Neue Serie "Gut gekauft?"

Besuch im Lüdenscheider Sexshop: „Schmuddelig“ war gestern

+
Guido Geihsen, Inhaber vom Erotikland Lüdenscheid, setzt in seinen Geschäften auf eine gepflegte und helle Optik. Im Vergleich zu reinen Online-Händlern sieht er seinen Vorteil in der kompetenten Beratung.

Lüdenscheid - Dunkle Flure und Regale, eine unangenehme Aura im Raum: So stellen sich viele Menschen Sexshops vor. Wer allerdings das Erotikland an der Hochstraße unweit der Fußgängerzone betritt, der stellt schnell fest: Von verruchter Optik keine Spur.

Im Gegenteil: Eine weit offen stehende Tür weist den Weg in den hellen Laden. Doch wer geht heute überhaupt noch in einen Sexshop? Warum verlassen die Kunden den Schutz der Anonymität? Dieser Frage wollen wir auf den Grund gehen. In Zeiten des Internet-Handels und der vielen kostenlosen Pornofilme ist „Spielzeug“ fürs Schlafzimmer schließlich in allen Ausführungen bequem online erhältlich und wird per Paketdienst nach Hause geliefert. Ein Besuch des Erotiklands soll uns Antworten geben. „Die Leute schätzen die Beratung vor Ort“, ist sich Inhaber Guido Geihsen über die Vorteile beim Kauf im Geschäft sicher. 

Der 49-Jährige arbeitet seit knapp 30 Jahren in der Branche und besitzt heute neben seinem Laden am Standort in Lüdenscheid auch Sex-Shops in Unna, Soest, Iserlohn, Witten und Dülmen. Er weiß, wie sich Erotikläden in den vergangenen Jahren verändert haben: „Früher wollten sie um jeden Preis auffallen. Daher stand draußen oft lediglich groß das Reizwort Sex-Shop dran.“ „Deutlich seriöser als noch vor zehn Jahren“ Der erfahrene Erotikartikelhändler erklärt, dass man heute eher auf weniger Reiz und mehr auf Zurückhaltung setze. Viele Geschäfte seien heutzutage deutlich seriöser als noch vor zehn Jahren. 

Nach wie vor gefragt: Trotz Internet-Pornografie kaufen viele Menschen auch noch Erotik-DVDs.

So findet man in Geihsens Geschäft nicht nur DVDs, Dessous, Zeitschriften und diverse Sex-Artikel, sondern auch Hygiene- und „Gesundheitsartikel“: „Etwa Liebeskugeln. Sie sorgen nicht nur für Spaß im Bett, sie trainieren auch die Beckenbodenmuskulatur bei Frauen. Sie werden übrigens auch von Ärzten empfohlen.“ Ein anderes Beispiel sei die sogenannte Vakuumpumpe, umgangssprachlich auch Penispumpe genannt. Sie findet dann Anwendung, wenn Männer unter einer Erektionsstörung leiden. Doch auch optisch hat sich in vielen Sex-Shops etwas getan. Geihsens Laden an der Hochstraße ist nämlich ebenso hell eingerichtet wie beleuchtet. 

Die Bilder auf vielen Produkten sind nicht mehr anzüglich, sondern wirken eher zurückhaltend. „Die Tür ist immer geöffnet“, betont Geihsen. „Hier ist nichts Verruchtes. Es kommen Kunden jeden Alters und jeden Geschlechts. Ich möchte, dass man sich hier wohlfühlt“, erklärt der Unternehmer, der in all den Jahren auch so manches kuriose Gespräch geführt hat. 

Die Vakuumpumpe: Die Bilder auf den Produkten enthalten oft keine nackte Haut (oben) mehr, dafür schlichte Motive (unten).

„Man wundert sich, wie offen manche Menschen mit dem Thema Sexualität umgehen. Es standen einmal Mutter und Tochter in meinem Laden, um einen Dildo als Geschenk für einen 18. Geburtstag zu besorgen. Plötzlich waren beide derartig begeistert von dem Produkt, dass sie jeweils ein Exemplar für sich selbst mitnahmen“, schildert Geihsen. „Für mich war die Situation ungewohnt. Aber beim Thema Sexualität hat natürlich jeder seine eigenen Grenzen“, meint er. 

Das Internet hält Geihsen für keine Gefahr – vielmehr für eine Chance: „Viele ältere Ladenbesitzer beklagen sich über die Entwicklung im digitalen Zeitalter. Ich habe als Unternehmer aber immer die Wahl. Entweder ich klage über die Umstände oder ich weiß sie zu nutzen. So nach dem Motto: Geh mit der Zeit, sonst gehst du mit der Zeit“, sagt Geihsen, der mit seinen Läden auch mit einem Versandhaus kooperiert. 

„Unsere Produkte kann man auch im Internet bestellen. Aber seien wir mal ehrlich: Artikel, die bei den großen Versandhäusern bestellt und dann wieder umgetauscht werden, können möglicherweise wieder verpackt und an den nächsten Kunden geschickt werden. Bei dieser Art der Produkte, will ich als Kunde aber definitiv nicht, dass es irgendwer zuvor in der Hand – oder Gott weiß wo – hatte“, stellt Geihsen klar. „ Daher kommen die meisten nach wie vor in den Laden. Nicht zuletzt auch wegen der kompetenten Beratung. Und die Tür, die steht ja ohnehin immer offen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare