Alina Rüter und ihr "Veganalina"

Garantiert tierfrei: Veganes Hotel wirbt in Hamm um Gäste

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Alina Rüter und ihr Cousin Christopher Murer stehen in der Küche ihres Hotels "Veganalina" in Hamm.

Hamm - Erst kamen die Cupcakes, dann das Hotel: In Hamm leiten zwei Jungunternehmer einen Hotelbetrieb, der völlig auf tierische Produkte verzichtet. Noch ist das ein Ausnahmefall.

Von Jonas Mueller-Töwe

Eigentlich wollte sie nur eine Backstube, nun hat Alina Rüter ein Hotel - "Veganalina", das erste rein vegane Hotel Nordrhein-Westfalens. Der Markt für tierfreie Produkte und Dienstleistungen wächst, auch in der Gastronomie. Rein vegane Hotels sind bislang aber selten.

Rüters neuer Hotelbetrieb in Hamm verzichtet auf Bettzeug mit Daunen oder Schafswolle, es finden sich keine Ledersessel im Mobiliar. "Die Seifen in den Badezimmern sind ohne tierische Zusätze hergestellt", sagt Rüter. Die Putzmittel suche sie danach aus, ob die Hersteller auf Tierversuche verzichten.

"Vegetarisch und vegan liegen seit Jahren voll im Trend", sagt Christopher Lück, Pressesprecher des Hotelverbands Deutschland (IHA). Vegetarische oder vegane Speisen gehörten mittlerweile zum Standard - völlig vegane Hotels seien aber bislang "die absolute Ausnahme". Noch seien Markt und Nachfrage dafür einfach zu gering.

Gemeinsam mit ihrem Cousin Christopher Murer hat Alina Rüter das ehemalige Kurhotel Breuer auf völlig neue Füße gestellt. Veganes Leben endet nicht bei der Speisekarte. Obwohl es schon damit anfängt.

Vegane Cupcakes im "Veganalina".

"Ich bin vor fünf Jahren Veganerin geworden und musste dann erst mal schauen: Was esse ich dann überhaupt noch?", erzählt die 30-Jährige. Und schon fing sie an zu probieren: Wie funktioniert ein Teig ohne Ei? Wie ein Käsekuchen ohne Käse? "Da muss man experimentieren und kreativ sein."

Die Experimente - zunächst immer zum Probieren an Freunde weitergereicht - wurden schnell Lebensunterhalt. Zunächst war sie Caféleiterin in einem veganen Dortmunder Café, später verschickte sie vegane Cupcakes und Torten per Versand.

Ein Tattoo mit der Aufschrift "vegan" ist am Arm der 30-jährigen Alina Rüter zu sehen.

Seit die beiden unkonventionellen Jungunternehmer das Haus Breuer im vergangenen Jahr übernommen haben, hat sich einiges geändert. Rüter und Murer sind gleich selbst im Hotel eingezogen und haben sich in die Arbeit gestürzt. Mittlerweile besteht das Team aus 15 Personen. Die Geschäfte laufen gut, sagen die Hoteliers. Gäste müssten vier Wochen im Voraus buchen. "Unser Valentinsmenü war sogar binnen weniger Stunden ausgebucht", sagt Murer.

Veganer Wein im Hotel "Veganalina".

Rein vegane Hotels gebe es bislang in Deutschland selten, sagt Thomas Klein, Geschäftsführer der Service-Homepage "Veggie Hotels". Besitzer seien in den ihm bekannten Fällen auch immer selbst Veganer. "Um diesen Schritt zu machen, müssen sie schon Überzeugungstäter sein." Doch der Markt entwickele sich. "Mittlerweile erkennen auch die traditionellen Häuser den Markt und bieten sozusagen eine vegane Option an."

Sind Rüter und Murer Überzeugungstäter? Bestimmt. Der Veganismus ist ihnen ein Anliegen und Info-Material über Tierrechte liegt auch im Hotel aus. Missionieren wollen die Betreiber aber nicht. "Bei uns sind aber alle willkommen und es soll allen schmecken", sagt Rüter. Überzeugungsarbeit läuft eben auch über den Magen.

Veganer leben ohne Fleisch, Milch, Eier und Leder

Der Verzicht auf Fleisch ist Veganern zu wenig - sie haben sich für ein Leben komplett ohne Tierprodukte entschieden. Das Wort "vegan" prägte der Brite Donald Watson, der 1944 die Vegan Society gründete. Ihre Anhänger verzichten unter anderem auf Milch, Eier und Honig, aber auch auf Kleidung aus Pelz, Leder und Wolle. Auch Pinsel mit Borsten, Musikinstrumente mit Darmsaiten oder Knochenleim lehnen sie ab.

Die Vegane Gesellschaft Deutschland rät außerdem, Kleinstlebewesen wie Insekten in der Wohnung nicht zu töten, sondern sie vorsichtig lebend zu fangen und in die Freiheit zu entlassen. Einer Studie zufolge lebt ein Prozent der Bundesbürger ausschließlich vegan, doch der Umsatz mit veganen Produkten steigt. - dpa

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Quelle: wa.de

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