Ehemann getötet: Ärztin soll acht Jahre in Haft

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Die Ärztin Lydia H. soll wegen der Tötung ihres Mannes mit einer Überdosis Morphium nun doch nicht lebenslang ins Gefängnis.

AACHEN - Acht Jahre Haft statt lebenslang. Im neu aufgerollten Prozess um die Tötung ihres Ehemanns fiel am Montag in Aachen das Urteil gegen eine Ärztin. Die Richter sprachen zudem ein lebenslanges Berufsverbot aus.

Eine Ärztin soll wegen der Tötung ihres Mannes mit einer Überdosis Morphium nun doch nicht lebenslang ins Gefängnis. Im neu aufgerollten Prozess wurde die 38-jährige Frau am Montag am Landgericht Aachen wegen Totschlags zu acht Jahren Haft verurteilt. Die Richter sprachen außerdem ein lebenslanges Berufsverbot aus.

Der Ehemann habe dafür sorgen wollen, dass die früher drogenabhängige Frau ihre Berufszulassung verliere, stellten die Richter fest. Nach einem Streit habe sie Morphium in einer Spritze aufgezogen und ihren Mann damit getötet. Der Bundesgerichtshof hatte zuvor das erste Urteil - lebenslange Haft wegen Mordes - aufgehoben, weil die Tat als Totschlag zu werten sei. Gegen das aktuelle Urteil ist Berufung zugelassen.

Im Jahr 2001 sei die frühere Prostituierte zu dem Mann gezogen, er habe ihr Schule, Studium und Ärzte-Ausbildung ermöglicht, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Diewald. Nur Monate nach der Hochzeit im Jahr 2010 habe sie in einem Chat-Room einen anderen Mann kennengelernt. Gegen den Willen ihres Ehemanns habe sie sich als Anästhesistin beworben.

"Es gefiel ihm nicht, dass sie als Anästhesistin arbeiten wollte", sagte Diewald. Einer Bewerbung soll der Ehemann heimlich einen Zettel mit dem Hinweis auf die damalige Drogensucht seiner Frau beigelegt haben. Kurz vor der Tat habe sie eine Stellenzusage in Ulm bekommen. Der Ehemann habe ihre Bankkonten geräumt und gesperrt. Er habe gedroht, dafür sorgen zu wollen, dass seine Frau die Approbation verliere und so ihren Traumberuf nicht mehr ausüben konnte. "Für sie gab es nur ein Mittel: Ihr Mann musste sterben", sagte Diewald.

Das Gericht zweifelte ihre Schilderung des Tathergangs an, sie habe die Spritze nach einem Streit "wie von Sinnen" gesetzt. "Eine so hohe Erregung hat es nicht gegeben", sagte der Vorsitzende Richter. Auch für den geschilderten Tathergang, der Ehemann habe sich gegen die Spritze gewehrt, gebe es keinen Beweis. "Was da gewesen ist, wir wissen es nicht", sagte der Richter. Die Voraussetzungen für eine Bewertung als Mord seien nicht eindeutig nachweisbar.

In ihrem Teilgeständnis habe sie die Verantwortung für die Tat auf ihren Mann abgewälzt. Sie habe immer nur ihr Lebensziel verfolgt, als Anästhesistin zu arbeiten. "Jetzt steht sie vor dem Scherbenhaufen", sagte der Richter. - lnw

Quelle: wa.de

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