Freizeitparadies Kohlerevier

Karfreitagsprozession zum Papstkreuz auf der Halde Haniel in Bottrop. ▪

BOTTROP ▪ Wer sich den Strukturwandel im Ruhrgebiet vor Augen führen will, besteige eine ehemalige Abraumhalde – wenn er sie denn als solche erkennt. Gekrönt von monumentalen Kunstwerken oder einer Skihalle ist von den Schuttbergen mitunter nicht mehr viel zu sehen. Wo früher Förderbänder Gestein aus dem Kohlenbergbau abluden, erstrecken sich heute ausgedehnte Naherholungsgebiete.

Beispiel Bottrop, Halde Haniel: Satte 112 Hektar ist sie groß, und wird teilweise noch aufgeschüttet. Um rund 95 Meter überragt sie ihre Umgebung. Als „Multifunktionshalde“ beschreibt sie Bottrops Stadtsprecher Andreas Pläsken. Auf ihr befindet sich etwa ein Kreuzweg. Jedes Jahr an Karfreitag versammeln sich hier mehr als 10 000 Menschen vor einem Kreuz, das anlässlich des Besuches von Papst Johannes Paul  II. 1987 von Auszubildenden der Zeche Prosper Haniel gefertigt wurde.

Doch nicht nur an Ostern ist auf der Halde Haniel einiges los: Ein Amphitheater fasst bis zu 1000 Besucher. In den vergangenen Jahren wurden etwa Shakespeare- oder Brecht-Stücke sowie Musical- Vorstellungen gezeigt. Im Kulturhauptstadtjahr 2010 ist eine Inszenierung der Oper „Aida“ geplant.

In Sichtweite der Halde Haniel lässt sich einer der besten Aussichtspunkte im Ruhrgebiet erkennen: die Stahlkonstruktion „Tetraeder“, die auch eine von sieben „Hochpunkten“ der Kulturhauptstadt ist. Für das „Haldenereignis Emscherblick“ auf der Halde an der Beckstraße sollte man allerdings schwindelfrei sein. Die oberste der drei Aussichtsplattformen der 210 Tonnen schweren Konstruktion ist nämlich schief eingehängt. „Wenn der Wind richtig pfeift, kann es da ganz schön wackelig werden.“

Viele Besucher geben sich mit den unteren Aussichtsplattformen zufrieden oder ziehen direkt die nebenan liegende Restauration auf der Halde an der Prosperstraße vor. Darauf wurde 2001 das Alpincenter Bottrop errichtet. Mit 640 Metern soll es die längste überdachte Skipiste der Welt sein. Beliebt ist der Ort auch bei Hobbyfotografen, die das „alte“ Ruhrgebiet suchen: Nur wenige hundert Meter entfernt liegt eine Kokerei. Alle paar Minuten wird die glühende Kohle mit Wasser gelöscht; spektakuläre Dampfwolken steigen dann in den Himmel.

Weiter östlich an der Stadtgrenze zwischen Herten und Recklinghausen wirbt ein Flugblatt für die „größte Haldenlandschaft Europas“. Im Mittelpunkt des 750 Hektar großen Landschaftsparks Hoheward stehen die beiden Halden Hoppenbruch und Hoheward. Neben Wanderwegen und Aussichtsplattformen gibt es ein sogenanntes „Horizontobservatorium“, wo an runden Metallbögen der Verlauf von Sonne, Mond und Sternen zu beobachten ist. Ein neun Meter hoher Obelisk dient als Zeiger einer riesigen Sonnenuhr. Der jüngst erschienene Haldenführer „Über alle Berge“ von Wolfgang Berke bezeichnet die Halde Hoheward denn auch als „ultimatives Erlebnis“. ▪ dpa

Quelle: wa.de

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