Eisiges Schweigen für Opels Ausstiegspläne in Bochum

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IG-Metall-Bezirksleiter Knut Giesler, sein Stellvertreter Wolfgang Nettelstroth und Opel-Personalvorstand Ulrich Schumacher (von links) gaben im Anschluss an eine Betriebsversammlung  in der Dortmunder Westfalenhalle Pressestatements.

DORTMUND/BOCHUM - Eisiges Schweigen im Saal und böse Worte auch über die eigene Gewerkschaft IG Metall hinterher vor der Tür - so haben viele der 3300 Opel-Mitarbeiter am Montag auf die Präsentation des Sozialtarifvertrages für die Werksschließung Ende 2014 reagiert.

Nach der Einigung zahlt Opel 552 Millionen Euro unter anderem für Abfindungen und eine maximal dreijährige Jobbörse. Hinzu kommen 60 Millionen Euro für Ersatzarbeitsplätze. 700 Stellen im Opel-Warenverteilzentrum in Bochum werden bis 2020 garantiert.

Er sei fest davon überzeugt, dass damit sozialverträgliche Lösungen gefunden seien, sagte Opel-Personalvorstand Ulrich Schumacher. Das Ergebnis liege deutlich über vergleichbaren Abschlüssen in der Industrie, sagte der NRW-Chef der IG Metall, Knut Giesler.

Dennoch habe er natürlich Verständnis für die deprimierte und niedergeschlagene Stimmung bei der Versammlung. Viele Mitarbeiter hätten das Aus für Bochum erst mit der Sitzung wirklich realisiert. Der Sozialtarifvertrag soll bis Ende der Woche unterschrieben werden.

Eine erneute Abstimmungsmöglichkeit für die Belegschaft werde es nicht mehr geben, sagte Giesler. 2013 hatte die Bochumer Belegschaft mit großer Mehrheit ein Tarifvertragsangebot von Opel abgelehnt, das im Gegenzug für die Schließung noch umfassendere Leistungen vorsah als sie jetzt vereinbart wurden.

Nach Berechnungen der IG Metall erhält mit der Einigung jeder Mitarbeiter im Schnitt 125.000 Euro Abfindung. Hinzu kommen die Kosten für die Transfergesellschaft zur Weitervermittlung und Qualifizierung der Opelaner. Insgesamt lägen die Leistungen von Opel damit bei durchschnittlich 170.000 Euro pro Mitarbeiter und damit deutlich höher als bei der Schließung des Opel-Werkes in Antwerpen Ende 2010 (140.000 Euro), sagte Giesler der dpa.

Mitarbeiter machten eine andere Rechnung auf: "Die Abfindungen reichen nicht lange - ich fühle mich von meiner IG Metall verraten", sagte etwa Opel-Mitarbeiter Hans-Peter Buxinski. Der 49 Jahre alte, gelernte Schlosser ist seit 26 Jahren bei Opel und sieht sich nun vor einer ungewissen Zukunft.

"Die können doch keine 3000 Altenpfleger umschulen." "Selbst wenn man 150.000 cash ohne Abzüge kriegen würde, reicht das doch niemals bis zur Rente", sagte Ziya Karaca (49). "Das wird ein schwerer Schlag für die ganze Region." Die Abfindung muss versteuert werden.

Das Bochumer Opelwerk produziert vor allem den Familienvan Zafira. Die Produktion wechselt nach Rüsselsheim, was weitere hohe Kosten verursacht. In der Ruhrgebietsstadt bleibt neben den 700 Jobs im europaweiten Opel-Ersatzteilzentrum das riesige innenstadtnahe Werksgelände von rund 1,7 Millionen Quadratmetern - so viel wie 250 Fußballfelder. Die Suche nach neuen Nutzern hat bereits begonnen. - dpa

Quelle: wa.de

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