Neues Bestattungsgesetz

Ein Friedhof für drei Weltreligionen

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Ein Grabstein eines Muslimen

WUPPERTAL - Unterschiedliche Religionen - unterschiedliche Bestattungsrituale. Aber in Wuppertal ist jetzt der erste Friedhof für Christen, Juden und Muslime geplant. Ein Spaziergang zwischen den Grabreihen.

"Die Ewigkeit ist ein großes Problem", sagt Samir Bouaissa. Der 40-Jährige steht nachdenklich auf einem Friedhof in Wuppertal, zwischen schlichten Grabhügeln und großen Marmorplatten voller arabischer Schriftzeichen. Bouaissa ist der Generalsekretär der Wuppertaler Moscheen. "Im Islam ist es sehr wichtig, dass die Totenruhe niemals gestört wird", erklärt er. Die Vorstellung, dass nach 25 Jahren neu verhandelt werden muss, ob ein Grab erhalten bleibt, mache vielen Muslimen Angst. Vor fünf Jahren entstand eine Idee in Wuppertal, die jetzt umgesetzt werden soll - sie ist nach Angaben der Stadt einmalig in Deutschland und ein großes Zeichen für die Versöhnung der Religionen.

Hintergrund:

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalens hat das Bestattungsgesetz überarbeitet. Ab 2014 soll es einfacher werden, Beerdigungen nach muslimischen Riten durchzuführen. Dazu gehören die Beerdigung in Tüchern und das Ewigkeitsgrab. Die Betreiber können - gemäß dem Brauchtum - garantieren, dass Gräber nicht eingeebnet und neu vergeben werden. Die Kommunen sollen den Friedhofsbetrieb auch an gemeinnützige Religionsgemeinschaften und Vereine übertragen dürfen. Bis jetzt dürfen in der Regel nur Städte oder Kirchen Bestattungen anbieten.

Der Plan ist ein Friedhof, auf dem Juden, Muslime und Christen nebeneinander bestattet werden. Mit einer geplanten Gesetzesänderung wird das Projekt ab Januar 2014 möglich sein; muslimische Vereine sollen dann eigene Friedhöfe betreiben dürfen. Dieses Datum wollen die drei Religionsgemeinschaften nutzen, um einen gemeinsamen Friedhof für alle Religionen zu schaffen.

Regelmäßig kommt Samir Bouaissa inzwischen mit Leonid Goldberg von der jüdischen Gemeinde und dem evangelischen Pfarrer Peter Eberlein zusammen. Sie sind Vorsitzende der drei großen religiösen Gemeinden in Wuppertal. "Der runde Tisch der Religionen hat in Wuppertal Tradition", erklärt der Integrationsbeauftragte der Stadt, Hans-Jürgen Lemmer. Seit dem Brandanschlag in Solingen 1993 treffen sich die Vorsitzenden der Kirchen und Vereine zum Gespräch. "Da geht es um tiefe religiöse Themen, aber auch um Realpolitik. Am Ende des Tages will man sich in die Augen schauen können", sagt Lemmer. Für viel Gesprächsstoff am runden Tisch sorgen derzeit die Vorbereitungen für den gemeinsamen Friedhof.

Er soll auf einem Friedhofsgelände der evangelischen Gemeinde im Stadtteil Unterbarmen entstehen, auch die weltberühmte Choreographin Pina Bausch ist dort begraben. Hier sind bereits Christen und Juden bestattet, nun soll ein muslimisches Gräberfeld hinzukommen. Die Stadt Wuppertal freut sich auf die Erweiterung des Friedhofs: "Ein Symbol für ganz Deutschland", nannte es Oberbürgermeister Peter Jung vor kurzem beim gemeinsamen Fastenbrechen

Für die religiösen Gemeinschaften geht es bei dem Projekt weniger um Symbolik als um gelebten gemeinsamen Alltag. Der Entwurf sieht eine gemeinsame Friedhofsmauer vor, die drei nachbarschaftliche Felder umgrenzt. Weder auf dem muslimischen Grabfeld, noch auf dem jüdischen sollen die Gräber nach einer 25-jährigen Frist eingeebnet werden: Das Ewigkeitsgrab wird Wirklichkeit.

Der Plan, drei Weltreligionen auf einem gemeinsamen Friedhof zu begraben, stoße aber auch auf Widerstand, so Bouaissa. "Besonders lächerlich sind diejenigen, die von "Landnahme" sprechen. Wem nehmen die Toten denn etwas weg?", fragt Bouaissa. Auf dem städtischen muslimischen Gräberfeld, wo die Ewigkeit noch nicht garantiert ist, dreht er sich noch einmal um: "Zuhause ist, wo die Toten begraben werden, egal, in welcher Religion." - dpa

Quelle: wa.de

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