Gestrandet im Hauptbahnhof: Unwetter legen NRW-Bahnverkehr lahm

„Keiner weiß Bescheid“: Die Aachenerin Gerda Reinike blieb auf dem Weg nach Lemgo im Hammer Hauptbahnhof hängen – mit vielen anderen Reisenden. ▪

HAMM ▪ Schlechte Tage für Bahnreisende. Nachdem am Wochenende zahlreiche Passagiere wegen defekter Klimaanlagen in glutheißen ICE-Zügen gefangen waren, sorgten Montag heftige Unwetter für Chaos im Bahnverkehr.

Eine massive Gewitterfront zog von Mittag an vom Westen nach Osten übers Land und brachte den Verkehr auf vielen Strecken fast vollständig zum Erliegen. Die Bahn sprach am Nachmittag von „massiven Störungen wegen Blitzeinschlägen und Bäumen im Gleis“.

Die Folge: Zwischen Rhein und Weser ging viele Stunden lang nur wenig. Auf dem Düsseldorfer Hauptbahnhof standen die Reisenden am Nachmittag in dichten Trauben auf den Bahnsteigen und warteten auf Züge – ein Bild, das sich vielerorts bot.

So auch im Hammer Hauptbahnhof. Hier strandeten hunderte Reisende, unter ihnen Gerda Reinike: „Ich krieg‘ noch ‘nen Herzinfarkt“, stöhnt die 82-Jährige. „Keiner weiß Bescheid“, ärgert sie sich darüber, dass kein Bahnbediensteter auf Gleis 6 des Hammer Bahnhofs Auskunft geben kann. Um 12.07 Uhr ist die Aachenerin gestern in Lemgo gestartet und sollte – nach dem Umsteigen in Hamm – um 15.05 Uhr in Düsseldorf ankommen, um den Rest der Reise antreten zu können. Zwischenzeitlich hat Gerda Reinike („Ich hab‘ doch kein Handy“) sich ein Mobiltelefon ausgeliehen, um ihre Tochter – sie ist Ärztin – zu sprechen, doch die war zu dem Zeitpunkt nicht erreichbar. „Die Oberleitung ist nicht in Ordnung“ – diese Information hatte die 82-Jährige bereits während der Zugfahrt erhalten, doch dass stundenlange Verspätungen die Folge sein würden, war für sie eine unliebsame Überraschung.

Derweil herrscht in der Halle des Hammer Bahnhofs ein kleines Tohuwabohu: Lange Schlangen von informationshungrigen Menschen haben sich vor dem Auskunftsschalter gebildet – und die Bahnbediensteten mühen sich in stickig-schwüler Luft nach Leibeskräften um Informationen für die (zumindest vorübergehend) Gestrandeten. „Unbestimmt verspätet“ lautet der Zusatz zu allen Reiseverbindungen auf der elektronischen Anzeigetafel. Während Gerda Reinike sich resigniert in Geduld übt und auf ein Vorankommen setzt, haben viele andere Reisende die Hoffnung bereits aufgegeben. Per Handy werden Verwandte, Freunde oder Bekannte aktiviert, mit dem Auto nach Hamm zu fahren, um eine Odyssee zu vermeiden.

Auch an anderen Orten gab‘s die gleichen Probleme: Kurz nach der Unterzeichnung der rot-grünen Koalitionsvereinbarung war der SPD-Vize-Landesvorsitzende Marc Herter in Düsseldorf gen Heimatstadt Hamm gestartet, um in seiner Funktion als SPD-Ratsfraktionschef an der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses teilzunehmen. Doch daraus wurde nichts: Jeweils etwa zweistündige Aufenthalte auf den Bahnhöfen Mülheim-Styrum und Mülheim ließen auch ihn – nach vier Stunden in Essen angekommen – zum Telefon greifen, um die Abholung per Auto zu organisieren. „Ich hatte genug Arbeit dabei. Es war keine verlorene Zeit“, tröstete sich Herter.

Robert Vornholt

Quelle: wa.de

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