In NRW fehlen 44000 Kita-Plätze für die Kleinsten

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Ab August 2013 haben Familien einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für ihre Kleinkinder. ▪

DÜSSELDORF ▪ In NRW klafft eine große Lücke bei der Betreuung unterdreijähriger Kleinkinder. 44 000 von insgesamt 144 000 benötigten Betreuungsplätzen fehlen noch, um den bundesweit gültigen Rechtsanspruch ab dem 1. August 2013 zu erfüllen, sagte gestern NRW-Familienministerin Ute Schäfer (SPD). Zu dem Stichtag müssen alle Bundesländer für ein Drittel der ein- und zweijährigen Kinder einen Platz in einer Tageseinrichtung oder in der Kindertagespflege anbieten.

Das Ziel sei „äußerst ehrgeizig“, aber sie sei zuversichtlich, die enorme Lücke rechtzeitig schließen zu können, so die Ministerin. Die Landesregierung habe die Fördermittel 2011 bereits um 422 Millionen Euro aufgestockt. Bis 2013 kämen nochmals 90 Millionen Euro hinzu. Der Bedarf bei der U3-Betreuung ist örtlich sehr unterschiedlich. Am größten sei er in den Großstädten

In den kommenden Jahren will das NRW-Familienministerium noch jeweils 22 000 neue U3-Plätze schaffen, um die vom Bund vorgegebene Quote rechtzeitig zum 1. August 2013 zu erfüllen. Dann hätte jedes dritte ein- und zweijährige Kleinkind in NRW einen Betreuungsplatz sicher.

Der Bund hat seinen Anteil an den Investitionskosten längst überwiesen – 481 Millionen Euro für den Kita-Ausbau flossen nach NRW. Auch die rot-grüne Minderheitsregierung, die sich die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf die Fahnen geschrieben hat, investierte bereits kräftig.

Schon mit dem Nachtragshaushalt 2010 flossen 150 Millionen Euro zusätzlich für den U3-Ausbau. Daraus wurde inzwischen das Sonderprogramm U3-Ausbau mit einem Volumen von 400 Millionen Euro bis 2013. Aus diesem Topf haben die Jugendämter laut Ministeriumsangaben für 2011 und bereits für 2012 rund 160 Millionen Euro zugewiesen bekommen. Weitere 90 Millionen Euro werden bis 2013 noch hinzukommen, sagte Familienministerin Ute Schäfer (SPD) gestern zu.

Ob das alles ausreichen wird, die klaffende Lücke rechtzeitig zu schließen, dafür mag selbst die Ministerin die Hand nichts ins Feuer legen. Es gebe „ein paar Risiken“, verwies sie auf die große Nachfrage bei Handwerkerleistungen und Preissteigerungen.

Kritik kam von der Opposition: „Es ist enttäuschend, dass die Ausbaudynamik nicht stärker an Schwung gewinnt“, kritisierte FDP-Familienexperte Marcel Hafke. Die Ministerin müsse den Ausbau zügiger vorantreiben. Die CDU monierte, der Bedarf sei schöngerechnet, weil er auf altem Zahlenmaterial basiere. Tatsächlich müssten weitaus mehr U3-Plätze geschaffen werden, um die Quote zu erreichen, sagte CDU-Familienexperte Bernhard Tenhumberg.

Rückendeckung bekam Schäfer von den Grünen: Noch nie habe NRW so viel Geld in den Ausbau von Betreuungsplätzen und Qualitätssteigerung durch bessere Personalausstattung gesteckt, sagte Familienexpertin Andrea Asch.

In der Tat floss ein Teil des zusätzlichen Geldes – 112 Millionen Euro – im laufenden Kindergartenjahr an die Jugendämter, um Ergänzungskräfte für den U3-Bereich einzustellen. Das Geld reiche für umgerechnet 2800 Vollzeitstellen, erläuterte Schäfer. Um dem aufwachsenden Personalbedarf gerecht zu werden, gebe es für zwei Jahre befristet die Möglichkeit, jeweils 1000 Jahrespraktikanten einzustellen. ▪ DETLEF BURRICHTER

Quelle: wa.de

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