Masken-Hilfspaket an Pflegeheime

FFP2-Masken der Regierung „untauglich“? Awo mit Warnung - Bund reagiert auf Vorwürfe

Die Awo in Westfalen warnt ihre Pflegeheime vor dem Gebrauch von FFP2-Masken der Regierung. Das Bundesgesundheitsministerium weist die Vorwürfe als haltlos zurück.

  • Die Pflegeheime der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Westfalen haben rund 30.000 FFP2-Masken zum Schutz vor dem Coronavirus von der Bundesregierung erhalten.
  • Die Awo hält die Masken für „untauglich“ und warnte die Heime vor dem Gebrauch.
  • Das Bundesgesundheitsministerium hat jetzt auf die Vorwürfe reagiert.

Update vom 15. Dezember, 22.44 Uhr: Auch nach einer Stellungnahme aus Berlin (siehe Update vom 15. Dezember, 11.38 Uhr) hält die Awo im westlichen Westfalen an ihrer deutlichen Kritik an den gelieferten FFP2-Masken fest: Das Gesundheitsministerium habe FFP2-Masken zugesagt. Die ersten Lieferungen seien aber „unbrauchbar“, teilte Elke Hammer-Kunze, stellvertretende Geschäftsführerin des Bezirksverbands am Dienstag mit. „Sie erfüllen nicht den nötigen Standard, um die Menschen in unseren Einrichtungen wirksam vor dem Coronavirus zu schützen.“ Es brauche keine „mangelhaften Masken der Resterampe, sondern wirksame Schutzausrüstung“. Wertschätzung für Pflegekräfte sehe anders aus.

Arbeiterwohlfahrt (Awo)
BezirkWestliches Westfalen e.V.
SitzDortmund

Update vom 15. Dezember, 11.38 Uhr: Die FFP2-Masken, die knapp 60 Awo-Pflegeheime im Bezirk „Westliches Westfalen“ in den vergangenen Tagen von der Bundesregierung zugeliefert bekommen haben, sollen „untauglich“ sein. Diesen Vorwurf hatte die Arbeiterwohlfahrt am Montag geäußert und ihre Heime gewarnt, die Masken zu nutzen. Das Bundesgesundheitsministerium hat am Dienstag auf die Warnung reagiert und die Anschuldigung, die FFP2-Masken hätten erhebliche Mängel und womöglich keine Zulassung, als haltlos zurückgewiesen.  „Diese Warnung entbehrt jeder Grundlage. Die Masken sind geprüft und für gut befunden worden“, teilte ein Sprecher mit.

FFP2-Masken der Regierung „untauglich“? Awo spricht Warnung aus - Bund reagiert auf Vorwürfe

Die versendete Schutzausrüstung an Pflegeeinrichtungen sei einem standardisierten, mehrstufigen Prüfverfahren unterzogen worden. Die Masken erfüllten „alle Anforderungen an die Qualität und Sicherheit, die Grundlage für eine Nutzung sind.“ Geprüft wurden demnach unter anderem Funktion sowie Filterqualität.

In den Nutzungsbedingungen für die gelieferten Masken werde darauf hingewiesen, dass sie nur als „eiserne Reserve“ für den „Notfallgebrauch in Mangelsituationen“ gedacht seien. So sollten die Einrichtungen vorrangig weiter diejenigen Masken nutzen, die auf dem üblichen Marktwege beschafft werden. Das Masken-Hilfspaket entstamme dem in der Hochphase der Corona-Pandemie aufgrund von Sonderregelungen angeschafften Bestand der Bundesrepublik. „Sie werden nicht in den Verkehr gebracht und nicht generell bereitgestellt“, hieß es zudem. Damit wurde im Fall der Pflegeheime auf andere Bestände zurückgegriffen als bei den Schutzmasken, die seit diesem Dienstag über Apotheken an die Risikogruppe ausgegeben werden sollten.

FFP2-Masken der Regierung „untauglich“? Awo warnt Pflegeheime vor dem Gebrauch der Masken

[Erstmeldung] Dortmund - 30.000 FFP2-Masken zum Schutz vor dem Coronavirus sind in den vergangenen Tagen in den knapp 60 Einrichtungen der Awo im Bezirk Westfliches Westfalen angekommen. Die Masken sind laut Sprecher Jörg Richard nicht für den Einsatz in der Pflege zu gebrauchen. Ein harter Vorwurf.

