Totschlag mit Staubsauger-Rohr

Plettenberger Pflegevater soll Kleinkind schon vor tödlichem Schlag misshandelt haben

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Diese Gedenk-Kerzen wurden vor der Plettenberger Christuskirche aufgestellt.

Plettenberg – Neue schockierende Details im Fall des gestorbenen Pflegekindes in Plettenberg: Ihm wurden offenbar schon vor seinem gewaltsamen Tod schreckliche Qualen zugefügt.

Wer ein nur wenige Monate altes Pflegekind bei sich aufnimmt, sollte die besten Absichten haben. Die Anklage-Erhebung gegen einen 30-jährigen Pflegevater aus Plettenberg zeigt nun ein anderes Bild, denn sein 17 Monate altes Pflegekind erlitt schon Monate vor seinem gewaltsamen Tod am 3. Januar 2019 schreckliche Qualen.

Dem Pflegevater, der mit seiner Frau und dem Kleinkind in Plettenberg wohnte, werden laut Anklageschrift zwei Taten zur Last gelegt. Neben der Anklage wegen Totschlags muss sich der 30-Jährige auch wegen der Misshandlung von Schutzbefohlenen verantworten.

Knochen des Kindes gebrochen

Diese Taten ereigneten sich nach Aussage von Landgerichts-Pressesprecher Bernhard Kuchler bereits im Zeitraum zwischen August und September 2018. Die rechtsmedizinischen Ermittlungen haben ergeben, dass der Pflegevater das Kleinkind dabei „mindestens grob angefasst“ haben soll, was zu einem gebrochenen rechten Unterarm und einer Fraktur (Bruch) des linken Schienbeins führte. Die Verletzungen des Kindes wurden unabhängig davon festgestellt, was Monate später am 2. Januar 2019 gegen 16.30 Uhr geschah. 

In der Notfallaufnahme des Klinikums Hellersen kam der Junge an. Er wurde später nach Essen verlegt.

Die Eltern brachten das Pflegekind am Tattag zunächst selbst ins Plettenberger Krankenhaus. Von dort wurde es erst ins Lüdenscheider Klinikum und dann per Hubschrauber in die Uniklinik Essen verlegt, wo es um 4.44 Uhr den schweren Verletzungen erlag. Alles zu dem Fall und was danach geschah, lesen Sie hier.

Anklage gegen den Pflegevater

Die Anklage wegen Totschlags fußt auf den nun abgeschlossenen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hagen, den rechtsmedizinischen Gutachten und einem Teilgeständnis des Angeklagten, der zunächst alles abgestritten hatte. Später erklärte er sich über seinen Rechtsanwalt und gab an, „sich nicht genau erinnern zu können“.

Dabei räumte er aber laut Kuchler Teile des Tatvorwurfs ein. Zum Tode geführt habe das massive Schütteln des Kleinkindes. „Dabei reißen Blut- und Nervenbahnen im Gehirn ab, was dann Stunden später zum Tod des Kindes führte.“ Zuvor – und diese gutachterlichen Ergebnisse sind ebenfalls neu – erfolgte eine stumpfe Gewalteinwirkung auf den Kopf des Kindes mit dem Flexrohr-Endstück eines Staubsaugers.

Plettenberger drohen bis zu 15 Jahre Haft

Das Strafmaß für Totschlag sieht im Fall des Angeklagten eine Haftstrafe zwischen 5 und 15 Jahren vor. Im Fall der Kindesmisshandlung, die dem Plettenberger ebenfalls zu Last gelegt wird, liegt der Strafrahmen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren Haft.

Wann unter dem Aktenzeichen 31 Ks 7/19 vor dem Landgericht Hagen der Prozess gegen den Pflegevater beginnt, ist noch offen – die Termine werden gerade abgestimmt. 

Ungeachtet dessen laufen die Ermittlungen gegen die ebenfalls aus Plettenberg stammende Pflegemutter weiter, die sich von ihrem in der JVA Hagen sitzenden Mann getrennt hat.

Quelle: wa.de

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