachkriegszeit der erste Oberbürgermeister in NRW ohne Parteibuch. Einen neuen Oberbürgermeister bekommt Hagen auf jeden Fall, denn Amtsinhaber Jörg Dehm (CDU) tritt nicht wieder an.

Als möglicher Rathauschef sieht sich Schulz als "Moderator", der "parteiübergreifende Schnittmengen" bei der Gestaltung der Kommunalpolitik organisieren will. Ein Zeichen für eine Jamaika-Koalition sei seine Kandidatur daher nicht zu verstehen. Auch bei seinen Unterstützern wird das so gesehen. CDU, Grüne und FDP träten nicht als "Blockparteien" an, hatte FDP-Kreischef Ulrich Alda betont.

Die drei Parteien haben Schulz jeweils fast einhellig zu ihrem Kandidaten gekürt. Die Grünen sehen dabei über unterschiedliche Ansichten etwa zur Ausweisung eines Gewerbegebietes auf einer landwirtschaftlichen Fläche hinweg: "Überkommene Feindbilder aus den Schützengräben politischer Lagerbildung bringen die Stadt nicht voran", teilte die Sprecherin des Partei-Kreisverbands, Nicole Pfefferer, mit.

Bei der SPD ist man sauer und kritisierte Schulz' Kandidatur als "unseriös". Parteichef Timo Schisanowski nennt den Ex-Genossen gar einen "rücksichtslosen Karrieristen". Gegenüber seinen früheren Parteikollegen gebe es "Funkstille im Wahlkampf", räumt Schulz ein. Er gehe aber davon aus, dass sich das ändert, sollte er die Wahl gewinnen: "Ich möchte die SPD natürlich mit einbinden."

Parteilose Kandidaten wie Schulz treten inzwischen bundesweit immer häufiger an. Nach Schätzung des Bürgermeistertags, einer kommunalen Fachtagung für parteiunabhängige Bürgermeister und Landräte, sind bereits rund 45 Prozent aller hauptamtlichen Bürgermeister und Oberbürgermeister in Deutschland ohne Parteibuch. Genaue statistische Angaben gibt es dazu aber nicht.

Der Erfolg der Parteilosen könnte aus Sicht von Wahlforschern auch Folge der Personalschwäche der Parteien sein, deren Mitgliederzahlen seit Jahren im Sinkflug sind. Hinzu kommt: die Stadtoberhäupter werden inzwischen in allen Flächenländer direkt gewählt. Das mache vor allem die OB-Wahl zur "Persönlichkeitswahl", stellt die Sozialdemokratische Gemeinschaft für Kommunalpolitik (SGK) fest. Die Wähler legten dabei vor allem Wert auf Fachkompetenz. - dpa

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare