Lokführerstreik hat begonnen

Der RE 1 rollt wie gewohnt - Pendler genervt

ESSEN - Die Bahn kommt. Trotz Streik. Am Essener Hauptbahnhof ist das Gleis 6 vergleichsweise leer am Donnerstagmorgen. Die wenigen Fahrgäste, die da sind, sind glücklich über den heranfahrenden RE1 nach Hamm. Auf die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) sind sie weniger gut zu sprechen.

Von Eike Rüdebusch

Der Bahnstreik schlägt ein: Am Essener Hauptbahnhof fallen zahlreiche Züge am Donnerstagmorgen aus.

Das Gleis 6 am Hauptbahnhof Essen ist an einem regulären Donnerstagmorgen gegen 6.40 Uhr gewöhnlich gut gefüllt. Um 6.53 Uhr rollt hier laut Fahrplan der RE1 von Aachen nach Paderborn über Bochum und Dortmund ein. Es ist ein typischer Pendlerzug. Von Essen bis Bochum ist er recht voll, bis Dortmund leert er sich nahezu komplett. In Hamm angekommen, scheint es, als würde kaum jemand nach Paderborn weiterfahren.

An diesem Morgen, etwas mehr als vier Stunden nachdem die GDL angefangen hat, den Personenverkehr zu bestreiken, ist der sonst volle Hauptbahnhof beinahe menschenleer, am Gleis warten nur wenige auf ihren Zug zur Arbeit. Obwohl die Bahn bereits am Mittwoch angekündigt hat, welche Züge weiterhin verkehren werden und welche eingeschränkt fahren. Der RE 1  fährt heute regulär, wenn auch nur bis Hamm.

Die Bahnen fahren zwar. Die Kunden haben aber nur bedingt Vertrauen in das Krisenmanagement der Deutschen Bahn. Kein Wunder: 70 Prozent der Züge in Nordrhein-Westfalen sollten im Streikzeitraum bis Montagmorgen ausfallen. Die Anzeigetafel im Hauptbahnhof Essen bestätigt das. Viele Fern- und Regionalzüge sowie S-Bahnen fahren am Donnerstag gar nicht. 

Einige Fahrgäste sind auch pessimistisch, weil sie bisher einfach schlechte Erfahrungen machten. So wie Michael Jaronim aus Essen, der täglich nach Bochum zur Arbeit pendelt. "Beim vergangenen Streik brauchte ich 2,5 Stunden für die Strecke", klagt er. Im Regelfall braucht er zehn Minuten mit der Bahn.

Tanja Zenz, die täglich von Essen nach Dortmund pendelt, sagt, sie habe bisher bei allen Streiks Glück gehabt. "Einmal hatte ich eine Stunde Verspätung, mehr nicht." Trotzdem ist sie wütend auf die GDL. "Denen geht es nur noch um Macht. Die haben so gute Angebote bekommen und trotzdem die Verhandlungen platzen lassen", ist sie sich sicher.

Martin Faber aus Köln pendelt nach Dortmund. Dank des RE 1 kommt er ohne Zeitverlust zur Arbeit.

Auch Martin Faber fehlt langsam das Verständnis für die Streiks. Er räumt ein, wenig über die Ziele der GDL zu wissen. Was ihn aber stört ist, "dass der GDL egal ist, was mit den Kunden passiert." Faber fährt täglich von Köln nach Dortmund, wo er arbeitet. Die Fahrt dauert 1,5 Stunden. Seine normale Verbindung über Hagen mit dem RE 7 und dem RE 4 ist heute komplett entfallen. Er freut sich über den RE 1. Alternativen hätte es aber auch gegeben: "Heute Morgen habe ich noch nach Fernbussen geguckt. Ich hätte da sogar noch einen Platz bekommen." Das habe beim vergangenen 50-Stunden-Streik im Oktober auch funktioniert.

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Mit dem Auto zu fahren sei für ihn keine Alternative, zu stressig, findet Faber. Besonders heute liegt er damit richtig: der WDR meldet morgens um kurz nach 8 Uhr 300 Kilometer Stau in NRW, um 9.50 Uhr immer noch 44 Kilometer.

Die Bahnfahrer im RE 1 haben Glück. "Noch", meint Michael Jaronim aus Essen. Er befürchtet, dass sich die Verspätungen aufstauen und er nicht nach Hause kommt. Martin Faber sieht das lockerer: "Die Bahn wird den Notfahrplan schon aufrecht erhalten", ist er sich sicher. "Notfalls auch länger." Die Bahn hat angekündigt, den Notfahrplan für Samstag am Donnerstag ab 12 Uhr online bereitzustellen, der Plan für Sonntag soll am Freitagmittag veröffentlicht werden.

Obwohl Faber optimistisch ist, findet er, man sollte die GDL stoppen. Der Streik gehe auf Kosten Unbeteiligter. Die Bahn sieht das ähnlich und versucht, den Streik mit einer einstweiligen Verfügung vorzeitig gerichtlich beenden lassen.

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Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © Rüdebusch

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