Wertschätzung zeigen: Weltnachbarn an einem Tisch

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Die Helfer Klaus Werthmann (links) und Irmtraud Quenzel (rechts) mit der Familie Vera, Arbi und Admir Rrukay (von links).

Schalksmühle - Flüchtlinge und Einheimische lernen sich beim Café Weltnachbarn in Schalksmühle besser kennen. Aus manchen Begegnungen entwickeln sich bereits Freundschaften.

Behörden-Dschungel, Sprachbarrieren oder auch psychische Probleme aufgrund traumatischer Erlebnisse – zahlreiche Flüchtlinge suchen derzeit Zuflucht in der Volmegemeinde. In der Fremde werden sie jedoch mit vielen Herausforderungen konfrontiert.

Das Netzwerk Flüchtlingsarbeit lässt die Asylbewerber nicht allein mit ihren Sorgen und engagiert sich daher in vielerlei Hinsicht. Ein Arbeitsbereich des Netzwerks ist das Café Weltnachbarn. Im Gemeindesaal der Christuskirche in Dahlerbrück herrscht volles Haus. In Sitzgruppen unterhalten sich Schalksmühler mit Asylsuchenden aus Syrien, dem Irak, aus China, Bosnien oder auch aus afrikanischen Ländern.

Hier ist ein Brocken Englisch zu hören, dort tragen mehrere Flüchtlinge mit ihren neu erlernten Deutschkenntnissen zur Unterhaltung bei. „Das Café Weltnachbarn soll eine Begegnungsstätte sein und das klappt auch schon wunderbar“, sagt Netzwerk-Mitarbeiterin Enid Lal. Bei Kaffee, Kuchen und anderen Speisen kommen die Menschen miteinander ins Gespräch und lernen sich kennen.

Maximilian Specht (Mitte) mit Aqeel Kadhim und Maradona Zido Alo (rechts).

„Die Teilnehmer mischen sich ganz von alleine und obwohl wir kein großes Programm anbieten, war bisher jede der drei Veranstaltungen gut besucht.“ Für viele Flüchtlinge sei der Kaffeetreff ein fester Termin. „Viele ziehen sich dafür extra schick an, weil sie sich darauf freuen. Die meisten Familien sind uns gegenüber immer sehr gastfreundlich und beim Café Weltnachbarn sind sie bei uns zu Gast“, sagt Irmtraud Quenzel, eine der Initiatoren des Netzwerks.

Was die Ehrenamtlichen besonders freut, ist, dass auch immer mehr Schalksmühler zu den Treffen kommen. „Hier haben die Bürger mal die Leute vor Augen, über die bei den Stammtischen gesprochen wird“, sagt Heide Bachmann, die sich mit ihrem Ehemann Wolfgang einbringt.

Einer der Schalksmühler, die zum Café Weltnachbarn kommen, ist Maximilian Specht. Der 25-Jährige ist zum zweiten Mal dabei. „Beim letzten Café habe ich Barry kennengelernt. Wir haben uns gut unterhalten und sind danach auch mal zusammen Mittagessen gewesen“, erzählt Specht. Er sehe die Flüchtlingsproblematik in Deutschland und wolle einen Beitrag leisten, damit sich die Asylsuchenden wohl fühlen. „Ich möchte den Leuten meine Wertschätzung zeigen, dass sie hier sind.“ Specht absolvierte selbst ein Freiwilliges Soziales Jahr in Tansania, galt dort als Fremder. „Ich habe erlebt, wie es ist, wenn dich Leute herzlich willkommen heißen, oder sie dir begegnen, als wenn du etwas angestellt hättest.“

Maradona Zido Alo kommt gern zum Kaffeetreff, er freut sich immer, wenn er neue Leute kennenlernen kann. „Ich möchte nicht in meiner Wohnung für mich sein.“ Der 29-Jährige stammt aus dem Irak, wo er als Jeside unter ständigen Anfeindungen litt. 2009 floh er nach Deutschland, derzeit hat er bis 2018 eine Aufenthaltsgenehmigung und möchte so schnell wie möglich Arbeit finden.

Monira Civic (re.) und die Familie Sabani.

 „Im Fernsehen sehe ich jeden Tag, wie viele Jesiden wegen des Islamischen Staats (IS) aus dem Irak flüchten. Was die IS dort macht, ist schlimm. Sie verfolgen uns, verkaufen unsere Frauen. In Europa ist es ruhig. In den Irak möchte ich nicht mehr zurück, dort habe ich nie ein ruhiges Leben geführt“, sagt er. Auch Monira Civic kommt mit ihrer Familie regelmäßig zum Café Weltnachbarn. „In Bosnien hatten wir viele Probleme. Deutschland ist ein liebes Land mit freundlichen Leuten und Nachbarn. Ich möchte, dass es meiner Familie gut geht und mein Sohn Adnan hier zur Schule gehen kann“, sagt Civic. Der zwölfjährige Adnan spreche bereits sehr gut Deutsch, erst vor fünf Monaten kam die Familie nach Deutschland.

Civic: „Die Leute sagen, Adnan sei ein Phänomen, weil er in Bosnien gar kein Wort Deutsch konnte. Er hat viel über das Fernsehen gelernt und natürlich in den Sprachkursen.“ Das Café Weltnachbarn findet an jedem ersten Donnerstag im Monat im Gemeindesaal der Christuskirche von 15 bis 18 Uhr statt und ist für jeden offen.

Quelle: wa.de

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