Empörung über Entscheidung zu schwulen Königspaaren

LESERKUSEN/MÜNSTER - Ein Königspaar darf nicht aus zwei Schwulen bestehen - so sehen es die Schützen. Die, die es betrifft, finden das Verbot "peinlich" und "hinterwäldlerisch". Sie wollen daran rütteln.

Lesben und Schwule reagieren empört auf die Entscheidung des zweitgrößten deutschen Schützenbundes, homosexuelle Königspaare zu verbieten. "Das ist außerordentlich bedauerlich und auch peinlich", sagte eine Sprecherin des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland (LSVD) am Montag in Berlin der Deutschen Presse-Agentur. "Der Schützenbund agiert ohne Respekt und gibt die ältesten Vorurteile zum Besten."

Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) hatte am Sonntag beim Verbandstag mit 450 Stimmen bei 28 Gegenstimmen entschieden, dass schwule Schützenkönige bei Umzügen nicht mehr direkt neben ihrem Lebenspartner auftreten sollen. Der Verband hatte das mit seiner katholischen Tradition begründet. Damit setze der Verein Tradition mit Homophobie gleich, sagte die LSVD-Sprecherin.

Auch der bekennende Schwule Volker Beck, Parlamentarischer Geschäftsführer und menschenrechtspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, kritisierte das Votum der Schützen. "Der Beschluss (...) ist hinterwäldlerisch und gehört historisch gesehen auf den Misthaufen der Geschichte", sagte Beck einer Mitteilung zufolge.

Beck forderte die Antidiskriminierungsstelle des Bundes auf, das Verbot zu prüfen. Er argumentierte: "Der Verein wird nicht von der katholischen Kirche getragen, also gilt für ihn das ganz normale Antidiskriminierungsrecht." Auch der LSVD sieht in der Entscheidung einen Verstoß gegen die Bestimmungen im Gleichbehandlungsgesetz.

Den Streit um Schwule auf dem Schützenthron hatte der Münsteraner Dirk Winter ausgelöst. Als er im Juni 2011 den Vogel abschoss, hatte er statt einer Königin seinen Lebenspartner als Begleiter auserkoren. Schützen aus Paderborn und Münster gingen dagegen auf die Barrikaden und stellten den Antrag, homosexuelle Königspaare zu verbieten.

Nun ist es dem Partner eines schwulen Königs nur noch erlaubt, bei Umzügen in der zweiten Reihe zu gehen. "Das ist auch ein Schlag ins Gesicht gegenüber Herrn Winter, der jede Form von Kompromiss gesucht hat und sehr verständnisvoll war", sagte die LSVD-Sprecherin. ""Schwul sein gern, schwul leben nein!" - das ist die Quintessenz der Schützenbrüder", kommentierte Grünen-Sprecher Beck. "Damit wollen sie eine Scheinrealität aufrechterhalten, in der Schwule stumm und möglichst unsichtbar bleiben sollen." - lnw

Quelle: wa.de

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