Großer Flop der NRW-Justiz

DÜSSELDORF ▪ Die wohl schlimmste Zeit seines Lebens hat Harald Friedrich, ein ehemaliger NRW-Spitzenbeamte und enger Vertrauter der früheren NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne) nun hinter sich gebracht.

Nach vier langen Jahren wurde jetzt endlich der juristische Schlussstrich unter eine angebliche Korruptionsaffäre gezogen, die nie eine war. Was im Mai 2008 mit seiner Festnahme bei einer spektakulären bundesweiten Großrazzia und mit einer dreiwöchigen Untersuchungshaft für ihn begann, endete nun mit einer Auflage von 700 Euro wegen falsch abgerechneter Geschäftsessen. „Die Sache ist erledigt“, bestätigte gestern der Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Schoß gegenüber WDR.de. Er sei erleichtert, sagte Friedrich, dass unter „diese Sache nun ein Strich“ gezogen worden sei. Die umfangreichen und mit aller Härte geführten Ermittlungen gegen Friedrich sind damit endgültig im Sande verlaufen.

Der Fall Friedrich wird als einer der größten Flops der NRW-Justiz in die Annalen eingehen. Der als einst als „Wasserpapst“ bekannte und und zum Teil auch gefürchtete Experte, der das besondere Vertrauen von Bärbel Höhn genoss, war unter ihrem Nachfolger Eckhard Uhlenberg schnell in Ungnade gefallen. Ihm wurde vorgeworfen, die Abwasserabgabe des Landes zweckwidrig verwendet zu haben. Frie drich soll als Kopf eines Kartells fungiert haben, das 4,5 Millionen Euro umgelenkt haben soll. 270 Fahnder des Landeskriminalamts wurden aufgeboten, um zeitgleich bundesweit zahlreiche Büros und Privatwohnungen zu durchsuchen. Später wurden Friedrich dann auch noch Vergabemanipulationen und Datendiebstahl vorgeworfen.

Das ruppige Vorgehen gegen den Staatsdiener wurde schnell auch zum Politikum. Jahrelang war der Fall Friedrich heftig umstritten zwischen der damaligen rot-grünen Opposition und der mittlerweile abgewählten schwarz-gelben Landesregierung. SPD und Grüne hatten den Vorwurf erhoben, ein unliebsamer Kritiker solle mundtot gemacht werden. Friedrich hatte sich immer wieder lautstark für eine technische Aufrüstung der Trinkwassergewinnung in ganz NRW eingesetzt; das hätte millionenschwere Investitionen erfordert. Monatelang beschäftigte sich auch ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss minutiös mit sämtlichen Details.

Am Ende blieb nichts übrig von all den Vorwürfen. Der mit aller Härte der Justiz Verfolgte gilt mit der Verfahrenseinstellung gegen Geldauflage als unschuldig. Der frühere Spitzenbeamte Friedrich ist heute als Umweltberater tätig. ▪ Detlef Burrichter

Quelle: wa.de

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