Werdohler produzieren zu viel Plastikmüll: Tipps zur Vermeidung

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Direkt in die Dose. Gudrun Rabe von der Metzgerei Jedowski packt Wurst in einen mitgebrachten Behälter. So entsteht beim Einkauf kein Plastikmüll

Werdohl/Neuenrade - Niemand kommt an Plastikmüll vorbei. Mittlerweile ist das Thema auch in der Politik angekommen, denn China importiert seit dem 1. Januar keinen Plastikmüll mehr. So schrieb die chinesische Regierung an die Welthandelsorganisation (WTO), dass die Importverbote eingeführt würden, um Umwelt und menschliche Gesundheit zu schützen.

China war jahrelang wichtigster Müllimporteur, nahm rund 56 Prozent des weltweiten Plastikmülls bei sich auf. Deutschland ist in Sachen Plastikmüll Spitzenreiter in Europa. In Werdohl fielen laut Zahlen des Statistischen Landesamtes im vergangenen Jahr insgesamt 884 Tonnen Plastikmüll an, was pro Kopf 49,4 Kilogramm jährlich bedeutet. Das ist fast doppelt so viel wie der deutsche Durchschnitt von 25 Kilogramm pro Kopf.

Das liegt mitunter daran, dass Müll beim Einkaufen inklusive ist. Verpackungen, Plastiktüten für Obst und und Gemüse, Joghurtbecher, abgepackte Wurst und Fleisch – einfacher wäre es aufzuzählen, was nicht in Plastik verpackt ist. Aber auch durch Versandhandel, so wie Essen und Trinken zum Mitnehmen, entsteht ein großer Teil an Plastikmüll.

Neues Gesetz ab Januar 2019

Doch der Handel soll sich wandeln. Das Umweltbundesamt hat ein neues Verpackungsgesetz ins Rollen gebracht, das ab dem 1. Januar 2019 in Kraft treten soll. Umverpackungen gelten zukünftig als Verkaufsverpackungen, ökologische Kriterien müssen bei der Herstellung berücksichtigt werden und sollen vor allem Hersteller dazu bewegt werden, Verpackungsmaterialien zu verwenden, die aus recycelten Materialien bestehen oder zu einem hohen Prozentsatz recycelt werden können.

Bisher werden gut 90 Prozent der Plastikabfälle eingesammelt, aber mehr als die Hälfte davon landet in Müllverbrennungsanlagen – oder im Ausland und schließlich in der Natur. Um die gelbe Tonne und damit die Umwelt zu entlasten, gibt es immer mehr Familien, die versuchen weitestgehend auf Plastik zu verzichten und Alternativen zu suchen. Der SV gibt in den kommenden zwei Wochen Tipps, wie jeder Haushalt mit kleinen Veränderungen im Alltag weniger Plastikmüll produzieren kann.

Der Weg in den Supermarkt beginnt meistens mit dem Gang durch die Obst- und Gemüseabteilung. Hier zwei Äpfel, da drei Birnen, und ein Kilogramm Tomaten – sorgfältig verpackt in Plastiktüten. Zuhause schnell ausgepackt, landet die Tüte im Müll. Äpfel und Birnen könnten aber genauso gut in den Einkaufswagen gelegt werden. Für Kartoffeln, Tomaten, oder Trauben kann ein kleiner Stoffbeutel genutzt werden. Auf dem Wochenmarkt oder im Hofladen lässt sich das Prinzip ebenfalls umsetzen.

Sabine Gappel aus Neuenrade näht sich ihre Beutel für Obst und Gemüse zum Beispiel einfach selbst. Tüten für Obst, Gemüse und Brot nutzt die Neuenraderin nie. Auch ihr Waschmittel füllt sie sich zum Beispiel in einem Laden in Iserlohn seit knapp 30 Jahren ab.

DIY: Stoffbeutel für Obst und Gemüse selber machen

Fleisch wird an der Frischeheke in den Supermärkten oft in mehrere Lagen Plastik gewickelt. Aus hygienischen Gründen dürfen Kunden nicht ihre mitgebrachten Behälter abgeben.

Mitgebrachte Behälter befüllen lassen

Bei der Metzgerei Jedowski ist dies auf Wunsch des Kunden jedoch möglich. Die mitgebrachten Behälter können mit Wurst und Fleisch befüllt werden. „Bei uns geht das in Ordnung“, sagte Judith Heuer, vom Familienunternehmen. Auch beim Metzger Graf lassen die Kunden häufig ihre mitgebrachten Dosen befüllen – ohne Probleme. Im Supermarkt ist das so noch nicht möglich. Obwohl manche Unternehmen bereits Werbung damit machten, dass an der Frischetheke die Kundenbehälter befüllt werden können, haben die in Werdohl ansässigen Läden noch keine Lösung gefunden, die den hygienischen Anforderungen gerecht werden.

Getränke werden auch 15 Jahre nach Einführung des Einwegpfandes mehrheitlich in eben solchen Kunststoffflaschen verkauft. So entstehen jährlich in Deutschland nur durch diese PET-Flaschen (Polyethylenterephthalat), rund 450 000 Tonnen Plastikmüll. Mehrwegflaschen können dagegen im Schnitt rund 40 Mal benutzt werden, bevor sie eingeschmolzen und recycelt werden. Von den zurückgegebenen Einwegflaschen werden lediglich 26 Prozent zu neuen Flaschen verarbeitet, 23 Prozent zu Fasern und 20 Prozent zu Folien. Der Rest wird zu Müll, kommt auf eine Deponie ins Ausland oder wird verbrannt.

Werdohler Wasser hat gute Qualität

Bei Wasser als Erfrischungsgetränk kann neben Mehrweg auch der Griff zum Wasserhahn eine Alternative sein. Dietmar Nörthemann, Wassermeister der Stadtwerke Werdohl, weiß: „Das Leitungswasser kann bedenkenlos getrunken werden.“ Im Werdohler Wasser seien weder Kalk, noch andere bedenkliche Stoffe. Blei und Nitrat müssen am meisten beobachtet werden – und die Werte liegen mit 4,2 Milligramm auf einen Liter bei Nitrat, und weniger als 0,0001 Milligramm Blei auf einem Liter sehr weit unter einer bedenklichen Menge. „Trinkwasser ist das am besten bewachteste Lebensmittel“, sagte Nörthemann. Wer also weder Mehr- noch Einwegflaschen kaufen möchte, kann auf das regionale Wasser aus dem Hahn zurückgreifen.

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