Energiekonzerne wetteifern um Erdgasvorkommen: Neuer Claim in Westfalen vergeben

WESTFALEN ▪ Bei Energieerzeugern herrscht Goldgräberstimmung. Sie wollen große Mengen unkonventioneller Erdgasvorkommen erschließen, die sie in Westfalen vermuten. Dienstag sickerte durch, dass sich ein kanadisches Unternehmen ein Förderfeld gesichert hat, dass die Soester Börde, Teile des Sauerlandes und des Kreis Unna erfasst.

Von Detlef Burrichter

Doch die Fördermethoden sind hochumstritten, weil dazu giftige Chemikalien ins Erdreich gepresst werden müssen. Im Landtag zeichnet sich deshalb ein großer Konsens gegen die Fracking genannte Fördermethode ab.

Mitten in diese Gemengelage platzte gestern die Nachricht, dass sich das kanadische Unternehmen BNK Petroleum ein weiteres Förderfeld gesichert hat. Bei dem Claim handelt es sich um ein 2003 Quadratkilometer großes Areal, das nahezu die gesamte Soester Börde sowie Teile des Hochsauerlandkreises und des Kreises Unna erfasst. Die deutsche Tochter von BNK aus Frankfurt am Main stellte einen Antrag zur Aufsuchung des Rohstoffs für das „Falke-South“ genannte Feld, teilte die Bezirksregierung Arnsberg gestern mit.

Bisher wurde bereits für 20 Felder die Erlaubnis zur Aufsuchung erteilt. Zehn Anträge liegen noch bei der Bezirksregierung. Davon sind bislang nur zwei – die Felder „WeselGas“ und „Donar“ – im vorgeschriebenen Beteiligungsverfahren

Aber auch die Unternehmen, die bereits eine Erlaubnis zur Aufsuchung erhalten haben, können damit noch keine Erkundungsbohrungen niederbringen. Dafür seien gesonderte Anträge erforderlich, sagte ein Behördensprecher. Derzeit liege landesweit nur ein einziger solcher Antrag für den Bereich Nordwalde im Kreis Steinfurt vor. Doch der liegt auf Eis. Die rot-grüne Landesregierung will ein Gutachten abwarten, das die Gefährdung des Grundwassers und des Bodens durch die umstrittene Fracking-Methode untersucht.

Im Landtag zeichnet sich unterdessen eine fraktionsübergreifende große Koalition gegen das konventionelle Fracking ab. „Fracking ist eine Methode der Erdgaserkundung und -förderung, die wir ablehnen“, sagte CDU-Landtagsfraktionsvorsitzender Karl-Josef Laumann gestern. „Toxische Stoffe gehören nicht in den Boden und das Wasser dicht besiedelter und landwirtschaftlich geprägter Regionen.“ Insbesondere dort, wo das Trinkwasser aus dem Grundwasser gewonnen wird, sei Fracking mit Hilfe von giftigen Chemikalien unverantwortlich. Das müsse aber nicht zwangsläufig auf ein generelles Verbot der Erschließung unkonventioneller Erdgasvorkommen hinauslaufen. Interessierte Firmen müssten eben umweltschonende Methoden entwickeln, meinte Laumann. Der Schutz des Grundwassers müsse allererste Priorität haben, sagte auch der münsterländische FDP-Abgeordnete Stefan Romberg.

So sehen das auch Vertreter der Regierungsfraktionen: Die Herausforderung bestehe darin, umweltschonende Verfahren zu entwickeln, die die Gasgewinnung ohne Giftcocktail ermöglichen, sagte Marc Herter, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion. Auf diesem Weg seien die Stadtwerke Hamm schon lange unterwegs, sagte Herter, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Hamm ist. Das lokale Energieversorgungsunternehmen hat sich gemeinsam mit Partnern Abbaurechte für unkonventionelle Gasvorkommen in der Region gesichert.

Auch Grünen-Umweltexpertin Wibke Brems will kein generelles Verbot von Fracking. Der Einsatz von Chemikalien und Diesel gehöre aber verboten. Außerdem sollen wassserrechtliche Genehmigungen vorgeschrieben werden.

Quelle: wa.de

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