Duisburgs heruntergekommener Stadtteil Ruhrort erwacht zu neuem Leben

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Schauspieler Götz George posiert als Kommissar Schimanski an einer Kaimauer am Duisburger Hafen, aufgenommen vor 30 Jahren. Ruhrort war damals ein quirlig-lebendiges Quartier. Jetzt erholt sich der Stadtteil langsam von seinem Niedergang.

DUISBURG - Leerstand statt Hafenromantik: Das einst quirlige Viertel am Rheinhafen in Duisburg-Ruhrort ist seit den 70ern heruntergekommen. Doch neuerdings erwacht das Quartier aus seinem Dornröschenschlaf.

Muschelessen vor Hafendeko, mit Binnenschiffern streiten oder die schöne Kneipenwirtin Lilo küssen – im ersten Duisburger Tatort vor dreißig Jahren (1981, „Duisburg-Ruhrort“) trinkt Hauptdarsteller Goetz George sein Feierabendbier am liebsten in der Ruhrorter Gaststätte „Zum Anker“.

Das Viertel rund um Europas größten Binnenhafen war bis in die 70er Jahre ein quirlig-lebendiges Quartier – bis der zunehmende Konkurrenzkampf in der Schifffahrt die Romantik wegfegte. Kapitäne und Matrosen hocken hier heute schon lange nicht mehr am Tresen und warten auf neue Order. Die Binnenschifffahrt ist zu schnelllebig geworden. Viele Reedereien arbeiten in drei Schichten, ohne Pause. Es bleibt keine Zeit mehr für Einkäufe im Ort, geschweige denn ein Bierchen in der Kneipe.

Hier trank „Schimmi“ am liebsten sein Bier. Die Kneipe „Zum Anker“ ist heute das „Café Kaldi“, wo Wirtin Silke Laskowski eine muntere Damenrunde bedient.

Die Folge: In Ruhrort liegt der Ladenleerstand aktuell bei 25 Prozent. „Früher liefen hier haufenweise Matrosen rum. Und in den Altstadtgassen florierte das Rotlichtgeschäft“, erinnert sich der 72-jährige Dieter Siegel – ein zweites St.-Pauli mitten in Nordrhein-Westfalen. „Ein trostloses Bild ist das heute“, klagt auch die Ruhrorterin Karin Tuchalsky beim Blick auf manche Straße.Von dem blühenden Leben von einst wollen die Ruhrorter jetzt möglichst viel zurück. Seit einem Jahr trifft sich im einstigen „Anker“, der heute „Café Kaldi“ heißt, ein Kreativkreis aus Bürgern, Künstlern und Unternehmern. Sein Leiter Olaf Reifegerste ist überzeugt: „Wir können die urige Altstadt von einst nicht wieder aufbauen. Davon ist vieles leider abgerissen worden. Aber wir können erreichen, dass Ruhrort wieder lebens- und liebenswert wird – für alte und neue Bewohner dieses Stadtteils.“

Erste Veränderungen sind bereits sichtbar. Immer mehr Künstler und Unternehmen der Kreativwirtschaft entdecken den Duisburger Stadtteil. Ob Werbeagentur, Verlag, Hunde-Café oder Hutmacherin – Kleinstunternehmen jeder Couleur siedeln sich mit ihren Geschäftsideen an. Ruhrort hat sich hinter dem hippen Duisburger Innenhafen und der Innenstadt auf Platz drei für Bürostandorte gemausert. Auch junge Familien ziehen verstärkt nach Ruhrort, weil die Mieten und Eigenheime dort noch günstig sind.

„Revitalisierung Ruhrort“ heißt der Masterplan, mit dem vor allem der ortsansässige Familienkonzern Haniel mit der Stadt Duisburg und der Hafengesellschaft Duisport den Stadtteil an der Mündung der Ruhr in den Rhein wiederbeleben will. „Dazu gehört auch, dass wir Eltern das Gefühl vermitteln, dass ihre Kinder in den Schulen vor Ort bestens aufgehoben sind“, sagt die zuständige Haniel-Managerin Jutta Stolle. Das Unternehmen unterstützt deshalb Schulprojekte und Unternehmenspraktika.

Unkraut wächst zwischen dem Kopfsteinpflaster. In manchen Straßen des Duisburger Stadtteils Ruhrort sieht es etwas trostlos aus. Doch das soll sich ändern.

Kleine Dinge fehlen noch, etwa eine Eisdiele oder ein Kino, zählt Olaf Reifegerste auf. Zehn bis 15 Jahre dauere es wohl noch, bis Ruhrort aus seinem Dornröschenschlaf richtig erwacht sei. So lange hoffen die Alt- und Neu-Ruhrorter auch, Immobilienhaie fernhalten zu können. Entwicklungen wie in Berlin oder Düsseldorf mit Wucherpreisen für Immobilien und Schickimicki-Ansiedlungen wollen sie vermeiden.

Im „Café Kaldi“ hat Silke Laskowksi bereits neue Pläne. Sie hat den weltberühmten Fotografen Peter Lindbergh, in Duisburg aufgewachsen, gefragt, ob er nicht Goetz George alias Horst Schimanski in Duisburg-Ruhrort fotografieren möchte. „Und wir richten dann die Ausstellungseröffnung aus, das wäre mein Traum“, sagt die Gastronomin. - dpa

Quelle: wa.de

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