Nach Großbrand in Chemiewerk

Iserlohn: Anklage wegen fahrlässiger Tötung

Ein Feuerwehrfahrzeug steht 22. Juli 2009 vor der Chemiefabrik in Iserlohn

ISERLOHN - Gewaltige Explosionen, 60 Meter hohe Stichflammen und fast 150 Millionen Euro Schaden. Vor drei Jahren zerstörte ein Brand eine Chemie-Recycling-Firma in Iserlohn, ein Arbeiter starb. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben.

Tagelang brannte im Juli 2009 in Iserlohn ein Recycling-Betrieb für Chemikalien. Bei der dem Feuer vorausgehenden Explosion war ein 46 Jahre alter Arbeiter getötet worden. Der Schaden durch den Großbrand in einem Iserlohner Industriegebiet summierte sich auf fast 150 Millionen Euro. Jetzt hat die zuständige Staatsanwaltschaft in Hagen vor dem dortigen Landgericht Anklage gegen die damalige Geschäftsführerin und Mitinhaberin und den damaligen Betriebsleiter des Unternehmens erhoben. Die Vorwürfe: Fahrlässige Tötung, fahrlässige Brandstiftung und fahrlässiges Herbeiführen einer Sprengstoff-Explosion.

Zerstört ist 23. Juli 2009 in Iserlohn ein Gebäudeteil einer Chemiefabrik nach einem Großbrand.

Am Unglückstag war eine Anlage zur Destillation verunreinigter Chemikalien in die Luft gegangen. "Der Mann hatte keine Chance", sagte der ermittelnde Staatsanwalt Bernd Maas am Montag. Bis zu 60 Meter hohe Stichflammen schossen in den Himmel über dem Industriegebiet. Mehrfach gingen Lagertanks mit Chemikalien in die Luft, die Feuerwehr musste mehrere Tage die Fabrikruine sichern und fürchten, dass weitere unterirdische Tanks explodieren. "Es sieht aus, als ob eine Bombe eingeschlagen hätte", hatte seinerzeit ein Feuerwehrmann das Szenario beschrieben.

"Es sieht so aus, als ob man in der Firma sehr nachlässig mit den Vorschriften umgegangen ist", sagte Maas. Deshalb würden der 61 Jahre alten Geschäftsführerin und ihrem 55-jährigen Betriebsleiter Verletzung der Wartungs- und Sicherheitsvorschriften vorgeworfen. 13 Gutachter haben den Brand untersucht und sollen die Anklage stützen. Außerdem hat die Anklage 71 Zeugen benannt.

Bei dem Feuer waren neben dem Getöteten noch einige Menschen leicht verletzt worden. Das Feuer richtete Gebäudeschäden von mehr als 11 Millionen Euro an, die sonstigen Sachschäden summierten sich auf fast 30 Millionen Euro. Weil benachbarte Firmen, darunter auch ein Hersteller von Sanitär-Armaturen, längere Zeit Teile ihrer in Mitleidenschaft gezogenen Hallen nicht nutzen konnten, kam es zudem zu 106 Millionen Euro Schaden durch Betriebsausfälle. Die Chemie-Recycling-Firma meldete 2010 Insolvenz an. - lnw

Quelle: wa.de

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