NRW-Kliniken: Pilotprojekt für vergewaltigte Frauen

DÜSSELDORF - Nach einer Vergewaltigung fehlt vielen Frauen zunächst die Kraft für eine Strafanzeige. Später ist es dann oft zu spät, um den Täter verurteilen zu können. Ein bundesweites Pilotprojekt soll das ändern.

Ein Klinikverbund in Nordrhein-Westfalen wird ein bundesweites Pilotprojekt für vergewaltigte Frauen testen. Die Spuren von Sexualverbrechen sollen künftig von den Ärzten anonym und dennoch gerichtsfest gesichert werden, auch wenn die Frau die Tat zunächst nicht anzeigen möchte, teilte NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) am Mittwoch mit. Das Projekt trage der Tatsache Rechnung, dass viele Opfer sich erst mit erheblichem zeitlichem Abstand zur Tat für eine Strafanzeige entschieden.

Viele Frauen wendeten sich zuerst an einen Arzt. Das Projekt soll verhindern, dass sich die Beweislage dadurch entscheidend verschlechtert. Die Beweissicherung finde daher zunächst vertraulich statt. Die Beweise würden aufbewahrt und seien über einen anonymisierten Code dem Opfer zuzuordnen.

Das "Gewaltopfer-Beweissicherung-Informationssystem" (GOBSIS) werde unter Leitung der Rechtsmedizin der Universitätsklinik Düsseldorf aufgebaut. Das System soll zunächst von fünf Partnerkliniken sowie ausgewählten gynäkologischen Praxen in unterschiedlichen Regionen in Nordrhein-Westfalen getestet werden.

"Damit wollen wir auch erreichen, die Bereitschaft zur Anzeige bei den betroffenen Frauen insgesamt zu erhöhen", so Steffens. GOBSIS soll zudem die Ärzte mit Checklisten und elektronischen Befunddokumentationen unterstützen. Die Erprobungsphase solle im Sommer starten. - lnw

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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