Mindestens ein Toter bei Olsberg

Flugzeug-Absturz: Kampfjet kollidiert mit Ziel-Maschine

+
Trümmerteile liegen auf einer Wiese bei Elpe.

[UPDATE 19.08 UHR] OLSBERG - Über Olsberg-Elpe im Sauerland ist am Montagnachmittag im Rahmen eines Manövers ein Zivilflugzeug nach einem Zusammenstoß mit einem Kampfjet der Luftwaffe abgestürzt. Dabei wurde mindestens ein Insasse getötet.

Nahe der Absturzstelle seien Leichenteile gefunden worden, wie ein Sprecher der Polizei in Meschede am Montagabend sagte. Es handle sich voraussichtlich um einen der beiden Insassen der Zivilmaschine.

Das Unglück ist nach Angaben der Luftwaffe in Berlin während einer gemeinsamen Übung von zwei Eurofightern und dem Zivilflugzeug passiert. Die drei Maschinen sollten sich in der Luft zu einem Manöver treffen.

Einer der Luftwaffenjets sei anschließend auf seiner Basis in Nörvenich bei Köln gelandet. Das andere Flugzeug, ein mit zwei Personen besetzter Learjet, sei über unbewohntem Gebiet abgestürzt.

Die Absturzstelle in Olsberg-Elpe liegt auch unweit des Freizeitparks Fort Fun (hier klicken, um die Karte zu vergrößern).

Die Maschine sei inzwischen gefunden worden, hieß es bei der Feuerwehr-Leitstelle des Hochsauerlandkreises.

Ein Sprecher der Luftwaffe in Berlin bestätigte einen Zwischenfall zwischen einem Eurofighter und einer Zivilmaschine. Der Eurofighter und eine weitere Maschine dieses Typs, die zum Taktischen Luftwaffengeschwader 31 "Boelcke" gehören sollen, seien sicher auf den Flugplätzen Nörvenich und Köln-Wahn gelandet.

Zur Ursache des Unfalls konnte er keine Angaben machen. Die Zivilmaschine sei für die Gesellschaft für Flugzieldarstellung (GFD) unterwegs gewesen.

Die Gesellschaft für Flugzieldarstellung ist seit mehreren Jahren ein Tochterunternehmen der Rüstungssparte des Airbus-Konzerns. Die Flugzeuge der Firma dienen unter anderem der Luftwaffe als Übungsziele. Darüberhinaus ist die GFD auch für Teile der Pilotenausbildung für den Kampfjet Eurofighter zuständig, der ebenfalls von einer Airbus-Tochter hergestellt wird.

Das Trümmerfeld hat riesige Ausmaße (hier klicken zum Vergrößern).

Ihren Sitz hat die GFD eigenen Angaben zufolge auf dem Flugplatz Hohn in Schleswig-Holstein. Aus dem im Bundesanzeiger veröffentlichten Geschäftsbericht für 2011 geht hervor, dass die Firma damals rund 80 Mitarbeiter beschäftigte und für ihre Aufgaben eine Flotte von elf Learjets, zweimotorigen Geschäftsreiseflugzeugen, betrieb.

Ein Learjet, aufgenommen bei einer Vorführung der Luftwaffe im Jagdgeschwader 73 "Steinhoff" in Laage bei Rostock.

Die beiden Flugzeuge seien in der Luft über der Ortschaft Elpe bei Olsberg kollidiert, sagte die Polizeisprecherin. An Bord des Learjets seien der Pilot und ein Passagier gewesen. Die Feuerwehr und andere Einsatzkräfte seien an der Unfallstelle.

Inzwischen gibt es von der Absturzstelle erste Fotos. Demnach landete eine Turbine des abgestürzten Learjets auf einer Landstraße.

Ein Augenzeuge wird bei "Bild" so zitiert: "Ich hatte die Jets gehört. Wir wohnen hier ja in einer Tiefflugzone. Plötzlich war es aber still. Das war schon komisch. Dann sahen wir das riesengroße Trümmerfeld – nur 20 Meter neben Wohnhäusern. Das war echt knapp." Außerdem wollen Augenzeugen mindestens einen Fallschirm gesehen haben. Bestätigt ist das offiziell nicht.

Der General Flugsicherheit der Bundeswehr und die Bundesanstalt für Flugunfalluntersuchung haben vort Ort die Ermittlungen aufgenommen.

Bei dem Zusammenstoß ist auch die Luftwaffenmaschine schwer beschädigt worden. Dies sagte der Kommodore des Taktischen Luftwaffengeschwaders 31, Oberst Andreas Hoppe, am Montag der dpa. Beide Piloten der Bundeswehr-Jets seien sehr erfahren und hätten die Übung schon sehr oft gemacht.

Fotostrecke zum Flugzeug-Unfall in Olsberg

Flugzeug-Absturz in Olsberg-Elpe

Er habe keine Hinweise darauf, wie es zu dem Unfall kommen konnte, sagte der 48-jährige Kommandant. Die beiden Flugzeuge seien in einer Höhe von drei bis fünf Kilometern sowohl am Flügel als auch am Rumpf miteinander kollidiert.

Bei der Übung sei es um zivile Flugzeuge in Notlagen gegangen, die sich nicht mehr über Funk melden können. Im Ernstfall nehmen in solchen Fällen zwei Eurofighter Sichtkontakt auf und leiten die Maschine zum nächsten Flugplatz, erklärte Hoppe. Ein Eurofighter fliege dabei in einem Abstand von 500 bis 1000 Meter neben dem Zivilflugzeug, das andere etwa drei Kilometer dahinter.

Solch eine Situation werde regelmäßig geübt, mitunter drei- bis fünfmal in der Woche. Das zivile Flugzeug werde dabei von der Gesellschaft für Flugzieldarstellung (GFD) simuliert.

Es sei eine Glanzleistung des Piloten des beschädigten Flugzeugs gewesen, seine Maschine wieder sicher zurückzubringen, sagte Hoppe. Beide Piloten würden nun psychologisch betreut. In den kommenden Tagen wolle man sie befragen. Die Aufzeichnungssysteme der Flugzeuge sollen ausgewertet werden. - dpa/eB

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare