Freigelassener Sextäter schlägt erneut zu

DUISBURG/WERL/HAMM ▪ Die Angst vieler Justiz-Experten ist zum Ernstfall geworden: Ein erst am 18. November aus der Sicherungsverwahrung in Werl entlassener Sexualstraftäter ist in Duisburg nach einem Angriff auf ein zehnjähriges Mädchen festgenommen worden. Das Mädchen konnte weglaufen, erlitt einen Schock, blieb aber unverletzt.

Der Mann gehört zur Reihe von Sicherungsverwahrten, die nach Beschlüssen vom 4. Senat des Oberlandesgerichts (OLG) in Hamm unter Bezug auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zu entlassen waren. Der 47-Jährige war 1994 vom Landgericht Kleve wegen eines Sexualdelikts in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu sechseinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden; damals hatte der sexuelle Übergriff aber kein minderjähriges Opfer betroffen. Seit August 2000 saß der Mann in Werl in Sicherungsverwahrung.

Das OLG hatte bei der Freilassung damit argumentiert, dass durch die Dauer der Sicherungsverwahrung eine Freilassung auch ohne das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte anhängig gewesen wäre. Zudem hatte sich das OLG auf ein Gutachten gestützt: Es gebe keine Hinweise auf hochgradige Gefahr für die Begehung schwerster Gewalt- und Sexualverbrechen. Nach Bestätigung des Werler JVA-Leiters Michael Skirl hatte es bei der Entlassung des Mannes nur geheißen, er gelte als „nicht sonderlich kommunikativ“. Briefwechsel habe es gegeben, Besuche zuletzt eher wenig.

Aus Polizeikreisen hieß es, der 47-Jährige sei in das eigens vom Landeskriminalamt geschaffene Programm „Kurs“ („Konzeption zum Umgang mit rückfallgefährdeten Sexualstraftätern“) aufgenommen worden. Nach einigen Tagen Rundum-Observation, in denen sich der Mann unauffällig verhielt, sei diese aber zurückgefahren worden.

Dem 4. Senat des Hammer OLG liegen jetzt noch zwei Anträge von Sicherungsverwahrten vor, die unter Hinweis auf das Straßburger Urteil entlassen werden wollen.

„Schlimmste Befürchtungen bestätigt“ sieht der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt: „Wir haben immer darauf hingewiesen, dass Menschenleben konkret gefährdet sind, wenn rückfallgefährdete Täter in Freiheit kommen.“ Die Polizei könne diese „tickenden Zeitbomben“ unmöglich rund um die Uhr überwachen: „Jetzt müsen schnell und dringend Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass die sogenannten Altfälle wieder in staatliche Verwahrung kommen.“ ▪ bus/mb

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare