Gezielte Nadelstiche in die Bahn-Nervenzentren

Streikender Eisenbahner im Hauptbahnhof in Köln. An Deutschlands wichtigstem Bahnknoten ging gestern morgen zeitweise fast gar nichts mehr.

HAMM ▪ Von Lutz Kämpfe ▪ Die Folgen des gestrigen Bahnstreiks fielen in Mittel- und Südwestfalen regional zum Teil sehr unterschiedlich aus.

Während die Zeichen an den Bahnsteigen der Eisenbahnknoten Dortmund und Hamm in den Morgenstunden auf Chaos standen, auch in Unna und Kamen wenig bis gar nichts ging, meldeten beispielsweise Soest, Werl und Lüdenscheid praktisch keine Auswirkungen. „Hier ist nur ein Zug ausgefallen – und das wegen eines technischen Defekts“, hieß es am Vormittag aus Werl. Der Bahnhof der Wallfahrtsstadt liegt an der Bahnstrecke Dortmund–Soest und wird mittlerweile – wie viele andere westfälische Stationen auch – vom Betreiber Eurobahn angefahren. Und die wurde nicht bestreikt. Es befinde sich kein einziger Mitarbeiter im Ausstand, erklärte gestern Eurobahn-Sprecher Vogel in Hamm, wo der Nahverkehrsanbieter einen großen Betriebsstandort unterhält. Mit streikbedingten Ausfällen musste sich Eurobahn dennoch auseinandersetzen, was an der Taktik der Eisenbahnergewerkschaften Transnet und GDBA lag, gezielte Nadelstiche in Nervenzentren des Bahnverkehrs zu setzen. So wurde im westfälischen Raum das Stellwerk Dortmund-Scharnhorst bestreikt, was dazu führte, dass sich auf der wichtigen Bahnstrecke Dortmund-Hamm überhaupt nichts mehr tat. Züge fielen aus oder mussten über andere Strecken umgeleitet werden. Deshalb habe man den Bahnhof Kamen überhaupt nicht mehr bedienen können, so Eurobahn-Sprecher Vogel.

Die Warnstreiks endeten am Vormittag. Nach Beobachtermeinung hatte sich der Nahverkehr bereits zum Nachmittag wieder eingependelt, der Fernverkehr indes musste noch bis in die Abendstunden mit den Streikfolgen kämpfen.

Bahnfahrer Burkhard H., der fast täglich zwischen Mülheim und Werne an der Lippe pendelt, konnte die morgendlichen Streik-Auswirkungen noch mit Humor sehen. Die Situation sei „eigentlich wie immer“ gewesen. Ernsthaft meinte er, die Streikauswirkungen seien seiner Ansicht nach deutlich stärker gewesen als beim Eisenbahnerstreik 2007 – im Ruhrgebiet jedenfalls. In Werne, an der Bahnstrecke Dortmund-Münster gelegen, sei vom Streik nur wenig zu spüren gewesen.

Ganz anders in Köln. Auch hier wurde ein wichtiges Stellwerk bestreikt. Der Bahnhof war in der Folge vom Schienennetz zeitweise gänzlich abgekoppelt. Das führte zur Stauung von ICE-Zügen auf der Schnellstrecke von Frankfurt. Der Streik, der vor allem wegen eines einheitlichen Nahverkehrstarifwerks geführt wird, traf so besonders den Fernverkehr.

Und nicht nur den: Weil offenbar viele Pendler durch Meldungen im Vorfeld gewarnt gestern auf das Auto umstiegen, kam es zu erheblichen Staus auch auf den westfälischen Autobahnen und Fernstraßen. Gegen 8 Uhr betrug die Gesamtstaulänge in NRW 125 Kilometern. „Normal“ sind im Schnitt 60 Stau-Kilometer.

Quelle: wa.de

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