Stilllegung angemeldet: Enervie-Konzern in der Klemme

HAGEN - Das südwestfälische Energieunternehmen Enervie  hat bei der Bundesnetzagentur ihren kompletten konventionellen Kraftwerkspark mit rund 1300 Megawatt Gesamtleistung zur Stilllegung angemeldet.

Die Entscheidung betrifft vor allem die Standorte Werdohl-Elverlingsen und Hagen. Grund für die Entscheidung sei "die derzeitige massive Fehlsteuerung der Energiemärkte, die einen wirtschaftlichen Betrieb konventioneller Steinkohle- und Gaskraftwerke nicht zulässt", so Enervie. Wegen der starken Subventionierung von Strom aus Wind und Sonne seien die üblichen Marktgesetze außer Kraft.

Enervie-Technik-Vorstand Erik Höhne: "Aktuell sehen wir keine Signale, die kurzfristig Abhilfe verschaffen." Envervie-Vorstandschef Ivo Grünhagen spricht in diesem Zusammenhang von "marktgetriebenen Verlusten", die derzeit mehr als 30 Millionen Euro betragen, Tendenz steigend.

Das Unternehmen verweist gleichzeitig auf die Insellage des eigenen Netzes. Käme es tatsächlich zur Stillung der Kraftwerke, sei die Netzstabilität in Südwestfalen "massiv" gefährdet.

Auch andere Energieversorger kommen wegen der mangelnden Auslastung ihrer Kapazitäten zunehmend in Schwierigkeiten. Das Stadtwerkebündnis Trianel rechnet schon vor der Inbetriebnahme seines 1,4 Milliarden Euro teuren neuen Kohlekraftwerks in Lünen damit, dass die Anlage im kommenden Jahr knapp 100 Millionen Euro einfahren wird.

Obwohl der Ökostrom bereits einen Anteil am Stromverbrauch von 25 Prozent habe, laufe die Förderung ungebremst weiter, klagte jüngst Trianel-Chef Sven Becker. „Auch fossile Kraftwerke müssen ihr Geld verdienen können.“ In Hamm betreibt Trianel zudem seit 2007 ein hochmodernes Gaskrakraftwerk, das 2014 ebenfalls in die roten Zahlen zu fallen droht.

Ähnliche Risiken kommen auf das neue Kohlekraftwerk in Hamm-Uentrop zu, das RWE zusammen mit 23 Stadtwerke-Partnern für rund 2,4 Milliarden Euro baut. Eine der kommunalen Gesellschafter haben schon Millionenrückstellungen für drohende Verluste gebildet. - eB/jod

Lesen Sie einen ausführlicheren Bericht hier.

Quelle: wa.de

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