Corona-Schutz

FFP2-Masken kostenlos in Apotheken: Habe ich einen Anspruch? Wie bekomme ich welche?

Die Corona-Zahlen steigen, besonders ältere Menschen sind betroffen. Sie sollen jetzt in Apotheken mit kostenlosen FFP2-Masken versorgt werden. Wer sonst noch Anspruch auf die Masken hat.

Hamm - Die Corona-Lage in Deutschland bleibt ernst. Laut Robert-Koch-Institut sind die Fallzahlen so hoch wie noch nie, schwere und tödliche Krankheitsverläufe nehmen zu. Immer stärker betroffen ist die Gruppe der 80-Jährigen. Um die Risikogruppen verstärkt zu schützen, können sie Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen seit Dienstag, 15. Dezember, in Apotheken kostenlose FFP2-Masken abholen. (News zum Coronavirus)

Mund-Nase-Bedeckung (Alltagsmaske)Dient der Unterbrechung von Infektionswegen. Die Abgabe von Tröpfchen und Spritzern beim Sprechen, Husten oder Niesen wird reduziert.
Mund-Nase-Schutz (OP-Maske, medizinische Gesichtsmaske)Schützt andere vor Tropfen in der Ausatemluft der tragenden Person. Die Abgabe von Tröpfchen und Spritzern beim Sprechen, Husten oder Niesen wird reduziert.
Atemschutz-Maske (FFP2, FFP3)Schützt die tragende Person vor dem Einatmen kleinster luftgetragener Partikel, Tröpfchen und Aerosole.

Corona: Kostenlose FFP2-Masken in Apotheken - Wer hat Anspruch?

Betroffen sind rund 27 Millionen Bürger in Deutschland. Sie zählen zur Risikogruppe und sollen durch eine Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums mit Schutzmasken ausgestattet werden. Die Ausgabe der Schutzmasken erfolgt in einem stufenweisen Verfahren.

Anspruch auf die kostenlosen FFP2-Masken haben laut dem Ministerium über 60-Jährige und Menschen mit folgenden chronischen Erkrankungen oder Risikofaktoren:

  • chronisch obstruktive Lungenerkrankung oder Asthma bronchiale,
  • chronische Herzinsuffizienz,
  • chronische Niereninsuffizienz Stadium ≥ 4,
  • Demenz oder Schlaganfall,
  • Diabetes mellitus Typ 2,
  • aktive, fortschreitende oder metastasierte Krebserkrankung oder stattfindende Chemo- oder Radiotherapie, welche die Immunabwehr beeinträchtigen kann,
  • stattgefundene Organ- oder Stammzellentransplantation,
  • Trisomie 21,
  • Risikoschwangerschaft.

Corona: Kostenlose FFP2-Masken in Apotheken - so erhalten Berechtigte die Schutzmasken

In dem ersten Schritt können sich die Berechtigten in Apotheken kostenlos drei FFP2-Masken abholen. „Dazu genügt die Vorlage des Personalausweises oder die nachvollziehbare Eigenauskunft über die Zugehörigkeit zu einer der Risikogruppen“, heißt es seitens des Bundesgesundheitsministeriums. Auch kann zur Abholung eine Person bevollmächtigt werden.

Ab Januar soll dann die zweite Stufe des Verfahrens beginnen. Dann sollen über 60-Jährige und Menschen mit Vorerkrankungen mit weiteren Masken versorgt werden. „Alle Berechtigten erhalten dann zwei fälschungssichere Coupons für jeweils sechs Masken von ihren Krankenkassen oder ihrer privaten Krankenversicherung“, erklärt das Bundesgesundheitsministerium.

Corona: FFP2-Masken für Risikogruppen in Apotheken - zweite Stufe der Verteilaktion ab Januar

Diese sollen dann in zwei „klar definierten Zeiträumen“ in 2021 in den Apotheken eingelöst werden können. Die FFP2-Masken sind dann aber nicht mehr komplett kostenlos. Anspruchsberechtigte müssen dann pro eingelöstem Coupon einen Eigenanteil von zwei Euro zahlen. Den Bund kostet die Aktion insgesamt rund 2,5 Milliarden Euro.

