16 Jahre nach Totschlag: Ehemann vor Gericht

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Der Angeklagte Hans-Werner U. wird am  im Landgericht in Bonn von einem Justizbeamten zur Anklagebank geführt.

BONN - 16 Jahre nach dem Verschwinden einer Arzthelferin gesteht der damalige Ehemann, die Frau umgebracht zu haben. Vor dem Bonner Schwurgericht entschuldigt er sich bei der Familie für das, was er ihr angetan hat.

"Ich hatte die Kontrolle über mich verloren", sagte der 57 Jahre alte Angeklagte am Montag vor dem Bonner Schwurgericht. Vor 16 Jahren hatte er seine Ehefrau mit einem Kissen erstickt und anschließend in einem Wald bei Honnef verscharrt. Bis Anfang des Jahres galt die Arzthelferin aus Rheinbach als vermisst.

Als ihre Familie sie für tot erklären lassen wollte, wurde der längst zu den Akten gelegte Fall nach Recherchen der Presse erneut aufgerollt. Wenige Wochen später war er gelöst. Der damalige Ehemann legte bei der Vernehmung ein Geständnis ab, das er am Montag vor dem Landgericht wiederholte. Nun droht ihm eine Verurteilung wegen Totschlags.

Im Schlafzimmer habe es an jenem 20. März 1996 einen handfesten Streit gegeben, bei dem sie sich beide alte Liebschaften vorgeworfen hätten, sagte der Angeklagte. Damals habe er nur gewollt, dass seine Frau aufhöre zu schreien und um sich zu schlagen. "Als es unter dem Kissen ruhig geworden ist und ich es wegnahm, war sie bereits tot."

Anschließend habe er die Leiche in zwei Mülltüten gewickelt, sie in einen Teppich gerollt und seine tote Frau im Kofferraum auf die andere Rheinseite zu einem Wald in Bad Honnef gefahren und verscharrt.

Dann habe er die 41-Jährige als vermisst gemeldet. Später habe er den Beamten erzählt, sie habe sich aus dem Ausland gemeldet, es ginge ihr gut. Auch streute er das Gerücht, dass sie mit einem reichen portugiesischen Geschäftsmann abgehauen sei. Die Kripo schloss damals ohne weiteres die Vermisstenakte.

Auch als vier Monate später im Juli 1996 die stark verweste Leiche der Frau gefunden wurde, belog der Mann die Beamten - und die vertrauten ihm. Seine Frau trage eine andere Konfektionsgröße, auch habe sie bessere Zähne. Einen Zahnarzt konnte oder wollte er allerdings nicht benennen.

Der Angeklagte habe nach dem Geschehen versucht, eine normale biedere Fassade aufzubauen, sagte sein Verteidiger zum Prozessauftakt. Er habe weiter als Physiotherapeut gearbeitet, nach der Tat noch zwei Mal geheiratet, zwei Kinder bekommen. Mit dem, was am 20. März 1996 geschah, sei er dennoch nie fertig geworden. "Es hat in ihm immer weitergebrodelt."

Unter Tränen entschuldigte sich der Angeklagte bei der Familie nun für Alles, was er ihr angetan habe. Nicht nur, dass er seinen Verwandten die Tochter und Schwester genommen, sondern sie auch 16 Jahre belogen und im Ungewissen gelassen habe. - lnw

Quelle: wa.de

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