Kölner Straße war das Zentrum - Konkurrenz saß im Dorf

Einzelhandel: Als es in Kierspe noch alles gab

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Über Jahrzehnte wurden hier Geldgeschäfte erledigt. Im vergangenen Jahr zog Sport Engstfeld ein, um seinen Kunden ein größeres Sortiment bieten zu können.

Kierspe - „Damals bekam man in Kierspe eigentlich alles, da musste niemand nach Lüdenscheid zum Einkaufen fahren“, Marlen Vedder vom Heimatverein kann sich noch gut an die Zeiten erinnern, wo nahezu alle Einzelhandelsbranchen in Kierspe vorhanden waren, die meisten gleich zweifach – im Dorf und am Bahnhof.

Wer heute nach Kierspe kommt und die Kölner Straße hochfährt, der muss schon fast einen Kilometer weit fahren, um geschäftiges Leben zu erfahren. Denn erst, wenn das Fachmarktzentrum und kurz vorher der Baumarkt erreicht werden, beginnt das, was mit einer belebten Stadt und Einkaufen verbunden wird. Auch, wenn es immer noch den einen oder anderen Fachhändler an der Straße selbst gibt, grundsätzlich beherrschen Leerstand, mehr oder weniger ansprechende Gastronomiebetriebe aber auch ein „Spielcasino“ das Bild an der Straße.

Das sah vor ein paar Jahrzehnten noch ganz anders aus. Wer früher in Kierspe zur Post wollte, musste sich entscheiden, denn es gab gleich zwei Niederlassungen des Staatsbetriebes. Gleiches galt für Fachgeschäfte, die Oberbekleidung, Haushaltswaren, Schuhe, Fleischereiprodukte oder fotografische Dienstleistungen anboten – von Lebensmittelgeschäften ganz zu schweigen, denn diese machten sich schon innnerhalb der beiden Stadtteile starke Konkurrenz.

Früher gingen hier die Kinder in die Pestalozzischule, heute werden Autoersatzteile und Reifen verkauft.

„Der Niedergang begann aber bereits vor der Konkurrenz durch das Internet, auch wenn dadurch der Prozess beschleunigt wurde“, formuliert Vedder. Letztlich war es aber wohl ein fließender Übergang. Ende der 1980er-Jahre begannen die Schließungen. Nach der Erinnerung und den Recherchen des Heimatvereins fehlten oft Nachfolger, die das Geschäft übernehmen wollten. Die Mieter – wenn sie sich denn fanden – mussten dann neben dem eigenen Einkommen auch noch die Miete erwirtschaften.

Vor 25 Jahren öffnete in Lüdenscheid dann das Stern-Center und lockte die Käufer aus Kierspe in die Nachbar- und Kreisstadt. „Das Internet hat dem Kiersper Einzelhandel dann den Rest gegeben“, so Vedder. Wobei die Eröffnung des Fachmarktzentrums auch wieder viele Menschen als Einzenhandelskunden für Kierspe zurückgewonnen hat. Längst sind es nicht nur Einheimische, die das Zentrum nutzen, sicher auch wegen seiner vielen Parkplätze, die an der Kölner Straße – und auch an der Friedrich-Ebert-Straße – immer Mangelware waren. Vedder: „Die Kunden wollten nicht am Tulpenplatz parken und dann ihre Einkäufe von der unteren Kölner Straße bis dorthin tragen.“

Wer mehr über die wechselhafte Geschichte der Kölner Straße wissen möchte, kann vieles in dem Band 2 „Die Kölner Straße in den 30er-Jahren bis heute“ der Werkstatt Geschichte, verfasst von Reinhard Diestel, nachlesen. Zu beziehen ist das Heft über Marlen Vedder für 12 Euro. Bestellungen unter Tel. 0 23 59/36 14.

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