Fachärzte sind in NRW Mangelware - Krankenhäuser sollen einspringen

DÜSSELDORF/BERLIN - Überlange Wartezeiten für Kassenpatienten auf Termine in Facharztpraxen sollen verringert werden. Kassenvertreter und Patientenschützer unterstützen Montag die Überlegung von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), bei zu langen Wartezeiten die Vergütung der Vertragsärzte zu kürzen.

Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery hält davon nichts: „Die Versorgung der Patienten wird doch nicht dadurch besser, dass den Ärzten auch noch die Honorare gekürzt werden“ Verbesserungen werde es nur bei mehr Geld für die Ärzte geben. Ärztemangel, eine völlig veraltete Bedarfsplanung und die steigende Morbidität in der Bevölkerung seien die Gründe für volle Wartezimmer, sagte der Vorsitzende des Hartmannbundes, Kuno Winn. ´

Einen falschen Ansatz bemängelt auch NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne): Unzumutbare Wartezeiten lägen auch an unzureichenden Versorgungsstrukturen. Krankenkassen müssten eine Facharztbehandlung im Notfall auch im Krankenhaus organisieren können. NRW wolle dieses Anliegen über den Bundesrat einbringen. Steffens forderte auch eine bundesweit einheitliche Vergütung; Ärzte in NRW seien benachteiligt. In dem neuen Gesetz soll festgelegt werden, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen die ambulante ärztliche Versorgung „angemessen und zeitnah“ sicherstellen müssen. Dazu müssten Krankenkassen und Ärzte aushandeln, was „zeitnah“ bedeutet. Außerdem sollten sie über mögliche Strafen für Ärzte entscheiden.

Für die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe geht die Forderung nach Honorarkürzungen an der Realität vorbei. In Westfalen-Lippe sei die ambulante Versorgung unterfinanziert, sagte KV-Sprecher Christopher Schneider unserer Zeitung. Die Jahrespauschale pro Patient liege deutlich unter dem Bundesschnitt. Das sei der Grund dafür, dass sich junge Fachärzte lieber in Niedersachsen oder Rheinland-Pfalz niederließen und nicht in NRW. Dort gebe es für sie wegen der höheren Patientenpauschale bessere Verdienstaussichten.

NRW-Gesundheitsministerin Steffens hat Lücken insbesondere in der psychotherapeutischen, geriatrischen und neurologischen Versorgung in NRW ausgemacht. Die Bedarfsplanung müsse dringend korrigiert werden. Auch sollten ambulante und stationäre Angebote stärker miteinander verschränkt werden. - epd/dfb

Quelle: wa.de

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