Füchtlinge: Kirche sendet Weckruf an Politiker

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Der Kölner Kardinal Woelki steht vor der Glocke "Dicker Pitter" im Kölner Dom.

[Update 16.46] Köln - Mit einer ungewöhnlichen Aktion will das Erzbistum Köln an die Flüchtlinge erinnern, die auf dem Weg nach Europa ertrunken sind. Glocken läuten 23.000 Mal.

Der "Dicke Pitter" wird nur zu besonderen Anlässen geschlagen: An hohen kirchlichen Feiertagen, zum Tod und zur Wahl eines Papstes oder Kölner Erzbischofs. Am Freitagabend läutet die größte Glocke des Kölner Doms als Totenglocke für die auf dem Weg nach Europa ertrunkenen Flüchtlinge.

Der "Dicke Pitter" soll ein Glockengeläut mit insgesamt 23.000 Schlägen beginnen. 230 Kirchen aus dem gesamten Erzbistum werden mit einstimmen. "Das soll ein Weckruf an die Politik sein", sagte Kardinal Rainer Maria Woelki, als er am Montag hoch über Köln im Glockenturm des Doms die Aktion vorstelle.

Bereicherung und Chance

Seit dem Jahr 2000 hätten 23.000 Menschen im Mittelmeer ihr Leben verloren. "Hinter jedem Schlag steht ein Kind, eine Mutter, ein Vater", sagte Woelki. Er kritisierte die derzeitige Flüchtlingspolitik Europas: "Wir dürfen das Mittelmeer nicht als Burggraben wahrnehmen."

Die Europäer sollten die Flüchtlinge als Bereicherung und Chance annehmen. Auch Jesus sei nach seiner Geburt ein Flüchtlingskind gewesen, sagte der Kardinal. "Als Christen haben wir Verantwortung für Menschen, die in Not sind." Das Totengeläut ist Teil eines Solidaritätsabend für Flüchtlinge auf dem Roncalliplatz vor dem Kölner Dom.

Flüchtlinge erzählen ihre Geschichte

Kardinal Woelki wird mit Christoph Pistorius, Vizepräses der evangelischen Kirche im Rheinland, und dem orthodoxen Metropolit Isaak Barakat eine ökumenischen Gedenkfeier für die Opfer gestalten. Auf der Bühne sollen Flüchtlinge ihre Geschichten schildern. An einer Podiumsdiskussion nehmen unter anderem Cap Anamur-Gründer Rupert Neudeck und die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann (Grüne) teil.

Bei Live-Musik und einem internationalen Buffet stellen Hilfswerke ihre Arbeit vor. Neben katholischen und evangelischen Organisationen sei auch die Initiative Islamic Relief dabei, sagt Helmut Loggen vom Diözesan-Caritasverband Köln. Der Erlös des Abends gehe an die maltesische Organisation Moas, die Flüchtlingen aus dem Mittelmeer rettet. - dpa

Quelle: wa.de

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