Es geht um Millionen

Kommunen in Sorge wegen Werler FOC - zu Recht?

Eingerahmt von Bundesstraße und Autobahn könnte in Werl das Outlet-Center entstehen.

WERL/HAMM - In Werl geht es um Millionen. Millionen Menschen im Einzugsgebiet sollen künftig Millionen Euro in einem „Factory Outlet Center“ (FOC) zwischen B1 und A445 ausgeben. Wenn es nach der Stadt Werl und ihren Investoren geht. Das sieht man anderswo ganz anders - zum Beispiel in Hamm.

Von Kathrin Bastert

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Fragt man die Gegner des Projektes, allen voran Hamms Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann, der die „Hammer Erklärung“ gegen das in Werl geplante Outlet-Center initiiert hat, dann hätte das FOC massive, nicht wiedergutzumachende Auswirkungen auf den Einzelhandel in der Region. Nicht umsonst mahnen die 22 Unterzeichner der Erklärung den regionalen Konsens an, kritisieren den „Werler Alleingang“ in aller Schärfe. Seit über einem Jahr schon schwelt der interkommunale Konflikt. Dabei steckt die FOC-Planung faktisch noch in den Kinderschuhen.

Und es ist fraglich, ob sie ihnen je entwachsen wird. Denn auch die Landesregierung hat etwas gegen den Bau solcher Zentren. Das war schon früher so. Einst plante die Stadt Ochtrup die Erweiterung seines „Euregio Outlet Centers“ (EOC). Und das Land NRW sagte „Nein“. Dagegen klagte Ochtrup, und bekam Recht. Seit dem 30. August 2012 verkaufen die Markenshops dort auf 11.500 Quadratmetern B- und Überhangware.

Auch rund um Ochtrup hielt sich die Begeisterung für das Projekt in Grenzen. „Ich habe sehr massiv gegen dieses EOC gekämpft“, erinnert sich Engelbert Rauen, Bürgermeister in Ochtrups Nachbargemeinde Wettringen. Der CDU-Politiker ist seit elf Jahren Vorsitzender des Regionalrates bei der Bezirksregierung Münster. Und er warnt: „Mit solchen Zentren können kleine Orte strukturell nicht mithalten.“ Die Auswirkungen stellten sich zwar erst langfristiger ein. „Aber klar ist auch: Wir können das nicht zurückdrehen.“

Ein gutes Dreivierteljahr nach der Neu-Eröffnung des Ochtruper Centers nennt Engelbert Rauen die Effekte für den umliegenden Einzelhandel „nicht dramatisch, aber spürbar“. Die örtlichen Händler hätten ihr Angebot angepasst und versuchten, andere Zielgruppen anzusprechen. Denn soviel scheint klar: Bis in die Innenstädte der Region verirren sich die beachtlichen Ochtruper Besucherströme – das EOC meldete bereits vier Monate nach der Wiedereröffnung den millionsten Besucher – nicht.

„Das schwappt nicht bis zu uns rüber.“ Maria Gleis-Preister winkt entschieden ab. In Gronau, eine gute Viertelstunde Autofahrt entfernt vom Ochtruper Outlet, kommt „nichts an.“ Für die Mitinhaberin einer Parfümerie ist das aber auch kein Wunder: „Man guckt sich das FOC an, und dann geht man wieder.“ Dass es ausschließlich dabei bleibe, weiß sie auch aus Erfahrung vor Ort. Denn ihr Geschäft betreibt eine Filiale in Ochtrup. Da überrascht es zu hören, dass die Geschäftsfrau aus Ochtruper Sicht nur Positives zu berichten weiß: „Dort herrscht regelrechte Goldgräberstimmung.“

Das 20.000-Einwohner-Städtchen habe eben zuvor nicht besonders viel zu bieten gehabt, sagt Gleis-Preister. „Man konnte viele Dinge vielleicht auch nicht kaufen.“ Jetzt sei Bewegung spürbar, „es tut sich was!“ In ihrem konkreten Fall fiel die Entscheidung klar für den Standort Ochtrup – und ein größeres Ladenlokal.

Rechte Freude kommt auch bei Dr. Volker Pannen auf. Der Bürgermeister von Bad Bentheim kann dem FOC in der Nachbarschaft viel abgewinnen. Dank Outlet-Center habe das touristisch geprägte Bad Bentheim seinen Gästen noch mehr zu bieten. Allerdings räumt Pannen ein: „Unsere Situation ist nicht wirklich vergleichbar. Wir hatten und haben weniger zu verlieren. Bad Bentheim war nie eine Einkaufsstadt.“ Der Bentheimer Bürgermeister weiß aber auch, dass nicht allein ein FOC verantwortlich gemacht werden kann, wenn Innenstädte veröden. „Das ist nur ein Teil der Wahrheit. Das Internet spielt eine große Rolle“, sagt Pannen.

Und wahr ist auch: FOC hin oder her – das Interesse von Investoren an der Region westliches Münsterland scheint ungebrochen: Gronau plant ein innerstädtisches Einkaufszentrum, Rheine baut die „Emsgalerie“, auch Steinfurt hat noch einiges vor.

FOC Werl: So ist der Stand der Dinge

Am Donnerstag wird sich der Bau- und Planungsausschuss der Stadt Werl erstmals mit einem Beschluss zu den FOC-Planungen befassen. Am Ende der Sitzung soll die Änderung des Flächennutzungsplans stehen. Die maximale Verkaufsfläche für ein FOC soll demnach auf 13.800 Quadratmeter begrenzt werden – bis zu 18.000 waren im Gespräch.

Parallel dazu wird das FOC-Projekt gegenwärtig gutachterlich durchleuchtet. Die Investoren treten als „JBR Outlet Werl GmbH“ mit Sitz in Frankfurt auf, dahinter steckt die Neinver Gruppe, die bereits mehrere Outlet-Center betreibt (das Bild zeigt Roppenheim). Die für die Umsetzung des Projektes nötigen Grundstücke hat sich Neinver bereits gesichert. Trotzdem bleibt fraglich, ob es je zu einer Genehmigung des Vorhabens kommen kann: Noch vor der Sommerpause soll das NRW-Landeskabinett einen „Sachlichen Teilplan großflächiger Einzelhandel“ beschließen, der die Ansiedlung großer Vorhaben „auf der grünen Wiese“ faktisch unmöglich machen soll. Seit über einem Jahr wird diese landesplanerische Novelle zwar immer wieder verschoben. Doch ist angesichts der neuen Regelungen eine Realisierung des Werler Centers wohl nur nach einer gerichtlichen Auseinandersetzung überhaupt möglich. Sie würde Jahre dauern.

Quelle: wa.de

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