Feuerwehr in NRW: Immer weniger Ehrenamtliche

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Nicht nur beim Löschen von Bränden sind sie zur Stelle – die Feuerwehrmänner leisten auch akute Hilfe bei Unfällen und befreien Verletzte, wie hier bei einem Lehrgang der Feuerwehr Hamm. In Zukunft könnte es aber Probleme mit dem Nachwuchs geben.

DÜSSELDORF/BERGKAMEN - Wenn es brennt, wählt man die 112 und es ist Hilfe da, wenn man sie braucht. Künftig wird diese Selbstverständlichkeit aber Probleme bereiten. Viele Arbeitgeber stellen ihre Mitarbeiter nicht mehr gerne frei und auch der Nachwuchs wird immer spärlicher.

Von Caroline O’Sullivan

 „In der Theorie müssen die Ehrenamtlichen freigestellt werden, wenn der Melder piept, auch für Übungen“, erklärt Nils Vollmar, Verwaltungsangestellter des Verbands der Feuerwehren NRW. „In der Praxis ist es leider oft so, dass Mitarbeiter nach ein paar Einsätzen eine Abmahnung auf dem Tisch liegen haben.“

Dabei bekommen die Chefs den Verdienstausfall ihrer Angestellten sogar von der Gemeinde bezahlt. „Die Arbeitgeber haben leider immer weniger Verständnis dafür“, so Nils Vollmar. „Es ist in den verschiedenen Berufen aber auch nicht immer umsetzbar.“ Ein weiteres Problem sei der demografische Wandel. Dieser führe dazu, dass in ein paar Jahren schon immer mehr Arbeit von immer weniger ehrenamtlichen Feuerwehrleuten erledigt werden muss.

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass der Feuer- und Katastrophenschutz nicht mehr ausreichend gewährleistet sein wird. „Mit den Jugendfeuerwehrgruppen ist alles noch unproblematisch. 80 bis 90 Prozent treten mit ihrem 18. Lebensjahr in die Feuerwehr ein – sie verlassen sie zu einem Großteil aber auch mit 25 oder 30 wieder“, berichtet Nils Vollmar. Bei einer Gesamtzahl von 396 Dienststellen in NRW, davon 288 rein ehrenamtliche Feuerwehren, werde klar, dass spätestens an dieser Stelle ein Problem auftaucht.

Um die Feuerwehr zukunftssicher zu machen, startete das Innenministerium in Kooperation mit dem Verband der Feuerwehren und der Universität Witten/Herdecke im Juli ein Projekt. „Feuerwehrensache“ ist auf fünf Jahre ausgelegt, jeden Monat finden Workshops statt. Damit sollen Ehrenamtliche gewonnen und das Amt attraktiver gemacht werden.

„Das Ehrenamt hat eine große Bedeutung und sorgt für leistungsfähige Feuerwehren“, berichtet Vera Clement, Sprecherin im Innenministerium. „Wir wollen auch Frauen und Migranten, aber nach wie vor jugendliche und ältere Erwachsene großflächig ansprechen.“ So wie Dietmar Luft, Chef der Freiwilligen Feuerwehr in Bergkamen, das schon länger macht. Er hatte eine besondere Idee für seine Truppe. „Man lässt Potenzial liegen, wenn man die Älteren nicht anspricht“, ist sich der 53-Jährige sicher.

„Wir konnten bereits sechs Ü-50er, wie wir sie nennen, rekrutieren. Die haben ihre Lehrgänge richtig gut abgeschlossen und sind voll motiviert“, freut sich Luft. „Warum soll es keine Ü-50-Feuerwehrmänner geben?“ Man müsse eben nur nochmal über den eigenen Schatten springen. Dietmar Luft ist sich sicher, wenn die Gesundheit mitmache, können „seine Jungs“ mindestens zehn Jahre gute Feuerwehrleute bleiben.

Quelle: wa.de

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