SERIE „Gut gekauft?“

1900 eröffnet: Schalksmühles ältester Einzelhändler

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Andrea Zieschank, Ingo Schwolow, Désirée Gülker und Ulrich Schulz (von links) in der Schalksmühler Filiale der Optik Lüttringhaus & Schulz OHG. Der Zusammenschluss mit Optik Lüttringhaus brachte viele Vorteile mit sich.

Schalksmühle - Die Schalksmühler Einzelhändler haben es nicht leicht. Leerstände, schließende Familienbetriebe und Vollsortimenter, die alles unter einem Dach anbieten, gibt es in der Volmegemeinde. Seit 118 Jahren hält sich dort allerdings die Optikerfamilie Schulz. Ulrich Schulz, Enkel des Gründers, ist auch heute noch einen Tag in der Woche im Geschäft.

„Wir gehören zu den ganz alten“, sagt Ulrich Schulz und lacht. Mit 75 Jahren ist er noch immer durch und durch Optikermeister. Gegründet wurde das Geschäft im Jahr 1900 von Theodor Schulz an der Bahnhofstraße 1, gegenüber dem heutigen Geschäft. Nach einem zwischenzeitlichen Umzug in das Haus Nummer 8 fand der Uhrmachermeister an der Bahnhofstraße 4 die geeigneten Geschäftsräume.

Theodor Schulz arbeitete als Uhrmacher, Optiker und Goldarbeiter und entwickelte ganz nebenbei Produkte, die er sich patentieren lassen konnte. Nach 1945 konzentrierte sich der Betrieb auf das Uhren- und Optikgeschäft. Hans Theodor Schulz, staatlich geprüfter Augenoptiker, Optiker- und Uhrmachermeister, übernahm das Geschäft und führte es bis kurz vor seinem Tod 1978 gemeinsam mit seiner Ehefrau Anneliese.

Ulrich Schulz seit 1970 dabei

Schon 1970 stieg Ulrich Schulz in das Geschäft ein, nachdem er eine Uhrmacher- und eine Augenoptikerlehre absolviert und die Ausbildung als staatlich geprüfter Augenoptiker und Augenoptikermeister abgeschlossen hatte. 2002 erfolgte dann der Zusammenschluss mit Optik Lüttringhaus in Lüdenscheid zur Optik Lüttringhaus & Schulz OHG. Inhaber sind nun Ingo Schwolow und Patrick Jahn.

Kaum Schwierigkeiten in der Vergangenheit

An richtige Schwierigkeiten in den vergangenen 48 Jahren kann sich Schulz nicht erinnern, dass es für ihn und seine Mitarbeiter daher leicht war, bedeutet das nicht. „Wenn man selbstständig ist, hat man immer eine schwierige Zeit“, sagt er.

Die Augenoptikerinnen Andrea Zieschank (links) und Désirée Gülker im Verkaufsraum. Bei Lüttringhaus & Schulz in Schalksmühle arbeiten insgesamt vier Optikerinnen und Ulrich Schulz.

In Schalksmühle hat er in den vergangenen Jahrzehnten einen Wandel miterlebt, der auch an einem Optikergeschäft nicht spurlos vorüber geht. „Die kleinen Fachgeschäfte haben fast alle zugemacht“, sagt Schulz. „Wir haben wenigstens noch ein Schuhgeschäft.“

Aber warum gelang es ausgerechnet dem Optikergeschäft, sich mehr als 100 Jahre lang in der Volmegemeinde zu halten? Laut Inhaber Ingo Schwolow kommt immer mehr Konkurrenz dazu und auch der Preisdruck steigt dadurch. In Schalksmühle jedoch hat das Geschäft eine Einzelstellung. Und auch in Richtung Hagen und nach Meinerzhagen kommen so schnell keine Optiker. „Aber was bringt uns das in der heutigen Zeit? Man ist so schnell mit dem Bus in Lüdenscheid“, sagt Schulz.

Der Meisterbrief des Gründers Theodor Schulz, kunstvoll gestaltet, hängt eingerahmt im zweiten Verkaufsraum der Filiale.

Viel wichtiger, als der einzige Optiker in der Gemeinde zu sein, scheint daher die Geschäftsstruktur und der Kontakt zu den Kunden zu sein. Optiker haben laut Ulrich Schulz automatisch den Vorteil, dass die Kunden zum Geschäft kommen müssen. „Ohne die Augen zu vermessen, das geht gar nicht“, sagt er. Aus diesem Grund ist auch der Online-Brillenhandel nur eine kleine Konkurrenz für die Optik Lüttringhaus & Schulz OHG. „Wir hatten selbst mal eine Zeit lang einen Online-Shop, das hat sich nicht durchgesetzt“, sagt Ingo Schwolow.

Ehrenamtlich in Ghana und Nepal

Zudem sei, wenn es um gesundheitliche Aspekte geht, Vertrauen zwischen dem Optiker und dem Kunden nötig. „Wir haben Kunden, die kommen länger hier her als ich hier arbeite“, sagt Ulrich Schulz und lacht. Dass er ein Augenoptiker mit Leib und Seele ist, merken die Kunden nicht nur im Geschäft. Seit vielen Jahren engagiert sich Schulz bei den German Rotary Volunteer Doctors (GRVD), eine Hilfsorganisation die medizinische Hilfe in Entwicklungsländern leistet. Auch die Optik Lüttringhaus-Schulz OHG hat dafür Geräte und Werkzeuge gespendet. Ulrich Schulz ist jedes Jahr für vier Wochen unterwegs, er war schon in Nepal und Ghana. Die Arbeit der GRVD erstreckt sich aktuell auf 18 Kliniken in Ghana, Nepal und Indien.

In der eigenen Werkstatt wird gefertigt und repariert.

Für die Zukunft der Filialen in Schalksmühle und Lüdenscheid sieht es gut aus. Aber auch das kommt nicht von alleine. „In meiner Familie hatte ich niemanden, der das Geschäft übernehmen konnte“, erzählt Schulz. Auch in einem Einzelhandels-Handwerk wie dem Optikerwesen ist der Mangel an Nachwuchskräften da. Ulrich Schulz hat sich daher frühzeitig um eine sichere Nachfolge gekümmert: Durch den Zusammenschluss mit der damals von Karl-Heinz Günther geführten Optik Lüttringhaus gehört das Geschäft nun dem 46-jährigen Ingo Schwolow und seinem Kollegen Patrick Jahn.

Auch bei Optikern Nachwuchsmangel

Doch die OHG sicherte nicht nur die Übernahme durch die nächste Generation, auch die zweite Filiale mit Lager und einer größeren Werkstatt in Lüdenscheid bietet Vorteile. Brillen – die übrigens alle in der eigenen Werkstatt gefertigt und repariert werden – können täglich in Schalksmühle bestellt und von Lüdenscheid in die Gemeinde geliefert werden.

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