FHs geben NC-Entwarnung für doppelten Abi-Jahrgang

DÜSSELDORF - Für den doppelten Abiturjahrgang sehen sich die Fachhochschulen in NRW gut gerüstet. Sie fürchten aber um ihre Hochschulfreiheit. Die rot-grüne Regierung beansprucht mehr Führung.

Die Absolventen des doppelten Abiturjahrgangs 2013 müssen sich nicht auf einen schärferen Numerus clausus (NC) an den nordrhein-westfälischen Fachhochschulen (FH) einstellen. "Wir haben massiv Kapazitäten aufgebaut bei Personal und Gebäuden", sagte der Sprecher der Fachhochschulkanzler, Heinz-Joachim Henkemeier, am Donnerstag in Düsseldorf.

Allerdings gebe es an den 20 staatlichen und staatlich refinanzierten Fachhochschulen des Landes bereits einen NC auf allen Fächern, sagte der Vorsitzende der FH-Rektorenkonferenz, Prof. Martin Sternberg. Teilweise liege er allerdings bloß bei einer Abiturnote von 3,8 und sei tatsächlich keine Zulassungsbeschränkung. Das Instrument sei dennoch nötig, um den Studierenden angemessene Bedingungen gewährleisten zu können.

Die Fachhochschulen sehen sich zwar gerüstet für den doppelten Abiturjahrgang, beklagen aber eine mangelnde Anpassung der staatlichen Grundfinanzierung und fürchten um ihre Autonomie. Die geplante Hochschulnovelle der rot-grünen Landesregierung ist aus ihrer Sicht ein Rückfall in die 80er Jahre. Sie befürchten eine überzogene staatliche Detailsteuerung in der Personal- und Wirtschaftsführung der Hochschulen. Wichtige strategische Weichenstellungen fehlten hingegen, kritisierte Sternberg.

Er forderte eine gesetzliche Öffnungsklausel, um neue Kooperationsformen zwischen Fachhochschulen und Universitäten, aber auch neue Hochschultypen zu erproben. Denkbar seien etwa grenzüberschreitende, binationale Hochschulen. Das neue Gesetz soll 2014 in Kraft treten.

Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) betonte in einer Mitteilung, die Eckpunkte der Novelle seien "ein Angebot, über notwendige Änderungen zu sprechen, um zu einem für alle Beteiligten befriedigenden Ergebnis zu kommen". Die Vizevorsitzende der FDP-Landtagsfraktion, Angela Freimuth, empfahl der Ministerin: "Frau Schulze sollte auf die Hochschulen hören und die Finger von der Hochschulfreiheit lassen." Das seit 2007 gültige Hochschulfreiheitsgesetz wurde unter dem damaligen Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) entwickelt.

Die Fachhochschulen wehrten sich gegen den Eindruck, es gebe ein Defizit an staatlichen Steuerungsinstrumenten und dadurch drohe ein "Blindflug" bei der Planung des Studienangebots und der Mittelverwendung. Tatsächlich gebe es eine große Prüfungsdichte - vom Wirtschaftsplan über den testierten Jahresabschluss bis zu zahlreichen einzelnen Verwendungsnachweispflichten, erläuterte Henkemeier. Diese Informationen an das Ministerium kämen aber offenbar beim Parlament nicht an.

Auch das Argument der Regierung, dass eine engere Führung der Hochschulen nötig sei, um ein ausreichendes Fächerangebot zu garantieren, überzeuge nicht. Bislang habe die Regierung ihre gesetzliche Pflicht zur Formulierung politisch-strategischer Ziele nicht wahrgenommen. Eine Feinsteuerung sei aber über die Zielvereinbarungen zwischen Land und Hochschulen vorgenommen worden - teils wirkungsvoll, teils unterhalb der Möglichkeiten.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) beklagte eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen an den Hochschulen. Acht von zehn Wissenschaftlern seien befristet beschäftigt, davon die Hälfte mit Vertragslaufzeiten unter einem Jahr, kritisierte der Landesvorsitzende Andreas Meyer-Lauber in einer Mitteilung. "Die Beschäftigten klagen über horrende Überstunden, Arbeitsverdichtung und hohen Druck." Daher sei es unumgänglich, wieder gesetzliche Rahmenbedingungen für den Personalbereich festzuschreiben. - lnw

Quelle: wa.de

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