Der Grund für die Aussage: Die FFP2-Masken seien mit dem Hinweis „Non-Medical“ versehen und damit nicht für den Einsatz im medizinischen Bereich nutzbar. Auch würde bei einigen Masken Angaben zum Haltbarkeitsdatum oder Verwendungsbereich fehlen. Zuerst hatte die Westdeutsche Allgemeine Zeitung berichtet.

„Diese Masken sind völlig untauglich“, sagten Awo-Bezirksgeschäftsführer Uwe Hildebrandt und Awo-Vorstandsmitglied Serdar Yüksel, der im Übrigen auch SPD-Landtagsabgeordneter ist, der Zeitung.

FFP2-Masken der Bundesregierung: Kein generelles Medizinprodukt

Auf der Homepage des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte heißt es allerdings, dass sowohl FFP2- als auch FFP1- und FFP3-Masken generell nicht als Medizinprodukt gelten und in die Kategorie „Eigenschutz/Arbeitsschutz“ fallen würden. Demnach seien sie „Gegenstände der persönlichen Schutzausrüstung“ (PSA) und hätten „die Zweckbestimmung, den Träger der Maske vor Partikeln, Tröpfchen und Aerosolen zu schützen“.

Die Filterleistung von FFP-Masken sei gemäß der Norm DIN EN 149:2009-08 mit Aerosolen getestet worden. Sie würden demnach einen wirksamen Schutz bieten.

Der Deutsche Ärzteverlag schreibt: „Die FFP2/FFP3 Masken aus unserem Sortiment sind für den medizinischen Arbeitsschutz in Deutschland zugelassen. Da es keine speziellen FFP2/FFP3 Masken für den medizinischen Bereich (Medizinprodukt) gibt, muss aufgrund chinesischer Vorschriften der Hinweis „for non medical use only“ durch den Hersteller für den Export aufgedruckt werden.“

Awo warnt vor FFP2-Masken und zweifelt an deren Zulassung

Die Awo äußerte auch Zweifel an einer Zulassung. „Nach ersten Recherchen haben wir Zweifel, dass die Masken dieses Fabrikats überhaupt eine Dekra-Zulassung haben“, sagte Awo-Sprecher Richard weiter. In dem Bericht der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung heißt es, dass das Qualitäts- und Sicherheitsmanagement der Awo eingeschaltet worden wäre. Über die Produktnummer sei man dann auf einen „vernichtenden Bericht der Dekra“ gestoßen.

Die Freigabe sei unter anderem an sich ablösenden Partikeln und „Undichtigkeit im Nasenbereich“ gescheitert. Die erforderliche CE-Kennzeichnung hätten ebenso wie der vierstellige Prüfcode gefehlt.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte Anfang November laut Funke-Mediengruppe angekündigt, bundesweit 290 Millionen Masken an Pflegeheime und ambulante Dienste verteilen zu wollen. Die Einrichtungen sollen demnach jeweils 1000 hochwertige FFP2-Masken und 2000 einfache OP-Masken erhalten. Laut mehrerer Medienberichte hatte Spahn außerdem gesagt, der Bedarf könne nun vor allem aus inländischer Produktion gedeckt werden.

Awo spricht Warnung vor FFP2-Masken der Bundesregierung aus

Die Awo in dem westfälischen Bezirk hat sich aufgrund ihrer Zweifel an der Qualität der Masken zu einem drastischen Schritt entschieden: Sie warnt die Einrichtungen vor dem Gebrauch der Masken und fordert sie auf, die Masken nicht zu nutzen.

„Die Pflegenden müssen sich ja sicher sein, dass sie bei der Versorgung von coronainfizierten Patienten optimal geschützt sind“, sagte Richard. Diese Masken könne man nur „beiseitelegen“. „Wir besorgen uns natürlich selbst permanent weitere Masken, die auch den Standards entsprechen“, sagte der Sprecher. (mit dpa-Material)

Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka/dpa

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