Haft für Pflegemutter - Annas Tod war gewollt

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Annas Pflegemutter (vorne) beherrschte ihre Umgebung, auch ihren mitangeklagten Mann (hinten).

BONN - Es gab Applaus im Saal des Bonner Schwurgerichts für das Urteil im Fall der kleinen Anna, die in Bad Honnef in der Badewanne ihrer Pflegeeltern ertränkt wurde. Wegen Mordes, Freiheitsberaubung mit Todesfolge und Misshandlung von Schutzbefohlenen wurde die 52 Jahre alte Pflegemutter zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der gleichaltrige Pflegevater erhielt eine Haftstrafe von sechseinhalb Jahren.

Das Urteil nimmt die machthungrige Pflegemutter ohne sichtbare Regung entgegen. Nach einer Operation sitzt die schwergewichtige und an Diabetes leidende Frau im Rollstuhl. Bis zuletzt hat sie in dem im Januar begonnenen Prozess geschwiegen. Ihr Mann hat sie schwer belastet mit seinen teils unter Tränen hervorgepressten Aussagen. Erst am Ende des Prozesses schreibt sie einen Brief, in dem sie ihren Mann der Tötung an Anna beschuldigt. Dies sei der letzte verzweifelte Versuch gewesen, sich vor der Verantwortung zu drücken, sagt der Richter.

Eigentlich sollte es für Anna in der neuen Pflegefamilie bergauf gehen. Ihr leiblicher Vater war gestorben, da war sie zwei Jahre alt. Ihre Mutter begann zu trinken und deren neuer Lebensgefährte ebenso. 2008 kommt Anna zu den Pflegeeltern nach Bad Honnef, die sie von einem früheren Aufenthalt schon kennt, die Pflegemutter nennt sie „Tanti“. Das anfänglich liebevolle Verhältnis zu Anna aber verändert sich bald. Will das Kind nicht essen, muss es stundenlang in der Ecke stehen, es wird mit Kugelschreiberspitzen in den Oberarm gestochen oder muss ohne Decke schlafen. Der Pflegevater bringt Anna dann später zwar eine Decke ans Bett, holt diese aber am Morgen wieder weg, damit seine Frau es nicht merkt. Die Frau habe in der Ehe den Ton angegeben, sagt der Richter. „Er war der Butler mit Ehering.“

Der Pflegemutter ging es laut Urteil einzig um die Befriedigung ihrer eigenen Persönlichkeit und die Machtausübung über Anna. Sie habe zur wichtigsten Bezugsperson für Anna, zur Mutter, werden wollen. „Es sollte ihr Kind werden.“ Mit einem Gewirr aus Lügen und Intrigen habe sie es geschafft, dass der Kontakt zwischen leiblicher Mutter und Anna schließlich unterbunden wurde. Auch die Verantwortlichen in den Jugendämtern wurden getäuscht. Die immer deutlicher zu sehenden Blutergüsse bei Anna erklärt sie mit einer Selbstverletzungswut des kleinen Mädchens. Sie lässt Anna Briefe schreiben, in denen sie von ihrer Pflegemutter schwärmt.

Doch Anna wehrt sich gegen Bevormundung und Strafe. Sie isst nicht richtig, reagiert bockig. Ab Spätsommer 2009 werden Essprobleme mit Abduschen in der Badewanne gelöst. Dabei stellen die Pflegeeltern fest, dass das Kind schnell ruhig wird, wenn es untergetaucht wird. „Getunkt“ nennt das der Pflegevater in seiner Aussage. Das habe er seiner Frau überlassen. Eingeschritten sei er nicht.

Am 22. Juli 2010 erbricht Anna das Essen und soll in die Wanne. Als sie sich lautstark wehrt, wird sie mit Panzerklebeband an Händen und Füßen gefesselt, auch der Mund wird ihr verklebt. In der Wanne wird die Handfessel gelöst und der Klebestreifen entfernt. Als Anna erneut laut wird, drückt die Pflegemutter sie unter Wasser – mindestens drei Minuten, sagte der Gerichtsmediziner im Prozess aus. Damit wird klar, Annas Tod war kein Unfall, sondern offensichtlich gewollt.

Als die Angeklagte das Kind unter Wasser gedrückt habe, müsse sie eine Art Resümee gezogen haben, sagt der Richter. Sie habe gebangt, Anna durch das Jugendamt zu verlieren. Damit sie nicht zugeben musste, dass sie versagt hatte, drückte sie Anna weiter unter Wasser. Der unterwürfige Pflegevater befreit Anna erst, als diese schon blau angelaufen ist.

Annas leibliche Mutter hat sich nach der Verurteilung erleichtert gezeigt. „Die Strafe ist gerecht“, sagt sie. Die Mutter war als Nebenklägerin aufgetreten. Der Prozess habe sie ziemlich belastet. Sie wünsche sich nun einen Neuanfang. „Ich denke immer an Anna, jeden Tag.“ - dpa/dapd

Quelle: wa.de

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