Oh je Du Fröhliche . . .

DÜSSELDORF ▪ In nahezu jedem Kindergarten wird in der dunklen Jahreszeit traditionell zu Sankt-Martins- und Weihnachtsfeiern eingeladen. Wohl keine Feier kommt ohne besinnliche Musik aus. Das Singen von Martins- und Weihnachtsliedern ist eine nicht wegzudenkende feste Größe. Doch neuerdings gibt es Ärger, weil die Gema Ansprüche angemeldet hat. Von Detlef Burrichter

Probleme kann es geben, wenn nicht nur traditionelle Lieder wie „Sankt Martin“ oder „Oh Du Fröhliche“ geschmettert werden. Taucht Liedgut jüngeren Datums auf zusammenkopierten Liederzetteln auf, die zum Mitsingen verteilt werden – zum Beispiel so beliebte Stücke wie „In der Weihnachtsbäckerei“ von Rolf Zuckowski oder „Weihnachten ist nicht mehr weit (Dicke rote Kerzen)“ von Detlev Jöcker – löst das eine Zahlungsverpflichtung aus. Das ist nicht neu. Neu ist aber, dass dieses Geld nun eingetrieben werden soll.

Die „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“ (Gema) hatte bereits zu Beginn des Jahres 36 000 Kindergärten in ganz Deutschland in einem Anschreiben darauf hingewiesen, dass das Kopieren von Noten und Liedertexten, die jünger als 70 Jahre sind, in Deutschland gesetzlich verboten ist. Die Kindergärten könnten aber Kopierlizenzen erwerben: 500 Kopien pro Jahr kosten 56 Euro.

Das sei „ein freiwilliges Angebot an die Kindergärten“, sagte Gema-Sprecherin Bettina Müller auf Nachfrage. Niemand sei gezwungen, es anzunehmen. „Wenn die Kindergärten nicht kopieren, müssen sie auch nicht lizenzieren.“ Die Einrichtungen könnten zum Beispiel weiterhin Liederbücher kaufen. Auch das Singen der Lieder sei nicht gebührenpflichtig, lediglich das Kopieren der Text- und Notenvorlagen.

Die Aufregung in den Kindergärten ist dennoch groß. So groß, dass sich jetzt die Politik einschaltet. Das Bundesfamilienministerium bezeichnete das Singen in den Kindergärten als „unverzichtbaren Teil der frühkindlichen Bildung“. Die Urheberrechtsprobleme müssten „so schnell wie möglich abgestellt werden“. Die Frage ist nur wie? Anders als bei den Schulen und bei den Kirchen gibt es für die Kindergärten bislang keinen Rahmenvertrag – weil es so viele Träger sind: Kommunen, Wohlfahrtsverbände, Kirchen. Das hat einen Gesamtvertrag bislang verhindert, wie er beispielsweise für allgemein bildende Schulen zwischen den verschiedenen Verwertungsgesellschaften und der Kultursministerkonferenz längst geschlossen wurde.

Um den Druck der Gema von den Kindergärten zu nehmen, will NRW-Familienministerin Ute Schäfer (SPD) einschreiten. Sie wolle eine „länderübergreifende Lösung“ erreichen, wenn sie am 1. Januar den Vorsitz der Jugendministerkonferenz übernimmt. Die rheinland-pfälzische CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner beschimpfte unterdessen die Gema, die „als Muskverhinderer und Quälgeist der Vereine und Konzertveranstalter“ bekannt sei. Dass sie jetzt sogar Kindergärten zur Kasse bitte, sei „der Gipfel der Frechheit“.

Quelle: wa.de

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