EHEC-Experte warnt: Gefahr noch nicht gebannt

MÜNSTER - Ein Jahr nach der EHEC-Epidemie in Deutschland mit mehr als 50 Toten ist die Gefahr durch Darmkeime nach Expertenansicht nicht gebannt.

"Die gute Nachricht ist, dass der damalige Ausbruchsstamm in diesem Jahr noch keine Erkrankungen verursacht hat", sagte Prof. Helge Karch vom Institut für Hygiene der Uniklinik Münster am Freitag. "Die schlechte Nachricht ist, dass es andere Stämme gibt, die Erkrankungen auslösen können."

42 EHEC-Typen seien bekannt, die Nierenversagen zur Folge haben könnten, sagte Karch. Der Stamm, der im vorigen Jahr gewütet habe, habe seine große Virulenz verloren. "Wenn ein neuer Ausbruch erfolgen sollte, wird er durch eine andere Variante hervorgerufen werden".

"Die Schwierigkeit ist jetzt, eine Voraussage zu treffen, um welchen dieser Stämme es sich handeln wird", sagte der EHEC-Experte. Die Forscher arbeiteten daran, solche Ausbrüche zu verhindern. Europaweit seien die Experten bereits vernetzt. "Ich denke aber, dass wir das weltweit machen müssen." Das erfordere die Globalisierung mit internationalen Warenströmen. Als Auslöser der Epidemie 2011 gelten Bockshornkleesamen aus Ägypten.

Nach Schätzungen der Experten leidet in der Bundesrepublik noch eine zweistellige Zahl von Betroffenen an Folgen wie Nierenschäden. Etwa fünf Prozent der Patienten mit dem schweren Krankheitsverlauf, dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS), dürften noch heute wegen der EHEC-Auswirkungen in Behandlung sein, schätzt der Experte für Nierenerkrankungen, Prof. Hermann-Joseph Pavenstädt. Umgerechnet auf 855 Menschen mit HUS würde das bundesweit etwa 40 Menschen betreffen.

"Man ist auf dem Weg dahin, eigene Therapien für EHEC-Patienten zu finden", sagte Karch. "Es wird aber noch einige Jahre dauern, bis sie verfügbar sind." Wissenschaftler arbeiteten auch an Impfstoffen für Rinder. Die Tiere gelten als wichtigstes Reservoir für EHEC-Erreger. - lnw

Quelle: wa.de

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