Getränke, Post, Lotto - und eine lange Tradition

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Lotto und Post sollen zum Umsatz beitragen, bringen aber auch Kunden in den Laden, die sonst vielleicht nicht in die Straße Am Stade abbiegen würden.

RÖNSAHL - Verkaufsschlager im Getränke-Sortiment ist ein Bier, das nur wenige Meter vom Laden entfernt gebraut wird. Doch letztlich sagt das auch viel über die Mengen aus, die in dem Geschäft von Regina Marcus verkauft werden. Als eines von neun Unternehmen bietet dieses eine Einkaufsmöglichkeit in dem Dorf an der Grenze zum Rheinland.

„An erster Stelle liegt eindeutig das Rönsahler Bier, danach greifen die Kunden zum Krombacher und zum Reisdorf Kölsch“, sagt Regina Marcus, die auch Namensgeberin ihres Geschäfts „Reginas Laden – Getränke und mehr...“ ist. An der Stelle, wo heute das Bier seinen Besitzer wechselt, kaufen die Rönsahler – und nicht nur diese – seit Jahrzehnten ein.

Ursprünglich befand sich an gleicher Stelle eine Mühle mit Bäckerei. 1932 wurde dort ein Lebensmittelgeschäft von Anna Marcus eröffnet. Es müssen gute Zeiten gewesen sein, denn Autos waren unerschwinglich und Kierspe für die Rönsahler damit nicht viel näher als Hagen oder Köln. Allerdings war das auch eine Zeit, die von der Landwirtschaft geprägt wurde. Viele Kunden produzierten also einen Großteil ihrer Lebensmittel selbst. Doch der Einzelhändlerin gelang es, mit der Geschäftsöffnung eine Grundlage zu legen, die drei Generationen tragen konnte, auch wenn das Ende absehbar ist.

Regina Marcus wird wohl die letzte Inhaberin des Geschäfts sein. 35 Jahre ist es her, dass sie nach Rönsahl kam. Ursprünglich hatte sie im Siegerland ihre Einzelhandelsausbildung gemacht – und dort in einem Markt ihren Mann Karl-Friedrich Marcus kennengelernt, der sich auf seine Selbstständigkeit in Rönsahl vorbereitete.

1982 heirateten die beiden und ein Jahr später übernahmen sie das Geschäft an der Straße Am Stade. Bis 1995 führten sie dieses als Lebensmittelgeschäft gemeinsam. Dann bekam Karl-Friedrich Marcus das Angebot, einen Rewe-Markt in Marienheide zu leiten. Ein Angebot, das er gerne annahm.

Erst Mühle und Bäckerei, dann Lebensmittelgeschäft und jetzt in erster Linie Getränkemarkt: Reginas Laden.


Regina Marcus schaute sich schon früh nach weiteren Geschäftsmöglichkeiten um – und nahm 1989 die Postfiliale in ihren Laden, den sie noch um einen Raum erweiterte, auf. Später pachtete sie auch noch das Ladenlokal nebenan, um dort einen Getränkemarkt einzurichten. Doch bereits einige Jahre später war klar, dass es so nicht weitergehen würde. „Es gab zu dieser Zeit zwei Lebensmittelgeschäfte im Ort, aber nur Kunden für eines“, sagt sie rückblickend. In der Folge dieser Überlegungen entschied sie sich für einen radikalen Schnitt. Ab 2007 präsentiert sich das Geschäft in erster Linie als Getränkemarkt, in dem aber auch mit Süßwaren und – durch die Post im eigenen Haus – mit Schreibwaren gehandelt wird.

Vor drei Jahren nahm sie dann auch noch die Lotto-Annahmestelle in ihrem Laden auf. Neben den Kunden, die in den Laden kommen, sind es vor allem die Vereine, mit denen sie ihr Geschäft macht. Kaum ein Fest in dem Grenzdorf, auf dem nicht auch Marcus tätig ist – meist durch den Verleih von Kühlgeräten, Stehtischen oder Bierzeltgarnituren, vor allem aber durch die Lieferung der Getränke. Doch auch in diesem Bereich sind die Zeiten, als es keine Konkurrenz gab, längst vorbei. Da viele Mieter der Brennerei aus anderen Gemeinden kommen, bringen diese auch „ihren“ Getränkehändler mit.

Doch, es ist nicht nur die Konkurrenz, die von außerhalb kommt. „Viele unserer Kunden kommen aus Ohl. Das ist für uns ganz wichtig. Schaut man auf den Parkplatz, dann hat jeder dritte Wagen ein Kennzeichen, auf dem GM steht“, erklärt sie. Viele Ohler würden lieber ins nahe Rönsahl als nach Wipperfürth fahren. Marcus: „Hier finden sie auch immer gleich einen Parkplatz.“

Heute führt Regina Marcus das Geschäft. Früher auch gemeinsam mit ihrem Mann Karl-Friedrich Marcus.

Aber auch die Post wird gerne von den Kunden aus dem Bergischen genutzt. Die Pakete und Briefe, aber auch der Verkauf von Briefmarken bringen echten Umsatz, sind aber auch Frequenzbringer. Gleiches gelte, wenn auch in einem ungleich geringeren Maße für das Geschäft mit dem Lotterieglück. „Da gibt es nicht so viele Kunden, dafür kommen diese aber regelmäßig und etliche investieren gar nicht so geringe Summen in ihre Hoffnung auf den Millionen-Gewinn“, erzählt die Einzehändlerin.

Wenn man Regina Marcus nach der Zukunft des Einzelhandels in Rönsahl fragt, dann fällt ihre Antwort nicht positiv aus. Wogegen ihr Mann eine klar andere Meinung hat: „Wenn ich 30 Jahre jünger wäre, dann würde ich hier einen Markt mit einer Fläche von etwa 800 Quadratmetern eröffnen. Ich glaube durchaus, dass das noch Zukunft hat.“ Allerdings seien die Geschäfte in Rönsahl weit von dieser Größe entfernt.

Letztlich sind das aber auch Gedankenspiele. Karl-Friedrich Marcus genießt seinen Ruhestand, unterstützt seine Frau und kümmert sich seit Jahren auf kultureller Ebene um sein Dorf. Und auch Regina Marcus hat nicht vor, deutlich über Renteneintrittsalter hinter der Theke zu stehen. Für die Rönsahler würde aber ein Abschied von dem Einzelhandel in seiner bisherigen Form nicht zwangsläufig den Verlust aller Einkaufsmöglichkeiten vor Ort bedeuten. So wurde erst kürzlich ein Rahmenprogramm vorgestellt, das auf dem Dorf-Innenentwicklungskonzept beruht. Darin wurde die Ansiedlung eines Discounters vorgeschlagen.

Reginas Laden ist montags bis freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr sowie von 14.30 bis 18.30 Uhr geöffnet; Samstags ist das Geschäft von 8.30 bis 13 Uhr geöffnet.

Der Einzelhandel in Rönsahl

Insgesamt finden sich noch neun Einzelhandelsgeschäfte in Rönsahlt: Reginas Laden, Nah und gut Crone, MK-Fellnasen Rosteck, Rönsahler Brauerei, Bäckerei Kelm, Schuhhaus Ulrich, bft-Tankstelle Kuhn, Radio-Fernsehen Rösener und Antik Koktanek.

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