Einige wenige "Idioten" offenbar schuld

Fußball-Sonderzüge wegen Vandalismus auf der Kippe

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Anhänger des BVB hatten am 7. März in einem Sonderzug und im Hammer Bahnhof randaliert.

DÜSSELDORF/BERLIN - Die Deutsche Bahn AG droht, künftig keine Sonderzüge für Fußballspiele mehr zur Verfügung zu stellen. Grund dafür seien steigende Kosten durch Vandalismusschäden. Ausschreitungen in Zügen haben nach Bahnangaben in jüngster Zeit zugenommen. In einem Fall ermitteln Staatsanwälte wegen eines versuchten Tötungsdeliktes.

Von Jörn Funke

Fans von Borussia Dortmund waren auf der Rückfahrt von einem torlosen Unentschieden in Hamburg, als die Situation in ihrem Sonderzug am 7. März außer Kontrolle geriet.

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Als der Zug Osnabrück mit Tempo 110 passierte, warfen Passagiere eine komplette Sitzbank auf den Bahnsteig. Sie krachte gegen einen Metallpfeiler, hinter dem ein Bahnmitarbeiter stand. Ohne den Pfeiler, so die Einschätzung der Ermittler in Osnabrück, wäre der Mann wohl tot gewesen.

So etwas habe es in dieser Form noch nicht gegeben, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Beim Halt in Hamm versuchten dann rund 150 BVB-Fans, den Bahnhof zu stürmen – je nach Darstellung fühlten sie sich durch Jugendliche provoziert oder vermuteten gewaltbereite Schalke-Fans am Bahnhof.

Es war der erste ernsthafte Vorfall im Rahmen eines Pilotprojektes, das der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und das Düsseldorfer Verkehrsministerium 2014 vorgestellt hatten.

Risiko reduzieren und Polizei entlasten

Mit sogenannten „länderübergreifenden Entlastungszügen“ sollten Fußballfans Direktverbindungen zu weit entfernten Auswärtspartien angeboten werden. Ärger gibt es an Spieltagen auf Bahnhöfen nämlich meist dann, wenn rivalisierende Fangruppen sich beim Umsteigen begegnen.

Mit Direktverbindungen zum Spielort sollte dieses Risiko reduziert und nebenbei die Polizei entlastet werden. Etwa 20 dieser Züge seien bisher aus Nordrhein-Westfalen in andere Bundesländer gefahren, teilt die Bundespolizei mit.

Beamte verstärkt an Bahnhöfen präsent gewesen

Polizisten seien dabei nicht immer an Bord gewesen – was ein Vertrauensvorschuss gegenüber den Fans sei. „Wird das Vertrauen missbraucht“, sagte ein Polizeisprecher, „werden die Züge eben wieder begleitet.“

Gerade drei Mitarbeiter des Bahn-Sicherheitsdienstes waren am 7. März an Bord. Bei der nächsten BVB-Auswärtsfahrt nach Hannover waren es nach Polizeiangaben dann schon 20; Beamte seien zudem verstärkt an Bahnhöfen präsent gewesen.

Eigentlich sollten sich an den Sicherheitsmaßnahmen auch die Vereine beteiligen. Es sei vorgesehen, dass die Clubs Begleitpersonal für die Züge stellen, sagte ein Sprecher des Landesverkehrsministeriums.

Die Vereine sehen das anders: Borussia Dortmund dürfe Entlastungszüge schon aus rechtlichen Gründen nicht mit eigenen Ordnern begleiten, sagte ein Vereinssprecher. Vorstellbar seien lediglich Begleiter aus Fanprojekten – die jedoch nicht dem BVB unterstünden.

1,5 Millionen Euro jährlich für Vandalismusschäden durch Fußballfans

Die Bahn lobt das NRW-Projekt, droht aber trotzdem mit einem Aus für die Sonderzüge. 1,5 Millionen Euro müsse die Bahn jährlich für Vandalismusschäden durch Fußballfans aufbringen, sagte Sicherheits-Chef Gerd Neubeck der „Bild“-Zeitung.

Ob die Praxis der Sonderzüge beibehalten werde, sei fraglich. In jüngster Zeit stelle man vermehrt Ausschreitungen fest, sagte ein Sprecherin. Dabei gehe es wohlgemerkt um einzelne, und nicht um die Masse der Fans.

So war es wohl auch im Fanzug vom 7. März. Von gut 1.000 Mitreisenden seien kaum 20 ausfällig geworden, heißt es in Fankreisen.

Quelle: wa.de

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