Menschen warten vor der Apotheke in einer Schlange. Die Löwen-Apotheke in Oberhausen Sterkrade gibt kostenlose FFP2-Masken an Menschen über 60 Jahren oder Menschen mit Vorerkrankungen aus.

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) rechnete zu Beginn der Ausgabe mit „enormen Kundenandrang“ und warnte vor langen Warteschlangen. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt appellierte an die Berechtigten, Geduld zu haben und nicht gleich am ersten Tag zu den Apotheken zu rennen. „Wir können nicht alle Berechtigten an einem Tag versorgen, und die benötigten Masken werden auch erst nach und nach in die Apotheken geliefert“, so Schmidt.

Kostenlose FFP2-Masken in Apotheken für Corona-Risikopatienten - teilweise lange Schlangen am Dienstag

In Nordrhein-Westfalen ist die Ausgabe von zunächst 20 Millionen FFP2-Masken laut Apothekerverbänden gut angelaufen. „Die Patienten sind teilweise wirklich überglücklich und dankbar nun eine Maske in den Händen zu halten, die bestmöglich schützt“, sagte Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein, der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag.

Es bildeten sich mancherorts lange Schlangen, berichtete er. So beispielsweise auch in Soest*, wo die älteren Menschen zum Teil vor Öffnung der Apotheken in Reih und Glied gewartet haben, berichtet soester-anzeiger.de*. Die Patienten seien aber in der Regel sehr diszipliniert und verständnisvoll, sagt Preis. In Ostwestfalen meldeten viele Apotheken bereits am Vormittag*, dass die Masken vergriffen seien, berichtet owl24.de*.

Als Reaktion auf die langen Schlangen vor Apotheken kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch im Bundestag an, dass FFP2-Masken im neuen Jahr auch zugeschickt werden sollen. Auf eine Frage der FDP, ob ein Versand angesichts der hohen Corona-Infektionszahlen nicht besser gewesen wäre, sagte Merkel: „Das wird in einem zweiten Schritt auch geschehen.“

Markus Söder hat am 12. Januar 2021 verkündet, dass FFP2-Masken in Bayern zur Pflicht werden.

Corona: Kostenlose FFP2-Masken in Apotheken - Kritik von Kubicki

FFP2-Masken filtern Partikel besonders wirksam aus der ein- oder ausgeatmeten Atemluft, sie bieten aber auch keinen 100-prozentigen Schutz. „Eine FFP2-Maske ist kein Freifahrtschein. Alle anderen Infektionsschutzregeln sollten weiterhin eingehalten werden. Dazu gehört Händewaschen, Abstand halten, Lüften und die Benutzung der Corona-Warn-App“, sagt Schmidt. Zusätzlich zum Selbstschutz bieten FFP2-Masken auch mehr Fremdschutz als Alltagsmasken*, berichtet heidelberg24.de*.

Für Aufsehen sorgte ein Tag vor Start der Aktion ein Vorwurf der Arbeiterwohlfahrt in NRW, die für ihre Pflegeheime FFP2-Masken des Bundes bekommen haben. Laut der Awo seien diese allerdings „untauglich“, das Bundesgesundheitsministeriums wies die Vorwürfe zurück.

Kritik an der Verteilaktion der FFP2-Masken von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn äußerte FDP-Vize Wolfgang Kubicki. Es klinge wie „Realsatire“, die Risikogruppen vor Beginn des harten Lockdowns aufzurufen, in die Apotheken zu strömen. „Die von der Kanzlerin gewollte Kontaktbeschränkung wird damit von ihrem eigenen Minister ad absurdum geführt“, sagte Kubicki den Zeitungen der Funke Mediengruppe. (mit dpa-Material) - *soester-anzeiger.de, owl24.de und heidelberg24.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Friso Gentsch/dpa

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