Retouren, Retouren: Onlineeinkauf nimmt in Walstedde stetig zu

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Bernhard Remmert vor dem Container, der um 16 Uhr bereits voller Pakete ist, die am Abend vom Deutschen Paket Dienst abgeholt werden.

Walstedde - Das Internet erobert den Einzelhandel. In Walstedde gibt es mit der Reiseagentur von Karin Winterink und dem Frischmarkt von Bernhard Remmert gleich zwei Stellen, an denen Kunden ihre Pakete aufgeben können.

Niemand bekommt den Wandel so zu spüren wie die Unternehmen, die auf die eine oder andere Weise in den Transport der bestellten Ware involviert sind. Im Lambertusdorf gibt es mit der Reiseagentur von Karin Winterink und dem Frischmarkt von Bernhard Remmert gleich zwei Stellen, an denen Kunden ihre Pakete aufgeben können.

Karin Winterink betreibt ihr Reisebüro seit elf Jahren, ebenso lange beherbergt sie in ihrem Laden einen Hermes-Paket-Shop. Kunden können ihre Pakete dorthin liefern lassen oder ihre Waren dort aufgeben. 250 bis 300 Pakete werden im Monat verschickt. „Am Anfang waren es weniger, schleichend wurden es mehr und mehr“, sagt sie.

Karin Winterink betreibt in ihrem Reisebüro einen Hermes-Paket-Shop.

Mittlerweile, so schätzt Winterink, sind 80 Prozent der Pakete Retourware. Viele Menschen bestellten Ware gleich doppelt, dann geht völlig geplant ein Paket zurück, berichtet sie. Und das sei nicht immer nur Kleidung. Erst vor wenigen Tagen habe der Hermes-Fahrer von einer Lieferung von drei großen Fernsehern an einen Kunden erzählt, der natürlich nur einen Fernseher behalten wollte. Karin Winterink kann das nicht verstehen. „Die Menschen sollten mit Verstand bestellen und sich vorab informieren“, für die Umwelt sei das sicher nicht gut.

Zudem sehe sie eine ungesunde Wechselwirkung. „Der Kunde kauft im Internet, weil der Handel zu wenig Angebot hat, während das Angebot heruntergeschraubt wird, weil die Nachfrage nicht stimmt“, fasst sie zusammen. Es dauere nicht mehr lange, und es werden auch Lebensmittel im Internet bestellt, glaubt sie.

Verständnis für die Online-Besteller

Im Großen und Ganzen stimmt Bernhard Remmert der Reisebürokauffrau zu. „90 Prozent der Pakete meiner Poststation sind Retoure“, berichtet er. Der 66-Jährige kann seine Kundschaft aber sehr gut verstehen. „Ich kaufe selber im Internet.“ Bequemer geht es nicht, gibt er zu. Die Ware würde nach Hause oder an seine Poststelle geliefert. Der Kunde könne sie problemlos abholen. Parkplätze sind vor der Tür. Anders sei es in den Städten, vor dem Einkaufen stehe die oft quälende Suche nach einem geeigneten Parkplatz.

Ihn wundere es nicht, dass sich viele für den leichteren Weg entscheiden. Zudem gebe es auch Geschäfte mit einem Onlineshop, die verstärkten die Paketfrequenz. 30 bis 40 Pakete wandern täglich über seine Theke, Tendenz steigend. „Das war ein schleichender Prozess“, sagt auch er, der seit zehn Jahren die Poststelle inne hat.

Keine Zukunft für Lebensmittel-Pakete?

Dass demnächst auch Lebensmittel verschickt werden, glaubt er nicht. „Der Kunde will sehen, was er isst“, so seine Überzeugung, hinzu käme die Frage der Haltbarkeit. Was das Internet heute für den klassischen Einzelhandel ist, war der K+K für Bernhard Remmerts kleinen Frischmarkt.

Doch der Walstedder hat sich ein zweites Standbein aufgebaut. Getränke auf Kommission, er vermietet Kühlung, Zapfanlage, Stühle, Theken, Tische, Bänke und das Wichtigste: „Kundenkulanz“. „Das gibt es im großen Einkaufscenter nicht“, sagt er.

Beiden, dem Hermes-Shop und der Poststelle, steht bald die schwerste Zeit im Jahr bevor, denn, so Karin Winterink: „Zur Weihnachtszeit kommen ohnehin schon mehr Pakete.“ Über eines ist sich die Reisebüro-Leiterin im Klaren – zurückgedreht wird das Rad nicht mehr.

Quelle: wa.de

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