Ex-BVB-Chef Niebaum verliert Zulassung als Anwalt

HAMM - Millionenschulden, Ruf ruiniert und jetzt auch noch der berufliche Tiefschlag: Der ehemalige Präsident des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund, Dr. Gerd Niebaum, steht vor den Trümmern seiner beruflichen Existenz.

Von Holger Drechsel

Mitte Februar war dem ehemaligen Notar und Rechtsanwalt die Anwaltszulassung entzogen worden. Grund: „angenommener Vermögensverfall“ (siehe Info). Am Freitag scheiterte Niebaum mit einer Klage gegen diese Entscheidung am Anwaltsgerichtshof NRW in Hamm. Seine letzte Chance ist nun ein Antrag auf Zulassung der Berufung am Bundesgerichtshof. Es ist noch keine 15 Jahre her, dass Niebaum sich auf dem Gipfel des Erfolges sonnte. Der Anwalt und Notar machte glänzende Geschäfte in seiner noblen Kanzlei an der Dortmunder B 1 – und seine Borussia hatte sich an die Spitze Europas gekickt. Der Absturz, der folgte, war beispiellos.

Das maßlos überteuerte Kartenhaus BVB, von Niebaum und seinem Manager Michael Meier aufgebaut, brach in sich zusammen und entging nur haarscharf der Pleite. Die Wege des Vereins und seines Präsidenten trennten sich. Doch während es für den BVB wieder aufwärts ging, hielt die Talfahrt des Dr. N. an. Wie prekär die Lage mittlerweile ist, wurde am Freitag am Anwaltsgerichshof, angesiedelt im Hammer Oberlandesgericht, deutlich.

Niebaum hatte sich Ende der 90er Jahre bei Immobilienkäufen in Ostdeutschland schwer verhoben. Immer häufiger, so skizzierte es der Vorsitzende Richter Dr. Günther Hopfgarten, konnte Niebaum finanzielle Forderungen nicht bedienen. Seit 2006 habe es immer wieder Prozesse und Zwangsvollstreckungen gegeben. Zuletzt hatte auch noch die Staatsanwaltschaft Dortmund Anfang Mai Anklage gegen Niebaum erhoben wegen des Verdachts der Untreue und des Betruges. Niebaums Anwalt Dr. Mario Nöll räumte ein, dass der Ex-BVB-Boss zwischenzeitlich bis zu sechs Millionen Euro Schulden gehabt habe.

Allein die Kanzlei habe in Spitzenzeiten bis zu drei Millionen Euro im Jahr gekostet. Aktuell habe man die Verbindlichkeiten auf etwa die Hälfte reduzieren können – „ein beispielloser Kraftakt“, wie Nöll sagte. Gelder seien aus dem engsten Freundes- und Familienkreis gekommen, erst vor wenigen Tagen hätten Niebaums Kinder noch Geld zugeschossen. Man habe, so Nöll, einen erfolgversprechenden Sanierungsplan gehabt, dieser sei nun aber durch das Strafverfahren gegen Niebaum ins Wanken geraten.

Seiner Bitte um einen zeitlichen Aufschub des Verfahrens um den Zulassungsentzug entsprach das Gericht allerdings nicht. Seit Monaten schon habe Niebaum Gelegenheit gehabt, seine Vermögensverhältnisse offenzulegen – passiert sei das nicht, so Richter Hopfgarten: „Wir stochern hier immer noch mit der Stange im Nebel herum.“ Wie es mit Niebaums Kanzlei nun weitergeht, ist offen: Der Internetauftritt war am Freitagnachmittag nicht mehr erreichbar. Grund: Umbauarbeiten.

Info Vermögensverfall: Die Rechtsanwaltskammer Hamm hatte Dr. Gerd Niebaums Zulassung als Anwalt wegen „angenommenem Vermögensverfall“ widerrufen. Von Vermögensverfall spricht man, wenn der Anwalt in ungeordnete, schlechte finanzielle Verhältnisse geraten ist, die er in absehbarer Zeit nicht ordnen kann, und er außerstande ist, seinen Verpflichtungen nachzukommen.

Quelle: wa.de

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