Ex-Bergmänner vermarkten Ruhrpott

Schwarzes Gold zum Trinken und eine Prise Revier-Erotik

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Ein Ruhrpottmädchen-Shirt, "Kohla" und eine Ruhrpott-Kappe, entworfen von den Ex-Bergmännern Maik Wittkowski und Markus Bittscheidt, liegen im Bahnhofkiosk in Recklinghausen auf einem Tisch.

RECKLINGHAUSEN - Süße Limonade statt harter Maloche unter Tage: Zwei Ex-Bergmänner aus Oer-Erkenschwick bringen ihre Liebe zur Heimat als lokalpatriotische Cola und bunt bedruckte Shirts unter das Volk.

Im ersten Berufsleben bauten Maik Wittkowski und Markus Bittscheidt unter Tage Kohle ab. Als Ex-Bergmänner bringen sie heute schwarzes Gold in Flaschen unter die Lokalpatrioten: Vor zwei Jahren entwickelten sie die Rezeptur für die Limonade, die anfangs noch Ruhrpott-Cola hieß. Die nächste Lieferung trägt ein neues Etikett: Kohla - "Dat passt doch viel besser zu uns Ex-Bergmännern", sagt Wittkowski in breitem Ruhrdialekt.

Die beiden Ex-Bergmänner Maik Wittkowski (links) und Markus Bittscheidt erzählen in ihrem Kiosk in Recklinghausen von ihrem Leben als Bergleute und Ruhrpott-Vermarktern.

Beide sind gelernte Bergmechaniker und haben für die Ruhrkohle AG gearbeitet, bis es dort für sie in den 90er Jahren keine Jobs mehr gab. "Das ist so, als wäre es gestern gewesen" - seine Zeit auf dem Bergwerk Haardt in Oer-Erkenschwick werde er nie vergessen, sagt der 40-jährige Wittkowski. Er hat umgeschult, arbeitet heute im Vertrieb einer norddeutschen Firma. Sein 48 Jahre alter Kumpel Bittscheidt hat nach 19 Jahren auf dem Pütt einen Kiosk in Recklinghausen am Bahnhof übernommen.

Ein Ruhrpottmädchen-Shirt hat im Bahnhofkiosk Kiosk in Recklinghausen eine Schaufensterpuppe an.

Die Idee zur Limonade für Lokalpatrioten verstehen sie als Würdigung des Bergbaus und der Region. "Aus Liebe zum Pott" lautet der geschützte Slogan für ihre Geschäftsidee. Diese Heimatliebe vermarkten die beiden Freunde aus Kindertagen nebenberuflich seit etwa drei Jahren. "Es gibt immer noch Menschen, die denken, hier ist alles grau und aus Beton. Geh' doch mal auf 'nen Förderturm, dann siehste wie grün dat hier is", sagt Bittscheidt bei einer Flasche Kohla in seinem Kiosk.

Ein Ruhrpottmädchen-Shirt, "Kohla" und eine Ruhrpott-Kappe, entworfen von den Ex-Bergmännern Maik Wittkowski und Markus Bittscheidt, liegen im Bahnhofkiosk in Recklinghausen auf einem Tisch.

Mit bedruckten T-Shirts fing es an. "Wir dachten uns, es gibt doch so viele ehemalige Kumpel in der Region", sagt Wittkowski, "denen wollen wir etwas zurückgeben". Auf einer Kleiderstange vor Bittscheidts Bahnhofskiosk platzierten sie Shirts mit dem Logo "Ex-Bergmann". Sie waren rasch ausverkauft. Den beiden Freunden aus Oer-Erkenschwick wurde klar: "Heute sind die Leute stolz aus dem Pott zu kommen und wollen das auch nach außen tragen."

"Kohla"-Flaschen stehen in einem Kiosk in Recklinghausen auf einem Tisch.

Sie tüftelten an neuen Logos und Schriftzügen: Brad Pütt, Pütty Woman, Ruhrpottjunge und Ruhrpottmädchen gehören heute zu den Motiven auf Oberteilen und Tassen. Auch die moderne Grubenlampe haben sie für ihr Sortiment entwickelt: Den Schirm einer Baseballkappe ziert eine Leiste aus LED-Lichtern.

Wittkowski und Bittscheidt sind mit ihren Revier-Souveniers nicht alleine. Von der schwarzen Seife für Ruhrpottkumpel, einem Förderturm als Windlicht und der Umhängetasche mit Wanne-Eickel-Aufschrift - viele findige Gestalter haben erkannt, dass sich das Ruhrgebiet gut verkaufen lässt. Wittkowski und Bittscheidt bestehen aber darauf, dass ihr Vertrieb mehr sei, als eine clevere Geschäftsidee: "Wir leben das auch", sagt Wittkowski.

Der Exbergmann und jetzige Kioskbesitzer Markus Bittscheidt präsentiert in seinem Kiosk in Recklinghausen eine Kappe mit LED-Licht und Ruhrpott-Shirts.

Bittscheidt ist eingefleischter Schalke-Fan, Wittkowski unterstützt den Erzrivalen Borussia Dortmund. Auf ihre Freundschaft lassen die beiden nichts kommen. Sie sind überzeugt, dass es die Arbeit auf der Zeche war, die sie geprägt hat: "Ehrlichkeit, Kameradschaft, Hilfsbereitschaft, Verlässlichkeit. Diese Werte haben wir in dieser Zeit mitgekriegt."

Mit ihrem T-Shirt- und Kohla-Vertrieb wollen sie so lange weiter machen, bis es keinen Spaß mehr macht. "Das ganze ist schließlich aus reinem Spaß entstanden, wenn der irgendwann weg ist, würde uns ja auch nichts Neues mehr einfallen", sagt Bittscheidt. - lnw

Quelle: wa.de

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