Gymnasiasten bei den Fahrtkosten im Nachteil

DÜSSELDORF ▪ Das sogenannte Turbo-Abitur in acht Jahren (G8) hat zur Benachteiligung der Gymnasiasten in der 10. Klasse geführt. Weil die Oberstufe durch die Verkürzung um ein Schuljahr bereits mit Eintritt in die 10. Klasse beginnt, werden Fahrkosten erst ab einer Schulweglänge von fünf Kilometern erstattet – so wie es ansonsten ab der elften Klasse üblich ist. Für die Sekundarstufe I gilt aber weiterhin die Mindestlänge von 3,5 Kilometern, ab der die Kommunen die Fahrtkosten übernehmen. Zehntklässler von Real-, Gesamt- und Hauptschulen kommen somit deutlich öfter in den Genuss der Fahrkostenerstattung, denn sie gehören weiterhin zur Sekundarstufe I.

Gegen diese Ungleichbehandlung hat jetzt ein Elternteil aus dem Ruhrgebiet erfolgreich geklagt, weil die Kommune die Übernahme der Kosten für den 4,5 Kilometer langen Schulweg verweigert hatte. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen kam zu dem Urteil, dass die körperliche Leistungsfähigkeit vom Alter und nicht von der Schulform abhängig ist. Die Richter schlossen definitiv aus, „dass das körperliche Leistungsvermögen eines Gymnasiasten der Jahrgangsstufe 10 höher einzustufen ist als das zum Beispiel eines Real- oder Gesamtschülers der Jahrgangsstufe 10“.

Es gibt aber auch bereits anderslautende Urteile vom Verwaltungsgericht Minden, die die unterschiedliche Handhabung bei den Zehntklässlern in zwei Fällen bestätigt hat.

Doch der mühsame Weg über das Oberverwaltungsgericht bleibt den Unterlegenen wohl erspart. Die rot-grüne Landesregierung will den Streit schon zum neuen Schuljahr 2011/12 ein für allemal beilegen. Derzeit befinde sich eine Verordnung zur Änderung der Schülerfahrkostenverordnung in der Ressortabstimmung, sagte Schulministeriumssprecherin Barbara Löcherbach unserer Zeitung. Ziel sei es, dass Schüler der zehnten Klassen an Gymnasien ebenfalls eine Erstattung schon ab einer Entfernung von 3,5 Kilometern erhalten sollen.

Landesweit etwa 60 000 Gymnasiasten besuchen in diesem Schuljahr die zehnte Klasse. Es ist der erste Zehnerjahrgang im G-8-Bildungsgang. Nur ein Teil ist aber von der Fahrkostenerstattung ab 3,5 Kilometer betroffen. Wie viele genau, darüber gibt es weder im Ministerium noch bei den kommunalen Verbänden belastbare Zahlen.

DETLEF BURRICHTER

Aktenzeichen 4 K 2150/10

Aktenzeichen 8 K 2509/10

Aktenzeichen 8 K 2686/10

Quelle: wa.de

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