Erzbistum Paderborn entschädigt Missbrauchsopfer

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Andreas Schwenzer will, dass Kirche wieder ein Schutzraum wird.

PADERBORN - Das Erzbistum Paderborn hat bislang 130 000 Euro an Missbrauchsopfer ausgezahlt. Insgesamt seien 43 Anträge auf Entschädigung eingegangen, teilte das Erzbistum mit. Es habe 16 Auszahlungen von Summen zwischen 1000 und 8000 Euro gegeben. Zwei Anträge wurden abgelehnt.

Die Beschreibung der Vorgänge sei wenig plausibel und nicht auf Namen überprüfbar gewesen, hieß es.

Der Skandal um jahrzehntelangen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in katholischen Einrichtungen hatte die Kirche im vergangenen Jahr erschüttert. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte darum am 2. März beschlossen, jedem minderjährigen Opfer bis zu 5000 Euro Entschädigung zu zahlen und Therapiekosten zu übernehmen. Darüber hinausgehende Summen wurden bei schweren oder mehrmaligen Übergriffen gezahlt, teilte das Erzbistum mit.

Seit Februar 2010 seien im Erzbistum Paderborn Hinweise und Missbrauchsvorwürfe gegen 54 Priester bekannt geworden. Insgesamt wurden 84 Opfer benannt oder haben sich gemeldet. Über 80 Prozent der Hinweise beziehen sich auf die Jahre 1950 bis 1980.

Von den Beschuldigten sind 34 gestorben, sechs gehören einem Orden an, fünf waren nicht zu ermitteln. In fünf Fällen wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Alle Verfahren wurden eingestellt.

Um zu verhindern, dass sich all jene Katastrophen der Vergangenheit wiederholen, stellte das Erzbistum Paderborn den Präventionsbeauftragten Andreas Schwenzer ein. Der Theologe und Vater einer Zehnjährigen steht vor einem Berg von Arbeit: „Meine Aufgabe ist, ein Konzept zu erstellen, wie im ganzen Erzbistum Paderborn eine neue Achtsamkeit eingeübt werden kann. Dabei geht es auch um ein Fortbildungskonzept für Haupt- und Ehrenamtliche, insgesamt rund 100 000 Menschen.“ Der 46-Jährige betont, es sei nicht sein Anliegen, den Ruf der Kirche zu retten. Kirche solle aber wieder zu einem Schutzraum werden. So räumt er ein, sowohl der Kirche als auch der Gesellschaft sei die Wahrnehmung entglitten, wo Kinder und Jugendliche missbraucht werden. „Wir haben nicht genug hingehört“, gesteht er. Ein Teil der Prävention müsse es sein, entsprechend veranlagte Menschen – also mögliche Täter – schon vor einem Übergriff anzusprechen. - dpa

Quelle: wa.de

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